Dresdner Kreuzchor beendet Festival mit Mendelssohns „Lobgesang"
StartseiteKulturMusikStand: 06.09.2026, 12:58 UhrKommentareUns auf Google folgenDer Dresdner Kreuzchor in der Basilika. © Ansgar KlostermannDas Rheingau Musik Festival ist nach 39 Spieltagen zu Ende gegangen. B...
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Stand: 06.09.2026, 12:58 Uhr
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Das Rheingau Musik Festival ist nach 39 Spieltagen zu Ende gegangen. Beim Abschlusskonzert in Kloster Eberbach sangen 80 Knaben und junge Männer des Dresdner Kreuzchors.
Üblicherweise ist das akustische Zeichen für den Beginn von Konzerten ein zweiteiliger Terz-Fall oder ein Klingelton. Beides in periodischer Wiederholung und jeweils gesteigerter Anzahl im Drei-Minutentakt. Bei den Konzerten des Rheingau Musik Festivals in Kloster Eberbach, so auch jetzt zum Abschluss der 39. Spielzeit, ertönt dagegen immer ein posaunengespieltes Motiv, das aus Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie-Kantate („Lobgesang“) stammt. Sie wird als 2. Sinfonie des Komponisten geführt.
Dieses Motiv sind die ersten Takte des Werks und entpuppen sich später, in der großen Kantate, die auf drei sinfonie-artige Sätze folgt, als vertonte Verse aus dem 150. Psalm Davids: „Alles was Odem hat, lobe den Herrn!“
Das Werk, zum 400. Jubiläum der Erfindung des Buchdrucks 1840 in Leipzig uraufgeführt, begann seinen Siegeszug im England des 19. Jahrhunderts, wo es mit seinem weltbezogenen Anspruch („Ihr Völker...“) als religiös gewandete Botschaft das imperiale puritanische Sendungsbewusstsein perfekt traf („So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“). Ein Topos, der sich seither durch alle politischen Lager zieht, die die Welt umspannen wollen.
Das gut einstündige Werk erklang jetzt nach zwei kleiner dimensionierten Vokalwerken, die den subtileren, aufs einzelne Seelenheil gerichteten Duktus Mendelssohn Bartholdys in seiner unforcierten Klangsprache zeigten. „Hör mein Bitten“ nach Psalm 55 sowie „Drei geistliche Lieder und Fuge“ nach Psalm 13 waren ohne den Standard feiertäglicher Bekenntnis-Euphorie.
Ein deutliches Profil und viel Bewegung
Dresdner Kreuzchor und Dresdner Philharmonie bestritten den Abend. Zwei Ensembles wie geschaffen für solche klanglichen Expositionen. Die 80 Knaben und jungen Männer brachten den hellfarbigen, durch die tiefstimmigen Grundierungen bewegt-mächtigen Kantatenton dieser Sinfonie hervorragend zur Geltung. Nicht einen Moment lang hatte man den Eindruck, in der rein männlichen Formation eine verspannte Höhenführung gewärtigen zu müssen.
Die Dresdner Philharmonie gab bei dem Festival ihrem gewichtigen Part nicht nur in den drei Sinfoniesätzen deutlich Bewegung und Profil, während die drei Solo-Vokalstimmen von Sarah Wegener (mit schön animiertem Sopran), Marie Henriette Reinhold (exponiert und in treffender Mezzo-Direktheit) sowie Mauro Peter (differenziert und mit leichtem Tenor) bestens agierten. Kreuzkantor Martin Lehmann hielt die klingenden Massen im Zaum, ohne von einem geschwinden, nur manchmal etwas planen Klang-Durchlauf abzuweichen.