Deutsche Leichtathleten wollen bei EM-Generalprobe glänzen

Gut zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaften geht es für Deutschlands Leichtathleten am Wochenende in Bochum-Wattenscheid um die deutschen Meistertitel und die letzten Tickets für den Saisonhöhepunkt in Birmingham.

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Deutsche Leichtathleten wollen bei EM-Generalprobe glänzen
Malaika Mihambo

Leichtathletik-DM Mihambo, Weber und Co. wollen bei EM-Generalprobe glänzen

Stand: 22.07.2026 • 20:07 Uhr

Gut zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaften geht es für Deutschlands Leichtathleten am Wochenende in Bochum-Wattenscheid um die deutschen Meistertitel und die letzten Tickets für den Saisonhöhepunkt in Birmingham.

Von Bettina Lenner

In welcher Verfassung präsentieren sich die deutschen Hoffnungsträger kurz vor den kontinentalen Titelkämpfen? Springt Malaika Mihambo zum zweiten Mal in dieser Saison über sieben Meter? Lassen Deutschlands Rekordläufer auf der blauen Bahn von Wattenscheid die nächsten Bestmarken purzeln?

Zwei Tage lang gibt es am Samstag und Sonntag Weltklasse-Leichtathletik im Lohrheidestadion. Die Entscheidungen im Stabhochsprung dagegen fallen bereits am Donnerstag (16 Uhr, im Livestream bei sportschau.de) und Freitag (14.30 Uhr, im Livestream bei sportschau.de) im Rahmen der "Finals" in Hannover.

Lita Baehre zurück zu alter Stärke

Vor spektakulärer Kulisse auf dem Opernplatz im Herzen der niedersächsischen Landeshauptstadt steht dabei zum Auftakt am Donnerstag besonders Bo Kanda Lita Baehre im Fokus.

Der Stabhochspringer von Düsseldorf Athletics sicherte sich Mitte Juli in Madrid mit 5,90 m direkt im ersten Versuch den Sieg und stellte damit nicht nur seine persönliche Bestleistung ein, sondern sprang auch so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. In dieser Verfassung dürfte der EM-Zweite von München 2022 auf nationaler Ebene kaum zu schlagen sein.

Aktuell das Maß der Dinge im deutschen Stabhochspringen: Bo Kanda Lita Baehre

Bei den Läufern purzeln die Rekorde

Überhaupt präsentieren sich die DLV-Athleten in herausragender Form. Tokio-Olympiasiegerin Mihambo ist zuletzt nach überstandenen Rückenproblemen beim Diamond-League-Meeting in London bei 7,05 m gelandet - die größte Weite seit ihrem EM-Sieg vor 25 Monaten in Rom (7,22).

Im Olympiastadion von 2012 brillierte zudem Emil Agyekum über 400 m Hürden und knackte den deutschen Uralt-Rekord von Harald Schmid. In Europa war in diesem Jahr nur Weltrekordler Karsten Warholm aus Norwegen schneller als der WM-Sechste.

Auch Robert Farken liefert aktuell nationale Bestmarken regelrecht am Fließband - zuletzt gelangen ihm ebenfalls in London in einem Rennen gleich zwei deutsche Rekorde über 1500 m sowie über die Meile.

Hindernis-Europarekordler Frederik Ruppert (7:57,80 Minuten im Mai) hat sich kurzfristig für einen 5000-m-Start entschieden, während der deutsche Rekordhalter Mohamed Abdilaahi auf seine Teilnahme mit Blick auf die EM-Vorbereitung vorsichtshalber verzichtet. Über 3000 m Hindernis ist nun Titelverteidiger Karl Bebendorf der Favorit, der ebenfalls eine starke Saison abliefert und in der europäischen Jahresbestenliste Platz zwei hinter Ruppert belegt.

Hindernis-Show mit Krause und Co.

Ohnehin versprechen die Hindernis-Rennen im Lohrheidestadion eine große Show. Denn auch die Frauen sorgen derzeit international für Aufsehen. Die glänzend aufgelegte zweimalige Europameisterin Gesa Krause unterstrich Anfang Juli in Eugene (USA) mit 9:07,50 Minuten ihre starke Form - schneller war sie bislang nur bei ihrem deutschen Rekord 2019 gelaufen.

Insgesamt haben allerdings bereits vier Läuferinnen die EM-Norm erfüllt, darunter auch Lea Meyer, EM-Zweite 2022 und aktuell Europas Nummer drei - bei nur drei Startplätzen pro Nation. "Konkurrenz belebt das Geschäft, also je mehr, desto besser", so Krause, die in dieser Saison Bestzeiten über 1500 und 3000 m aufgestellt hat - die 33-Jährige ist topfit.

Ist pünktlich zu den Finals und der EM in Topform: Hindernisläuferin Gesa Krause

Weber meldet sich eindrucksvoll zurück

Regelrecht von einer Last befreit geht Julian Weber in die Meisterschaften. Nach monatelangem Warten, Hoffen und Hadern warf der Europameister von München den Speer vergangene Woche in Luzern bei seinem ersten Wettkampf des Jahres auf 87,04 m - europäische Jahresbestleistung, Nummer drei in der Welt. Und das einen Monat vor dem Saisonhöhepunkt.

"Vor ein paar Wochen hätte ich noch gesagt, Hauptsache werfen und einigermaßen beschwerdefrei werfen. Jetzt mit Luzern habe ich ein anderes Ziel", sagte der 31-Jährige, der mit multiplen Verletzungsproblemen gekämpft hatte.

Ich war wie ein Tiger im Käfig, der raus und spielen will. Ich wollte unbedingt zeigen, was in mir steckt.

Julian Weber

Nun will er am Samstag seinen sechsten deutschen Meistertitel in Serie holen. Damit würde er mit Speerwurf-Legende Klaus Wolfermann gleichziehen, dem Olympiasieger von München 1972. Sein härtester Rivale könnte in Thomas Röhler ein alter Bekannter werden, der sich zehn Jahre nach dem Olympiasieg in Rio de Janeiro mit Würfen über 80 Meter ebenfalls auf der internationalen Bühne zurückgemeldet hat.

Wurde bei der WM in Tokio Fünfter: Julian Weber

Rekordsprinter Ansah plant mit DM-Start

Neben Mihambo steht eine weitere Olympiasiegerin im Fokus: Kugelstoßerin Yemisi Mabry hat sich Ende Juni mit 19,93 m immerhin schon einmal der 20-m-Marke angenähert, sie aber in dieser Saison unter freiem Himmel noch nicht übertroffen. Vielleicht klappt es ja bei der EM-Generalprobe in Wattenscheid?

Sprint-Königin Gina Lückenkemper, die im Herbst heiratet, ist in jeder Hinsicht gut drauf. Die Westfälin wird das Publikum wie immer verzaubern. Deutschlands schnellster Mann Owen Ansah, der den deutschen Rekord über 100 Meter zuletzt auf 9,98 Sekunden gesteigert hatte, sieht sich indes mit dem Vorwurf der Verweigerung einer Dopingkontrolle und möglicherweise drastischen Folgen konfrontiert, plant aber dennoch mit einem DM-Start.

Klosterhalfen verzichtet auf DM und EM

Nicht dabei ist die frühere 5000-m-Europameisterin Konstanze Klosterhalfen, die auch auf die EM-Teilnahme verzichtet. Die 29-Jährige, die im April ihren deutschen Rekord über zehn Kilometer auf der Straße verbessert hatte, will sich lieber auf den Straßenlauf konzentrieren und im kommenden Jahr auf die Bahn zurückkehren.

Auch Kolberg und Honsel sagen Wattenscheid ab

800-m-Spezialistin Majtie Kolberg und Hochspringerin Christina Honsel verzichten ebenfalls auf einen DM-Start, haben aber die Europameisterschaften im Blick. "In den vergangenen zwei Wochen hatte ich mit einer Verletzung zu kämpfen. Gemeinsam mit meinem Team und den Ärzten haben wir entschieden, kein unnötiges Risiko einzugehen", teilte die EM-Fünfte Kolberg bei Instagram mit.

Lokalmatadorin Honsel hat seit Monaten mit Problemen am Fuß zu kämpfen und entschied sich schweren Herzens gegen einen Auftritt vor heimischer Kulisse. "Ich möchte auf meinen Körper hören", so die Zwei-Meter-Springerin. "Im Training läuft aktuell vieles richtig gut und ich kann fast alles wie geplant absolvieren. Nur mein Fuß gibt die Belastung im Hochsprung aktuell noch nicht her, sodass ein Wettkampf im Moment nicht sinnvoll wäre." In Birmingham werde sie "auf jeden Fall" starten.