Erdgas wird noch teurer: Was Verbraucher jetzt tun sollten

Der Konflikt im Nahen Osten ist wieder aufgeflammt, damit stirbt die Hoffnung der Branche, die Straße von Hormus, der wichtigste Transportweg in der Welt für die Energiewirtschaft, könne wieder geöffnet werden ...

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Erdgas wird noch teurer: Was Verbraucher jetzt tun sollten

Der Konflikt im Nahen Osten ist wieder aufgeflammt, damit stirbt die Hoffnung der Branche, die Straße von Hormus, der wichtigste Transportweg in der Welt für die Energiewirtschaft, könne wieder geöffnet werden und sich der Markt damit entspannen. Das sind schlechte Nachrichten für alle, die ihre Häuser mit Erdgas und Erdöl warm halten.

Seit Anfang August haben die europäischen Großhandelspreise um mehr als 20 Prozent angezogen. Zwar geben Gasversorger, die in der Regel langfristig einkaufen, Preissteigerungen erst mit Zeitverzug weiter, aber schon jetzt sind laut Peter Lassek, Leiter der Fachgruppe Recht bei der Verbraucherzentrale Hessen, deutliche Preisanstiege zu beobachten. Der Blick in die Zukunft sei zwar einer in die Glaskugel, „doch dürfte die Heizperiode 2026/27 ein relativ teures und risikoreiches Heizvergnügen werden“, warnt Lassek auch im Hinblick auf niedrige Speicherstände, die das Risiko steigender Preise zusätzlich erhöhen.

Die Energieexperten des Vergleichsportals Verivox rechnen mit höheren Heizkosten von bis zu 20 Prozent, sollten die Großhandelspreise auf dem aktuellen Preisniveau bleiben. „Am schnellsten steigen die Preise für Neukunden, da diese Angebote üblicherweise besonders streng kalkuliert sind. Mit der Zeit werden aber auch die Preise für Bestandskunden erhöht“, sagt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.

400 Euro Mehrkosten im Jahr

Konnten Neukunden im Frühjahr noch Tarife mit acht bis zehn Cent die Kilowattstunde finden – bei der Frankfurter Mainova waren es Ende März laut Lassek 9,23 Cent –, so lag im August der Gaspreis für einen Durchschnittshaushalt (20.000 Kilowattstunden im Jahr) nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft im Schnitt bei 11,93 Cent. „Der aktuelle Endkundenmarkt liegt bereits bei etwa elf bis zwölf Cent“, stellt Lassek fest. Zwei Cent mehr die Kilowattstunde, das bedeutet bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Mehrkosten von 400 Euro.

Dabei liegen die günstigsten Neuverträge noch immer weit unter den teuren Grundversorgertarifen, die für Verbraucher bei einem Einzug oder Umzug automatisch gelten, wenn vorher kein anderer Vertrag abgeschlossen wurde. Im Moment liegen die örtlichen Grundversorgertarife laut Verivox unverändert bei 13,4 Cent im bundesweiten Schnitt.

Das wird nicht so bleiben. Für Oktober liegen dem Vergleichsportal Verivox bereits fünf Ankündigungen von Preiserhöhungen – sie müssen sechs Wochen im Voraus erfolgen – vor, im Schnitt um sechs Prozent. Zum Jahreswechsel rechnen die Portalbetreiber mit weiteren Preiserhöhungen, weil die Preise in der Grundversorgung üblicherweise mit einem Zeitverzug von bis zu sechs Monaten auf gestiegene Großhandelspreise reagierten.

Preisgarantie vorab sichern bei laufenden Verträgen

Den Vorsprung sollten Verbraucher nutzen und sich jetzt durch einen Wechsel in einen Tarif mit Preisgarantie für zwölf oder 24 Monate ein vergleichsweise günstiges Preisniveau sichern, empfehlen Verivox und die Verbraucherzentrale. Der Vorteil: Haushalte haben einen kalkulierbaren Preis. „Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass die Preise wieder nachgeben, aber man kauft sich damit Preissicherheit in einer ungewöhnlich volatilen Phase“, sagt Lassek. Für alle, die noch einen teuren Grundversorgungstarif haben, gilt die Wechselempfehlung ohnehin.

Wer seinen Vertrag länger nicht geprüft hat, sollte das jetzt nachholen. Bei einem Vertrag mit fester Laufzeit – maximal 24 Monate sind zulässig – ist die Kündigungsfrist maßgeblich. Erhöht der Versorger die Preise, haben Kunden jedoch ein Sonderkündigungsrecht. Der Vorteil bei einem Tarif in der Grundversorgung: Der Vertrag kann grundsätzlich mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.

Laut Verivox bieten einige Versorger an, sich trotz laufender Verträge einen Preis für zwölf Monate im Voraus zu sichern. „Das kann eine gute Sache sein“, sagt Lassek und rät, auch in diesem Fall beim Preisvergleich nicht nur auf den Arbeits-, sondern auch auf den Grundpreis zu achten und damit die Gesamtkosten im Blick zu behalten. Den maximalen Schutz vor steigenden Preisen liefert ein Tarif mit vollständiger Preisgarantie, bei der neben dem Energiepreis auch die Netzentgelte und staatlichen Umlagen und Abgaben fixiert werden. Die eingeschränkte Preisgarantie deckt in der Regel nur den reinen Energiekostenanteil (Beschaffung und Vertrieb) ab.

Die Marktlage ruft bei vielen, die seinerzeit einen Vertrag mit einem Billiganbieter wie Stromio und Gas.de hatten, in Erinnerung, wie sie von einem Tag auf den anderen die Kündigung ihrer Verträge auf dem Tisch hatten und in die teure Grundversorgung rutschten. Verbraucherschützer Lassek gibt Entwarnung. Das Modell, bei dem Anbieter unkontrolliert auf die riskante Kurzfrist-Beschaffung gesetzt hätten, gebe es in dieser Form nicht mehr. „Das System der Discounter hat sich durch neue Gesetze und strenge Aufsicht grundlegend verändert“, sagt er. So müssten Anbieter eine geplante Änderung der Belieferung mindestens drei Monate im Voraus an die Bundesnetzagentur melden. Ein plötzlicher, vertragswidriger „Über-Nacht-Lieferstopp“ wie Ende 2021 sei somit illegal.

Gastarife vergleichen ist das eine. Verbraucherschützer weisen regelmäßig auch darauf hin, wie sich schon mit kleinen Stellschrauben Verbrauch und Kosten senken lassen. „Runter vom Energieverbraucher“ ist ein eineinhalbstündiges Onlineseminar am 16. September, 18 Uhr, überschrieben, in dem die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auf die größten Einsparmöglichkeiten, etwa die effiziente Nutzung und Einstellung der Heizungsanlage, hinweist.