Der Handel mit dem Kult-Staubsauger: Wie ein ehemaliger Vorwerk-Mitarbeiter den Kobold verkauft

wa.deNRWStand: 29.08.2026, 20:00 UhrKommentareUns auf Google folgenMatthias Pernt handelt seit über 30 Jahren mit Kobold-Staubsaugern. Sein Dauerbrenner ist der 121er – obwohl das Modell längst nicht mehr herge...

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Der Handel mit dem Kult-Staubsauger: Wie ein ehemaliger Vorwerk-Mitarbeiter den Kobold verkauft

Stand: 29.08.2026, 20:00 Uhr

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Matthias Pernt handelt seit über 30 Jahren mit Kobold-Staubsaugern. Sein Dauerbrenner ist der 121er – obwohl das Modell längst nicht mehr hergestellt wird.

Lüdenscheid – Der Kobold hat auf dem Wochenmarkt ein Zuhause gefunden. Nicht der aus dem Märchen, sondern der von Vorwerk. Sein Hüter heißt Matthias Pernt, ist 65 Jahre alt und kennt die grünen Klassiker besser als manche ihre eigene Werkzeugkiste. Während die Kollegen nebenan Tomaten, Kartoffeln oder Blumen verkaufen, wirbt Pernt für Teppichbürsten und Staubsauger. Und erstaunlicherweise bleiben die Menschen stehen. Viele sogar länger als geplant.

Der Kobold 121 ist immer noch sehr gefragt bei Matthias Pernts Kundschaft auf dem Wochenmarkt.

Der Kobold 121 ist immer noch sehr gefragt bei Matthias Pernts Kundschaft auf dem Wochenmarkt. © Thilo Kortmann

„Ist das wirklich noch ein 121er?“, fragt eine Kundin und betrachtet einen der Staubsauger fast so aufmerksam wie andere einen Oldtimer auf einem Treffen. Pernt nickt zufrieden. Der Kobold 121 ist sein Dauerbrenner. Obwohl das Modell längst nicht mehr hergestellt wird, erfreut es sich noch immer großer Beliebtheit. „Der Kobold wird gerne gekauft. Nach wie vor“, sagt er. Vier bis fünf Staubsauger bringt er normalerweise mit auf den Markt, dazu Schläuche, Bürsten, Filter und allerlei Zubehör. Sein Stand wirkt dabei wie ein Sprung in die Welt des Hausputzes.

Viel Staubsauger-Zubehör von Vorwerk hat der Händler aus Sachsen-Anhalt mit im Gepäck.

Viel Staubsauger-Zubehör von Vorwerk hat der Händler aus Sachsen-Anhalt mit im Gepäck. © Thilo Kortmann

Bereits seit 1992 ist der gebürtige Bernburger für Vorwerk und seine Produkte unterwegs. Damals, erinnert er sich, gehörten die legendären Vorwerk-Vertreter noch zum Alltag vieler Familien. An Haustüren wurde geklingelt, Wohnzimmer wurden zu Vorführräumen, Staub auf den Teppich gekippt. „Früher gab es rund 6000 Vorwerk-Vertriebler in Deutschland, heute vielleicht noch 500“, erzählt er. Vieles habe sich verändert. Geblieben sei jedoch die besondere Beziehung vieler Menschen zu ihren Geräten. „Alles verändert hat die Umstellung von der D-Mark auf den Euro. Seitdem ist die Anzahl der Vorwerk-Vertriebler zurückgegangen“, hat der Bernburger beobachtet,

Kein Druck mehr

Pernt selbst ist längst Rentner. Doch wer glaubt, dass er seine Tage ausschließlich im Liegestuhl verbringt, kennt den 65-Jährigen schlecht. Dafür macht ihm der Kontakt zu den Menschen viel zu viel Freude. „Es macht einfach Spaß. Das Herumreisen, die Gespräche und die Begegnungen. Heute ist da kein Druck mehr, unbedingt verkaufen zu müssen.“ Genau das hört man ihm an. Er spricht nicht wie ein Verkäufer, sondern wie jemand, der sein Hobby zum Beruf und seinen Beruf später wieder zum Hobby gemacht hat.

Seit 2002 arbeitet er als freiberuflicher Händler. Bei Vorwerk selbst ist er nicht mehr angestellt. Stattdessen hat er ein Gewerbe angemeldet und sich auf gebrauchte Vorwerk-Geräte spezialisiert. „Die Firma begrüßt es, dass ehemalige Mitarbeiter mit gebrauchten Modellen handeln“, erzählt er. Vor allem die älteren Ausführungen haben es ihm angetan. Modelle aus einer Zeit, als Akkus noch keine große Rolle spielten. „Das sind Geräte, die noch in die Steckdose gesteckt werden“, sagt er und lacht.

Vorgänger auf Markt verstorben

Vor gut fünf Jahren übernahm Pernt den Marktstand seines Lüdenscheider Vorgängers, der verstorben war. Jahrzehntelang hatte der dort Staubsauger verkauft und sich eine treue Stammkundschaft aufgebaut. Viele dieser Kunden kommen bis heute. Manche benötigen Ersatzteile, andere lassen sich beraten. Wieder andere schauen einfach vorbei, um ein paar Worte zu wechseln. Denn wer länger am Stand stehen bleibt, merkt schnell: Hier werden nicht nur Staubsauger verkauft, sondern auch Geschichten ausgetauscht.

Die Kundschaft ist dabei deutlich jünger, als viele vermuten würden. „Es sind nicht nur Rentner, die sich für die alten Vorwerk-Modelle interessieren“, sagt Pernt. Auch junge Mütter und Väter würden gezielt nach den Klassikern fragen. Viele wollten keine Wegwerfprodukte kaufen, sondern Geräte, die auch nach Jahren noch zuverlässig funktionieren. Für Pernt keine Überraschung. „Der Kobold ist in seinem Saugverhalten einfach einzigartig. Und die Teppichbürsten sind unschlagbar.“

Vorwerk auch in Thailand

Wie gut und groß der Ruf der Marke ist, hat ihn sogar im Urlaub überrascht. Bei einer Reise nach Thailand entdeckte er plötzlich vertraute Geräte in fremden Haushalten. „Da habe ich gesehen, dass viele mit dem Kobold saugen.“ Für ihn war das ein weiterer Beweis für die besondere Stellung der Marke. Seine Einschätzung fällt ohnehin eindeutig aus: „Ein Vorwerk-Staubsauger ist der Mercedes unter den Staubsaugern.“

Dennoch lässt er es heute entspannter angehen. Er ist nicht regelmäßig auf dem Wochenmarkt anzutreffen, sondern so, wie es ihm gefällt. Schließlich gibt es auch noch ein Leben außerhalb des Staubsaugergeschäfts. Viel Zeit verbringt er mit seiner Frau, genießt die Freiheiten des Rentnerdaseins und muss niemandem mehr Rechenschaft über Verkaufszahlen ablegen. Doch ganz ohne Kobold und Wochenmarkt geht es offenbar nicht.

Und so steht Matthias Pernt weiterhin zwischen Gemüsekisten und Blumenständen, wo seine grünen Klassiker regelmäßig für Gesprächsstoff sorgen. Während viele Produkte kommen und gehen, haben sich seine Staubsauger einen festen Platz erarbeitet. Vielleicht liegt es an ihrer Qualität. Vielleicht an der Nostalgie. Oder vielleicht einfach daran, dass hinter jedem Kobold ein Händler steht, der seine Begeisterung bis heute nicht verstauben lässt.

Kaum tauchen Spinnen in der Wohnung auf, haben manche Menschen schon den Staubsauger in der Hand und wollen die Tiere vernichten. Trotz Einsaugen bleibt eine niedrige Überlebenschance.