Der CIA-Direktor soll Russland zu einem Ende des Ukraine-Krieges aufgerufen haben
Über den mysteriösen Russland-Besuch des amerikanischen Geheimdienstchefs kursiert in den USA eine neue Version: John Ratcliffe soll Moskau mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt haben, dass die Offensive in der Ukraine in der Sackgasse stecke.
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Der CIA-Direktor soll den Kreml zu Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Krieges aufgerufen haben
Über den mysteriösen Russland-Besuch des amerikanischen Geheimdienstchefs kursiert in den USA eine neue Version: John Ratcliffe soll Moskau mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt haben, dass die Offensive in der Ukraine in der Sackgasse stecke.
Renzo Ruf, Washington28.08.2026, 19.38 Uhr
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Zur Moskau-Reise von John Ratcliffe, dem Direktor des amerikanischen Auslandgeheimdienstes CIA, gibt es unterschiedliche Erklärungen.
Andrew Harnik / Getty
Das Rätselraten um die Kurzvisite des CIA-Direktors John Ratcliffe am vergangenen Dienstag in Moskau dauert an. Nach seiner Rückkehr aus Russland berichteten mehrere amerikanische Medien, dass Ratcliffe im Kreml eine Warnung deponiert habe.
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Der Geheimdienstchef, ein ehemaliger republikanischer Abgeordneter und ein Vertrauter des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, soll russischen Regierungsvertretern in scharfen Worten von einer Invasion eines benachbarten Nato-Mitgliedstaates abgeraten haben. Dies sagten mehrere anonyme Quellen den beiden Publikationen «Wall Street Journal» und «Politico» zur Wochenmitte. «Politico» nannte in diesem Zusammenhang die drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland, während im «Wall Street Journal» nur von «Nato-Ländern» die Rede war.
Nun liefert die «New York Times» eine weitere, deutlich andere Erklärung für den unangekündigten Blitzbesuch Ratcliffes. Die Zeitung behauptete in ihrer Freitagsausgabe, ebenfalls basierend auf ungenannten Quellen, dass sich die Gespräche des CIA-Direktors in Moskau um den Krieg in der Ukraine gedreht hätten.
Der diplomatische Kanal funktioniert nicht mehr
Ratcliffe habe Alexander Bortnikow, dem Chef des Inlandgeheimdienstes FSB, in einer privaten Unterredung dargelegt, dass die russische Offensive zum Scheitern verurteilt sei. Der Kreml sei gut beraten, endlich in ernsthafte Friedensverhandlungen einzuwilligen, bevor Russlands militärische und ökonomische Situation sich verschlechtere, habe Ratcliffe gesagt.
Obwohl sich Ratcliffe nach amerikanischen und russischen Informationen während seines vier Stunden dauernden Moskau-Aufenthaltes nicht mit Wladimir Putin traf, sei der russische Präsident der eigentliche Adressat dieser Informationen gewesen. Amerikanische Geheimdienste seien schon lange davon überzeugt, dass Putins Umfeld den Kremlführer vor Informationen abschirme, die nicht zum rosigen Bild der russischen Propaganda passten, schreibt dazu die «New York Times».
Angeblich hegen einflussreiche Kreise in Washington die Hoffnung, der ehemalige Geheimdienstler Putin würde eine persönliche Botschaft des CIA-Direktors ernster nehmen als eine konventionelle Mitteilung über einen diplomatischen Kanal.
Ob die Mitteilung Ratcliffes den russischen Präsidenten erreichte, ist nicht bekannt. Zudem gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Putin die für Russland negative Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste teilt. Putin gibt sich in öffentlichen Auftritten stets siegessicher, obwohl es den Ukrainern in den vergangenen Monaten gelungen ist, den Vormarsch der russischen Bodentruppen fast vollständig zu stoppen.
Vielmehr könnte es nach Auffassung amerikanischer Geheimdienste sein, dass Russlands Präsident den Westen in einer Phase der Schwäche sieht. Über eine entsprechende nachrichtendienstliche Analyse berichtete am Donnerstag die «Washington Post». Grund für die zuversichtliche russische Einschätzung sei, dass die USA im Iran-Krieg weit mehr militärische Ressourcen als geplant verbraucht hätten.
Trump soll Ratcliffe-Visite in Auftrag gegeben haben
Trump verkündet immer noch mit einer gewissen Regelmässigkeit, dass er den russisch-ukrainischen Krieg beenden wolle — auch wenn die Frist, die er sich im Wahlkampf 2024 selbst gesetzt hatte, schon lange abgelaufen ist. Am Mittwoch sagte der amerikanische Präsident in einem Radiointerview: «Wir würden uns wünschen, dass der Krieg gegen die Ukraine endet.»
Die entsprechenden Verhandlungen, die sein Sondergesandter Steven Witkoff zusammen mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner führte, sind aber schon vor Monaten eingeschlafen. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte dies am Freitag. Auch sagte der Mitarbeiter des russischen Präsidenten, es zirkulierten in diplomatischen Kreisen «keine neuen Ideen».
Einer der Gründe, warum der Moskau-Besuch von Ratcliffe in den vergangenen Tagen derart viele Spekulationen auslöste, könnte in der Kommunikationsstrategie des Weissen Hauses liegen. Trump soll Ratcliffe angeblich persönlich beauftragt haben, nach Moskau zu reisen, berichtete das «Wall Street Journal» am Freitag.
Selbst hochrangige Berater des Präsidenten waren nicht über die Visite informiert und wurden von den Medienberichten entsprechend überrascht. Dies deutet darauf hin, dass die Mission von Ratcliffe auch in den Augen Trumps eine gewisse Dringlichkeit hatte. Eine Rolle spielten dabei vielleicht amerikanische Geheimdienstinformationen, wonach Putin wegen mangelnder russischer Terraingewinne in der Ukraine mit dem Rücken zur Wand stehe und deshalb immer unberechenbarer werde.
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