Wirtschaftsministerin Katherina Reiche provoziert – und gefährdet ihre liberale Stimme

Der andere BlickCornelius Welp, FrankfurtDie liberale Stimme von Katherina Reiche ist wichtig. Sie sollte sie nicht durch Provokationen gefährdenDie deutsche Wirtschaftsministerin liegt mit ihrer Kritik an der ...

  • 4 min read
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche provoziert – und gefährdet ihre liberale Stimme

Der andere Blick

Cornelius Welp, Frankfurt

Die liberale Stimme von Katherina Reiche ist wichtig. Sie sollte sie nicht durch Provokationen gefährden

Die deutsche Wirtschaftsministerin liegt mit ihrer Kritik an der Steuerreform in der Sache richtig, aber in der Form falsch. Mit solchen Störmanövern riskiert sie mehr als ihr Amt.

02.09.2026, 19.27 Uhr

3 Leseminuten


Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.

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Als Kontrapunkt zur auch in der Regierungskoalition allzu weit verbreiteten Staatsgläubigkeit ist eine Stimme der ökonomischen Vernunft dringend erforderlich. Von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist sie immer wieder klar und deutlich zu vernehmen gewesen. Vertreter der Wirtschaft vertrauen deshalb darauf, dass die für sie zuständige Ministerin ihre Anliegen auch ernst nimmt. Insbesondere, da das bei Reiches Vorgänger Robert Habeck eher weniger der Fall war.

Die Ministerin spielt damit eine enorm wichtige Rolle. Sie gefährdet sie jedoch dadurch, dass sie immer wieder überzieht. Politik besteht ganz wesentlich aus Kompromissen, und wenn diese einmal ausgehandelt sind, sollten sie auch Bestand haben. Reiche kann das offensichtlich nur bedingt akzeptieren. Das mag in manchen Fällen geboten sein. Aber wer sich dauerhaft so verhält, riskiert in der Politik irgendwann den eigenen Rauswurf.

Sache richtig, Form falsch

Jüngstes Beispiel dafür ist ein Schreiben, das ein Staatssekretär aus ihrem Haus an einen Kollegen in das vom SPD-Chef Lars Klingbeil geführte Finanzministerium geschickt hat. Er bemängelt darin vor allem, dass die an diesem Mittwoch beschlossene Steuerreform keine Entlastung bringe. Hauptkritik ist, dass die Regierung die «kalte Progression» nicht abbaue. Durch diese sinkt die Kaufkraft von Arbeitnehmern auch dann, wenn ihre Löhne im Gleichschritt mit der Inflation steigen.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten sich CDU und SPD darauf geeinigt, vor allem kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Davon kann nun keine Rede sein. Deswegen liegt Reiches Ministerium in der Sache richtig.

Dass die Regierung daran gescheitert ist, gerade mittlere Einkommen zu entlasten, ist ein schweres Versäumnis. Dass sie dieses Scheitern auch noch verschleiern will, ist aller Kritik würdig. Wenn diese Kritik aber einen Tag vor der Abstimmung aus der Regierung selbst kommt, ist das kein Ausdruck aufrechter Haltung. Es ist ein Störmanöver, das nichts als Unruhe schafft und die ohnehin vorhandenen Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Koalition verstärkt. Form und Zeitpunkt der Aktion schaden deshalb dem Anliegen mehr, als sie ihm nützen.

Die Attacke kommt zur Unzeit

Schon im April hatte die Wirtschaftsministerin ihren Kabinettskollegen Klingbeil so heftig attackiert, dass Kanzler Merz sie zur Ordnung rief. Dass sie nun abermals zur Unzeit zur Attacke reitet, wirft die Frage auf, ob es ihr nur an Gespür fehlt oder ob sie ihren Rauswurf womöglich gar provozieren will. Geht es ihr am Ende bereits um die Deutungshoheit über ein mögliches vorzeitiges Ende ihrer Amtszeit? Schliesslich galt auch Reiche als Kandidatin für einen Abgang, als Merz im Sommer das Kabinett umbildete.

Als Nachfolger würde Merz wohl kaum abermals eine Managerin aus der Industrie installieren. Nach den Erfahrungen mit Reiche dürfte die Wahl auf eine verlässliche Kraft mit reichlich Politikerfahrung fallen, die sich möglichst klaglos in die Koalitionsdisziplin einfügt. Und die Harmonie auch dann nicht stört, wenn es nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich angebracht wäre. Die liberale Stimme würde verstummen. Katherina Reiche würde dann fehlen. Das hätte sie sich selbst zuzuschreiben.

6 Kommentare

Michael Wagner

vor 9 Minuten

Nett weiß genaus, wenn er Frau Reiche absägt, dann verliert die CDU weiter und die AfD gewinnt. Daher kann sich Frau Reiche etwas trauen und siebter das auch. Ich finde das großartig. Allerdings wird es die Politik der Bundesregierung nicht wesentlich zum besseren wenden.

Susanne Kell

vor 16 Minuten

1 Empfehlung

Vermutlich hat Frau Reiche einfach nur Grundfesten. Uwe Kell

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