Bombenanschlag überlebt - Der Rai-Journalist, der sich nicht geschlagen gibt
Italiens staatliches Radio und Fernsehen hat mit Sigfrido Ranucci einen ihrer bekanntesten Journalisten abgesetzt. Autor: ...
- 2 min read
Italiens staatliches Radio und Fernsehen hat mit Sigfrido Ranucci einen ihrer bekanntesten Journalisten abgesetzt.
Autor:
29.08.2026, 19:45
Teilen
«Tele Meloni» – so nennt Italiens Opposition die Rai schon seit geraumer Zeit. Tatsächlich haben Giorgia Meloni und ihre Rechtskoalition dem staatlichen Rundfunk ihren Stempel aufgedrückt, so stark wie kaum eine Regierung zuvor.
Doch es gab in der Rai eine Art gallisches Dorf: das investigative Magazin «Report» unter Sigfrido Ranucci. Ein Journalist, der vor laufender Kamera weder rechte noch linke Politiker schonte, manchmal auch aufsässig war und immer wieder über Italiens Mafia-Netzwerke berichtete.
Gefährliche Freundschaften
Im vergangenen Oktober detonierte vor Ranuccis Wohnhaus südlich von Rom ein Sprengsatz, der zwei Autos zerstörte. Für einen Moment war die Solidarität im Land gross. Doch dann nahmen die Ermittlungen eine bizarre Wendung: Vor wenigen Wochen wurde der vorbestrafte, zwielichtige Geschäftsmann Valter Lavitola als mutmasslicher Drahtzieher verhaftet. Lavitola, der kurioserweise mit Ranucci befreundet war, gestand die Tat. Seine wenig glaubhafte Begründung: Er habe mit dem Anschlag den Polizeischutz für Ranucci verstärken wollen.
Carabinieri stehen vor dem Haus des investigativen Journalisten Sigfrido Ranucci, nachdem ein Sprengsatz explodiert ist. Pomezia, Italien, 17. Oktober 2025.
KEYSTONE/LaPresse über AP/Cecilia Fabiano
Obwohl die Justiz betont, dass Ranucci von den Plänen Lavitolas nichts wusste, instrumentalisierten die rechten Regierungsparteien die Affäre. In einer Kampagne gegen den unbequemen Journalisten forderten sie dessen Absetzung. Mit Erfolg: Die Direktion der Rai hat Ranucci am Freitag von der Sendung «Report» abberufen. Ihm wurde als Ersatz eine Stelle bei der Tagesschau oder der Korrespondentenposten in Kairo angeboten.
Die Schlacht seines Lebens
Doch der Journalist will sich nicht abschieben lassen und gibt sich kämpferisch, wie sein Anwalt Roberto De Vita gestern erklärte. Ranucci werde nicht weichen, sondern die wichtigste Schlacht seines Lebens schlagen, jene für Italiens Pressefreiheit.
Gewiss, Ranucci ist eine polarisierende Figur. Und man kann ihm vorwerfen, sich durch die Nähe zum windigen Lavitola angreifbar gemacht zu haben. Doch Ranucci wurde, trotz vieler Beschwerden, nie verurteilt. Zudem war er Opfer eines Anschlags.
Dass ihn die Direktion der Rai nun von der Leitung der Sendung «Report» abzieht, ist kein gutes Zeichen für die Medienfreiheit in Italien.
Echo der Zeit, 29.08.2026, 18:00 Uhr