Klingbeil will auch kleine Läden zu Kartenzahlungen verpflichten
Bundesfinanzminister Klingbeil will, dass alle gewerblichen Anbieter ihren Kunden mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten müssen. Die dabei vor allem für kleinere Geschäfte sehr wichtige Frage der Kosten ist allerdings noch offen.
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AUDIO: EC-Kartenzahlung: Klingbeil will Angebotspflicht für 2027 (1 Min)
Reformplan von Klingbeil
Auch kleine Läden sollen Kartenzahlung akzeptieren
Stand: 11.09.2026 20:42 Uhr
Bundesfinanzminister Klingbeil will, dass alle gewerblichen Anbieter ihren Kunden mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten müssen. Die dabei vor allem für kleinere Geschäfte sehr wichtige Frage der Kosten ist allerdings noch offen.
von MDR AKTUELL
- Wahlfreiheit für Kunden – Ausnahmen für Amateure
- Offenbar noch ungeklärt ist dabei die Frage der Gebühren.
- Reaktionen: Von unnötig bis zu teuer
Geschäfte und Restaurants sollen künftig zusätzlich zum Bargeld auch digitale Zahlung mit Karte oder Handy akzeptieren müssen. Einen Entwurf dazu hat jetzt Finanzminister Lars Klingbeil auf den Weg gebracht. Die Eckpunkte werden laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur derzeit mit anderen Ministerien abgestimmt. Demnach will der SPD-Politiker das Vorhaben noch dieses Jahr durch das Kabinett bringen. Nach Abstimmung im Bundestag soll es 2027 in Kraft treten.
Wahlfreiheit für Kunden – Ausnahmen für Amateure
Den Plänen zufolge sollen die Kunden entscheiden können, ob sie bar oder digital zahlen, und es soll mindestens eine digitale Möglichkeit geben. Damit würde eines der Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD umgesetzt.
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Die Pflicht soll für den Handel, die Gastronomie und Dienstleistungen gelten. Welches digitale Zahlverfahren angeboten wird, soll Sache des Inhabers sein. Umsatzgrenzen oder Zusatzkosten soll es aber nicht geben. Wie das Ministerium bei seinem Plan damit umgehen will, dass Anbieter von Kartenzahlungs-Systemen dafür Gebühren verlangen, war vorläufig aber noch offen.
Das Ministerium betont aber: Bezahlen mit Bargeld soll weiter möglich sein. Es gehe nur um zusätzliche Optionen, weil viele Menschen mit Karten zahlen, was aber vor allem in kleineren Geschäften oft nicht oder erst ab einem bestimmten Betrag akzeptiert werde. Es gehe aber auch um die Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäsche und anderer Kriminalität, da digitale Zahlungen immer dokumentiert würden.
Geräte kosten und Anbieter verlangen Gebühren
Dass bisher manche Läden keine Kartenzahlung anbieten, dürfte aber auch an eben den Kosten liegen. Sie müssen sich dafür nicht nur Lesegeräte anschaffen, sondern zum Teil auch Transaktionsgebühren zahlen. Am günstigsten sind Barzahlungen oder solche mit Girocard. Internationale Anbieter von Debitkarten wie Visa oder Mastercard und von Kreditkarten verlangen allerdings Gebühren, oft in Prozent vom Zahlbetrag.
Mindestens eine digitale Zahlungsart soll es geben.
Auch darum soll die geplante Kartenzahlungs-Pflicht nur für Unternehmen gelten. Nicht-kommerzielle Organisationen wie etwa Amateur-Sportvereine und Wohltätigkeitsverbände sollen weiter auch ausschließlich mit Bargeld arbeiten dürfen. Zudem will das Ministerium laut DPA noch prüfen, ob Härtefallregelungen nötig sind.
Reaktionen – von unnötig bis zu teuer
Digitale Zahlungsmöglichkeiten seien längst Standard, sagte Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands Dehoga. Trotzdem warnte sie vor Kosten für die Betriebe, vor allem kleine und mittlere bräuchten Übergangsregelungen. Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) hält Vorgaben für unnötig. Sie brächten nur mehr Bürokratie und "komplizierte Kundengespräche, die Zeit und Geld kosten". Wegen der Kosten für Händler fordere der HDE, Gebühren an Kunden weitergeben zu dürfen.
Philipp Hübner, Zahlungsexperte beim Forschungsinstitut EHI, sagte: Da mittelständische und große Händler fast alle mindestens eine bargeldlose Zahlungsart anbieten, sei eine neue Regelung für sie "weitgehend irrelevant". Anders sei das möglicherweise aber für sehr kleine Geschäfte und Kioske.
Wie bezahlen die Deutschen bisher?
Auch im Jahr 2025 haben Menschen in Deutschland ihre Käufe wieder häufiger digital bezahlt als mit Bargeld, Tendenz weiter steigend. Laut Bundesbank waren 55 Prozent der Transaktionen bargeldlos. Das mobile Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch legte demnach auf zehn Prozent zu. Bei 45 Prozent der Zahlungen griffen Menschen jedoch weiter zu Bargeld. Das gilt laut Bundesbank vor allem für ältere und Leute mit niedrigem Einkommen oder geringer digitaler Erfahrung.
Scheine und Münzen in Euro sind in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel. Daraus ergibt sich auch eine Annahmepflicht für Bargeld. Kartenzahlung müssen Läden bisher nicht akzeptieren. Vor allem kleinere Geschäfte, manch ein Spätverkauf und kleinere Restaurants nehmen derzeit keine Kartenzahlung an.
dpa(ksc)