Zwei Angriffe auf deutsche Stromversorgung binnen weniger Stunden – „gefährliche Eskalationsspirale“

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Zwei Angriffe auf deutsche Stromversorgung binnen weniger Stunden – „gefährliche Eskalationsspirale“

Angriffe auf die Stromversorgung: „Bisher nicht bekannte Eskalationsbereitschaft“

Stand: 02.09.2026, 20:02 Uhr

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Zwei Angriffe auf die deutsche Stromversorgung an nur einem Tag. Behörden vermuten koordinierte Anschläge, Krisenexperte spricht von einer neuen, besorgniserregenden Ebene.

Jänschwalde/Bergheim – Nur wenige Stunden liegen zwischen den Vorfällen, die sich am Dienstag (1. September) zuerst in Brandenburg und später in Nordrhein-Westfalen ereignet haben. Zwei mutmaßliche Angriffe auf die deutsche Stromversorgung, die Sorge vor einem größeren Blackout schüren. Wer hinter den Vorfällen steckt, ist noch offen. Ein Krisenexperte spricht von einer „gefährlichen Eskalationsspirale“.

Nordrhein-Westfalen: Eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden.

Nordrhein-Westfalen: Eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden. © Henning Kaiser/dpa

Am Dienstagmorgen brachten Unbekannte in Jänschwalde im Südosten Brandenburgs mittels selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähneln, leitfähiges Material in Höchstspannungsleitungen am Umspannwerk Turnow-Preilack, um Kurzschlüsse herbeizuführen. In Bergheim bei Köln wurde durch einen vorsätzlich herbeigeführten Kurzschluss eine Störung am Umspannwerk verursacht, wodurch fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gehen mussten. 

Angriffe auf Deutschlands Stromversorgung: „Eine gefährliche Eskalationsspirale ist am Laufen“

Herbert Saurugg, Präsident der Gesellschaft für Krisenvorsorge, sagte infolge der Angriffe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Fakt ist aber, dass hier eine gefährliche Eskalationsspirale am Laufen ist und wir hier gerade Aktionen auf einer Ebene sehen, die es bisher nicht gab und die wirklich besorgniserregend ist.“ Und obwohl Sicherheitsmaßnahmen der Übertragungsnetzbetreiber hervorragend gegriffen hätten, zeigten Aktionen auf dieser Ebene „eine bisher nicht bekannte Eskalationsbereitschaft“.

Vorfälle in Brandenburg und NRW: Anzeichen für „koordinierten Angriff auf unsere Energieversorgung“

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann erklärte infolge der Angriffe: „Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind.“ Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von Absicht: „Wer da rangeht, greift unser Land an.“ Zudem kündigte er an: „Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus.“ Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Wer hinter den Vorfällen steckt, ist noch offen.

Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni, der dazu geführt hatte, dass rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen. 

CDU-Innenpolitiker bewerten die Vorfälle am Dienstag als gezielte Destabilisierungsversuche. „Das sind keine Einzelfälle mehr, das ist eine Serie von Angriffen auf unsere Energieversorgung“, sagte Marc Henrichsmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, der Nachrichtenagentur Reuters. CDU-Innenexperte Alexander Throm sieht einen Zusammenhang mit den anstehenden Landtagswahlen: „Es ist ganz klar das Ziel, die Bevölkerung zu verunsichern.“ Beide Politiker forderten, die Reform der Nachrichtendienste zügig zu verabschieden, um den Behörden mehr Eingriffsbefugnisse zu verschaffen.

Krisenexperte nach Angriffen auf Stromnetz: Gesellschaft muss Resilienz und Handlungsfähigkeit erhöhen

Die Anschläge rufen zudem Erinnerungen an den Berliner Blackout zum Jahreswechsel wach, bei dem Teile der Hauptstadt tagelang ohne Strom waren und der Linksextremisten zugeordnet wurde. Zu den jüngsten Vorfällen sagte Redmann im Innenausschuss des brandenburgischen Landtages: Die Tatausführung sei anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden. Bislang gebe es auch kein Bekennerschreiben. Ebenso wenig gebe es bisher aber einen Hinweis darauf, „dass eine ausländische Macht dahintersteht und mit geheimdienstlichen Mitteln agiert wurde“.

Krisenexperte Saurugg warnt mit Blick auf die jüngsten Angriffe vor „weitreichenden kaskadierenden Ausfällen, auf die wir als Gesellschaft kaum vorbereitet sind.“ Gleichzeitig werde die Bedrohung aus seiner Sicht „noch nicht ernst genug genommen“. Weitere Sicherheitsmaßnahmen würden aber dennoch „in diesem Bereich keine hundertprozentige Sicherheit“ bringen. Die Gesellschaft müsse die eigene Resilienz und Handlungsfähigkeit erhöhen – auch individuell, sagte Saurugg. Die Menschen sollten sich so aufstellen, „dass man einfach mit 14 Tagen Versorgungsausfall umgehen kann“, führte der Krisenexperte aus. Käme es nämlich zu einem großflächigen Stromausfall, würden Infrastrukturen zusammenbrechen und Versorgungsleistungen wie die Wasserversorgung wegbrechen. (Quellen: dpa, Reuters) (pav)