164 Staaten wollen neue Weltkarten sehen
Die Afrikanische Union beklagt schon länger, ihr Kontinent werde auf Karten nicht realistisch dargestellt. Die UN-Vollversammlung will das ändern. Dahinter stehen verzwickte Fragen mit politischer Dimension.
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Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat für die Verwendung neuer Weltkarten mit realistischeren Größenverhältnissen gestimmt. Die vom westafrikanischen UN-Mitglied Togo und der Afrikanischen Union eingebrachte Resolution wurde von 164 Mitgliedstaaten unterstützt. Die USA stimmten als einzige Nation dagegen; es gab sechs Enthaltungen.

Die Entschließung ist nicht bindend. Sie soll aber dazu führen, dass Staaten und internationale Organisationen künftig kartographische Darstellungen vom Typ Equal Earth stärker nutzen, wenn es nicht auf Winkelgenauigkeit ankommt. Auf solchen Weltkarten erscheint insbesondere Afrika größer als auf Karten des Mercator-Typs, der auf den 1512 in Flandern geborenen Kartographen Gerhard Mercator zurückgeht. Die USA sind im Gegenzug auf solchen Landkarten kleiner.
"Karten sind niemals neutral"
"Karten prägen unser Verständnis der Welt", sagte der togolesische Außenminister Robert Dussey während der Debatte in der UN-Vollversammlung. Sie seien niemals neutral. Es bestehe die Gefahr, dass sie "ein verzerrtes Bild unseres Planeten vermitteln und falsche Vorstellungen verfestigen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden".
Als die Resolution angenommen war, schrieb Dussey in sozialen Medien: "Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung und darum, wie wir unsere Welt darstellen." Zu lange habe die überlieferte Kartographie die Wahrnehmung der tatsächlichen Größe Afrikas und anderer Regionen der Welt verzerrt. "Die Karte zu korrigieren, bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir die Welt sehen."
Apfelsinenschale auf der Fläche
Die Vereinigten Staaten sprachen hingegen von einem "ideologischen" Projekt, das von den tatsächlichen internationalen Problemen ablenke. Hintergrund der Debatte ist ein kartographisches Problem. Bei der zweidimensionalen Darstellung der Erde soll eine Kugeloberfläche auf eine Ebene übertragen werden - so, als würde man eine Apfelsinenschale auf eine Fläche kleben. Dies ist aus rein geometrischen Gründen nicht ohne Verzerrungen möglich.

Es gibt also keine Karte, die in jeder Hinsicht korrekt ist; der Kartograph muss entscheiden, welche Aspekte für ihn größere Bedeutung haben. Entweder werden Konturen und Kompassrichtungen korrekt wiedergegeben - was vor allem früher bei der Navigation auf See wichtig war - und dafür sind die Flächen, also die Größenverhältnisse, verzerrt.
Grönland wird zum Kartenriesen
Das ist bei der Mercator-Projektion der Fall: Hier erscheinen Gebiete umso riesenhafter, je weiter sie vom Äquator entfernt sind. Die Fläche Grönlands entspricht auf solchen Karten ungefähr der des gesamten afrikanischen Kontinents, obwohl Afrika in Wahrheit 14-mal größer ist.
Oder man wählt eine andere, flächentreuere Alternative - wie etwa die Equal-Earth-Projektion, für die nun die UN-Vollversammlung gestimmt hat: Hier werden Größenverhältnisse maßstabsgetreu abgebildet. Das vielfach zitierte Grönland-Problem ist damit gelöst. Allerdings stimmen bei Karten dieses Typs die Formen und Winkelverhältnisse teilweise nicht mit der Wirklichkeit überein.

Jede Darstellung hat also je nach Anwendungszweck ihre Vor- und Nachteile und damit ihre Berechtigung. Für die Navigation sind Mercator-Karten weiterhin sinnvoll. Und gerade im pädagogischen Bereich gibt es noch eine andere, ganz pragmatische Lösung, die freilich nicht Teil der Debatte war: Die beste Darstellung der Erde, um Schülern deren Gestalt im Ganzen zu vermitteln, bleibt weiterhin ein Globus.
jj/AR (dpa, afp)