Wie gelingt Dialog? Diese neue Plattform will Annäherung schaffen
StartseiteLokalesDachauDachauStand: 01.09.2026, 18:31 UhrKommentareUns auf Google folgenAufeinander zugehen: Stephan Batteiger hat das Unternehmen Simani gegründet, um Menschen wieder miteinander ins Gespräch z...
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Stand: 01.09.2026, 18:31 Uhr
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Die Fronten in vielen Debatten sind verhärtet. Stephan Batteiger will mit einer neuen Plattform wieder Begegnung und Diskurs ermöglichen. Im Interview erklärt er, wie man Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringt.
Dachau – Wie bringt man Menschen wieder miteinander ins Gespräch, wenn die Fronten längst verhärtet sind? Diese Frage beschäftigt Stephan Batteiger schon lange. Mit Simani hat der Softwareentwickler aus Dachau ein gemeinnütziges Unternehmen gegründet, das eine Plattform für Begegnung, Diskurs und Annäherung schaffen will. Im Interview erzählt der 40-Jährige, warum ihn die zunehmende Polarisierung umtreibt, wie aus Gesprächen echtes Verständnis entstehen kann und warum er gerade bei jungen Menschen ansetzen will.
Positiver Friede durch Diskurs
Simani ist eine Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit positiven Frieden (siehe Eingangsfrage im Interview) zu schaffen. Das gemeinnützige Unternehmen, das aus einem Team von Ehrenamtlichen besteht, befindet sich dabei ganz am Anfang. Wie Start-Up-Gründer Stephan Batteiger erklärt, richtet sich Simani an alle Menschen, in erster Linie aber an Jugendliche und junge Erwachsene. Für sie hat Simani Online- und Offline-Formate entwickelt.
Dazu gehören Workshops an Schulen und Jugendzentren, Sprachcafés und regelmäßige Online-Treffen. Dabei können Interessierte das Format selbst mitgestalten und weiterentwickeln. Interessierte aus dem Landkreis Dachau können sich ab einer Gruppengröße von zehn Personen für die kostenlosen außerschulischen Kurse bis zum 30. September auf der Homepage von Simani unter simani.org/workshops/ bewerben. Finanziert werden die Workshops von der Europäischen Union.
Herr Batteiger, Sie wollen positiven Frieden schaffen. Was versteht man eigentlich genau darunter?
Positiver Frieden steht in Abgrenzung zum negativen Frieden, wenn die Waffen ruhen und keine direkte Gewalt stattfindet. Positiver Frieden geht noch einen Schritt weiter. Für mich bedeutet er eine gerechte Welt, in der Menschen aufeinander zugehen und Empathie und Mitgefühl entwickeln.
Neue Plattform Simani soll Diskurs und Annäherung schaffen
Was hat Sie dazu bewegt, eine gemeinnützige Organisation zu gründen, die sich diesem Thema widmet?
Mich hat die zunehmende Polarisierung in unserer Gesellschaft beschäftigt. Wenn ich Nachrichten geschaut habe, hat das etwas mit mir gemacht. Ich mache mir Sorgen um unsere Demokratie, habe aber gleichzeitig Hoffnung. Ich wusste, dass ich etwas tun möchte, statt in Ohnmacht zu fallen.
Ich habe lange überlegt, was man gegen die Spaltung tun kann. In öffentlichen Verkehrsmitteln habe ich beobachtet, wie alle in ihre Handys schauen, und mich gefragt: Wie kann man diese Energie für einen positiven Beitrag nutzen? Im Urlaub kam mir dann die Idee, eine Plattform zu gründen, auf der Menschen sich austauschen und gemeinsam Frieden schaffen können.
Dachauer Start-up setzt sich für positiven Frieden ein
Simani will Frieden auch messbar machen. Wie kann man etwas so Komplexes überhaupt messen?
Frieden ist ein großes und idealistisches Ziel, das sich schwer messen lässt. Was wir aber gut messen können, ist, wie gespalten Menschen bei bestimmten Themen sind. Wir fragen nach ihrer Meinung, schicken sie anschließend in ein etwa 15-minütiges Gespräch und fragen danach, ob und wie stark sich ihre Meinung verändert hat. Diese Differenz können wir messen und erkennen, ob eine Annäherung stattgefunden hat.
Wie schafft man es, Menschen zusammenzubringen, die die andere Seite bereits als Gegner sehen?
Wir wollen Menschen stärken, auch außerhalb der Plattform auf andere zuzugehen. Sie bekommen bei uns eine neutrale Argumentationsgrundlage oder Tipps, wie sie bei der nächsten Familienfeier in ein schwieriges Gespräch einsteigen können.
Wie will Simani erreichen, dass aus einem Gespräch Annäherung entsteht und es nicht einfach bei einem Austausch von Meinungen bleibt?
Das Wichtigste ist, den ersten Schritt zu machen, aufeinander zuzugehen und zuzuhören. Dabei helfen bestimmte Fragetechniken. Statt direkt mit Argumenten zu starten, kann man zum Beispiel fragen: „Wie bist du zu deiner Meinung gekommen?“ So entsteht Raum für die persönliche Geschichte.
Genauso wichtig ist es, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, statt nur Unterschiede zu betonen. Wenn wir einander zuhören und verstehen, können wir Empathie entwickeln. Erst danach geht es darum, Argumente auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, wie wir Ungerechtigkeiten verändern können.
Wo liegen für Sie Grenzen des Dialogs?
Ein Gespräch braucht eine gewisse Wertebasis. Man muss respektvoll miteinander umgehen. Die Grenze ist für mich dort erreicht, wo menschenverachtende Äußerungen, Hassrede, Sexismus oder Rassismus ins Spiel kommen. Solange aber Interesse an der Perspektive des anderen besteht, ist ein Gespräch immer eine Bereicherung.
Simani soll vor allem junge Menschen wieder zusammenbringen
Simani will besonders junge Menschen ansprechen. Warum?
Wir sind grundsätzlich für alle offen, fokussieren uns aber zunächst auf Jugendliche. Sie sind oft offen für neue Formate und eine wichtige Zielgruppe für die Zukunft. Sie wachsen in einer zunehmend polarisierten Welt auf und erleben immer weniger, wie man aufeinander zugeht und Konflikte miteinander klärt. Wir wollen sie stärken und zeigen, dass man mit Worten etwas bewegen kann.
Der Name „Simani“ ist wahrscheinlich nicht zufällig gewählt. Was steckt dahinter?
Simani setzt sich aus zwei Namen zusammen: dem arabischen „Samir“, der für jemanden steht, mit dem man am Lagerfeuer ein tiefgründiges Gespräch führt, und dem Suaheli-Wort „Amani“, das Frieden bedeutet.
Wenn Sie zehn Jahre in die Zukunft blicken: Woran würden Sie erkennen, dass Sie mit Simani Ihr Ziel erreicht haben?
Mein persönlicher Wunsch wäre, dass Simani in zehn Jahren aus der Startup-Phase heraus ist und von einem internationalen wissenschaftlichen Beirat neutral begleitet wird. Positiver Frieden ist kein Ziel, das man irgendwann für immer erreicht. Wenn wir zehn Probleme lösen, kommen danach die nächsten zehn. Entscheidend ist, dass wir im Dialog bleiben und uns als Menschheit immer wieder fragen, wo wir hinmöchten.