Wie ein „Ertrinkender“: Sachsen-Anhalt gibt der SPD trotz AfD-Sieg neuen Elan – für eine Renten-Mission

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Wie ein „Ertrinkender“: Sachsen-Anhalt gibt der SPD trotz AfD-Sieg neuen Elan – für eine Renten-Mission

Stand: 07.09.2026, 14:00 Uhr

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Die SPD legt in Sachsen-Anhalt leicht zu und bleibt klar über fünf Prozent. Die Erleichterung ist groß. In Berlin könnte das Folgen haben. Eine Analyse.

Berlin – Der SPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, war erleichtert, fast schon fröhlich: Die SPD hat bei der Sachsen-Anhalt-Wahl mehr als 9 Prozent erreicht und legte im Vergleich zur vergangenen Wahl sogar knapp einen Prozentpunkt zu. In den Umfragen vor der Wahl stand die SPD kurz vor der Fünf-Prozent-Hürde und damit am Abgrund. Trotzdem wirkt die Freude bei einem einstelligen Ergebnis, bei einer Wahl mit hoher Wahlbeteiligung und entsprechend hoher Mobilisierung, seltsam. Auch weil die AfD ein Rekordergebnis eingefahren hat. Professor Jürgen Falter (Uni Mainz) erklärt das so: „Wenn man ein Ertrinkender ist, der gerettet wird, dann findet man das ganz toll und ist hoch euphorisch.“ Genau das habe man am Wahlabend gesehen.

Bei der Bundes-SPD ist die Stimmung allerdings nicht so gut. Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Alexander Schweitzer forderte nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt, den Reformkurs der Bundesregierung zu überdenken. „Es ist doch völlig klar, dass über diese Reform diskutiert werden muss“, sagte Schweitzer mit Blick auf die geplante Überarbeitung des Rentensystems. Die Vorschläge der Rentenkommission müssten noch einmal auf den Tisch. Aus Sicht des SPD-Vizevorsitzenden hat die Bundesregierung „keinen geringen Anteil“ am Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt.

AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt gibt SPD neue Kraft: Partei wird an „Rente mit 63 rumbessern“

Während sich die CDU in Sachsen-Anhalt halbiert hat und damit eine katastrophale Wahlnacht erlebte, kam die SPD also mit einem blauen Auge davon. Das gibt ihr neue Kraft, um nun stärker an den Reformthemen gegen die CDU und CSU zu arbeiten, die mühevoll im Sommer im Kabinett verhandelt worden waren. Politologe Falter: „Dadurch, dass es keine Katastrophe geworden ist, wird es keine großen Auswirkungen auf sie haben. Die Bundes-SPD wird sich darin bestätigt fühlen, noch stärker versuchen, ihre Positionen innerhalb der Regierung durchzusetzen, was dann zu weiteren Friktionen mit der Union führen wird.“ Man werde versuchen, nochmals ein wenig „rumzubessern am Rentenkompromiss und am Gesundheitskompromiss, an der Rente mit 63. Das dient allerdings nicht der Stabilisierung der Bundesregierung, sondern bestenfalls dem Versuch der SPD, aus ihrem 12-Prozent-Tal herauszukommen.“

Auch wenn das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt neuen Elan gibt, die Reformen zu verändern und damit Unruhe in die Koalition zu bringen, sieht der Experte keine Gefahr für Schwarz-Rot: „Im Augenblick ist sie mangels jeglicher anderer Alternative stabil, man weiß, man muss zusammenhalten. Die Alternative wäre entweder eine Minderheitsregierung der CDU – was die CDU nicht will – oder Neuwahlen.“

Bei Neuwahlen aber würde die SPD höchstwahrscheinlich noch einmal schlechter abschneiden, als sie das bei der letzten Bundestagswahl getan hatte, meint Falter. „Für die CDU sieht das ähnlich aus. Das heißt, es gibt überhaupt keinen Grund dafür, das Regierungsbündnis aufzukündigen.“ In dieser Situation dienen also schlechte Umfragewerte und Ergebnisse bei Landtagswahlen geradezu als eine Art Stabilisierung. (Quellen: Jürgen Falter, dpa)