Nur noch 31 Prozent: Iran-Krieg lässt Trumps Basis bröckeln – Carlson macht jetzt Erns
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Wegen Iran-Krieg: Abtrünnige Republikaner um Carlson und Greene wollen „America First“ neu definieren
Stand: 25.08.2026, 23:42 Uhr
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Weniger als ein Drittel der US-Bevölkerung befürwortet den Iran-Krieg. Einige von Trumps Ex-Vertrauten wenden sich ab – und gründen eine Gegenbewegung.
Washington, D.C. – Die Ablehnung innerhalb der US-Bevölkerung für den vor einem halben Jahr (28. Februar) von den USA und Israel gemeinsam initiierten Iran-Krieg erreicht einen neuen Höchstwert. Darunter leiden auch die Zustimmungswerte von US-Präsident Donald Trump. Laut einer am Montag (24. August) veröffentlichten Ipsos-Umfrage im Auftrag von Reuters sank die Zahl der Befürworterinnen und Befürworter des Iran-Kriegs auf 31 Prozent. Der Krieg gegen das Mullah-Regime ist aber nicht nur der Grund dafür, dass Trumps Zustimmung seitens seiner Basis schrumpft.

Auch langjährige Unterstützer Trumps haben sich wegen des Iran-Kriegs vom US-Präsidenten und seiner Partei losgesagt: darunter Steve Bannon und Tucker Carlson. Doch bei der zunehmenden Isolation Trumps wegen des Abrückens der einst engen Vertrauten blieb es nicht. Sie kritisieren den US-Präsidenten inzwischen vehement und finden dabei Zulauf weiterer abtrünniger Republikaner. Diese lud Ex-Fox-Moderator und Podcaster Carlson jüngst nach Maine ein. Was daraus hervorging, könnte Trump gefährlich werden.
Trumps Ex-Supporter Carlson sah Trump „nie wirklich überzeugt“, den Iran-Krieg wirklich führen zu wollen
Knapp zehn Wochen vor den Midterms gibt es für US-Präsident Trump hinsichtlich der eigenen Basis reichlich Anlass für Kopfzerbrechen. Denn mit dem einflussreichen republikanischen Podcaster Carlson erhält Trump seit Monaten reichlich politischen Gegenwind. Bereits im März bezeichnete er den kurz zuvor gemeinsam mit Israel begonnenen Krieg im Iran in seinem Podcast, der Tucker Carlson Show, als „Katastrophe“. In einem im Frühjahr (2. Mai) geführten Interview mit der New York Times wiederholte Carlson mehrfach, Trump sei vom militärischen Angriff auf den Iran „nie wirklich überzeugt“ gewesen.
„Er wirkte angesichts eines möglichen Angriffs auf den Iran alles andere als enthusiastisch“, reflektierte Carlson mehrere Gespräche mit Trump jeweils Wochen und Monate vor den ersten Angriffen auf Teheran. Carlson zufolge hätte es keinerlei Anzeichen gegeben, dass Trump wirklich glaubte, ein Sturz des Mullah-Regimes in Teheran würde die US-Ökonomie oder die Sicherheitslage im Land in irgendeiner Form verbessern. So hätte Trumps Hauptargument darin bestanden, Teheran atomar entwaffnen zu wollen. Carlson aber hätte dies, wie er betonte, „erstaunt“ – denn schließlich wird auch Israel international trotz öffentlichen Dementierens als De-facto-Atommacht eingestuft.
Das veranlasste Carlson gegenüber der New York Times zur Aussage: „Trump konnte Netanjahu nicht in Schach halten“. Dass sich Trump von Israels Ministerpräsidenten in den Krieg gegen den Iran habe ziehen lassen, ist eine Aussage, die Carlson immer wieder erneuerte. So auch im Bloomberg-Podcast, The Mishal Husain Show im Juli. Dabei betonte Carlson, dass „ein großer Teil der Arbeit als US-Präsident eben darin besteht, Druck von außen zu widerstehen.“ Und eben das habe Trump hinsichtlich Israels Einwirken nicht geschafft, was Carlson zum Resümee veranlasste, zu sagen: „Trump ist schwach“.
„MAGA 2.0“-Gruppe um Tucker Carlson und andere Abtrünnige will „neue America First-Bewegung“ einläuten
Jene Worte wählte Carlson wenige Wochen nach seinem Austritt aus der republikanischen Partei im Juni. Im Juli dagegen kündigte er in einem Interview mit der Columbia Journalism Review an, den Aufbau einer neuen Partei ins Auge fassen zu wollen. Anfang August folgte dann der nächste Paukenschlag für Trump. Auslöser war ein gemeinsames Foto mit Carlson und weiteren abtrünnigen Republikanerinnen und Republikanern, die der rechtskonservative Podcaster zu sich nach Maine eingeladen hatte. Die frühere Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, der Journalist Brian Glenn, sowie Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater Joe Kent und dessen Frau Shannon. Aber auch der republikanische Abgeordnete Thomas Massie.
Ex-Kongressabgeordnete Greene teilte das Foto auf X, untertitelt mit den Worten: „Trump hat uns alle verraten“. Damit bezog sie sich auf frühere Versprechen des US-Präsidenten, keine Kriege mehr gegen andere Nationen führen zu wollen. Eine neue „America First“-Bewegung habe Greene zufolge „begonnen“, wie sie weiter denkbar selbstbewusst ankündigte. Das Foto machte ebenso schnell die Runde wie ein Zehn-Punkte-Manifest, das als Resultat vom Treffen in Maine hervorging.
MAGA 2.0-Gruppe legt Zehn-Punkte-Manifest vor
Axios zufolge legten die Trump-Abtrünnigen in ihrem MAGA 2.0-Manifest sowohl Kritik an Elitarismus vor, die sich etwa im Falle Epsteins an der Straffreiheit desselben gezeigt habe und durch ein korruptes und selbstbereicherndes System entfalten könne. Dem soll ebenso abgeschworen werden wie der ausländischen Lobbyarbeit, durch die sich Trump im Falle Netanjahus vermutlich durch „Bestechungen oder Drohungen oder beides“ in den Iran-Krieg habe hineinziehen lassen. Die von Carlson und der Gruppe in Maine ins Auge gefassten Punkte ihres Manifests beinhalteten aber auch Aspekte wie „Produktivität“ in dem Sinne, die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe und das Handwerk in den USA zu stärken.
Gleichzeitig soll eine Wirtschaft abgelehnt werden, die von der Finanzbranche, Immobilienspekulationen, Überwachungssystemen und Waffen dominiert wird. Auch sollten politische Funktionäre für Lügen bestraft werden und geheime Unterlagen – darunter auch jene zum Attentat auf John F. Kennedy oder den Anschlägen vom 11. September – der Öffentlichkeit freigegeben werden. Ein „geeintes Amerika“ – gestützt durch die Begrenzung der Einwanderung – steht daneben ebenso auf dem Plan der MAGA 2.0-Gruppe.
Die Wahrscheinlichkeit der Gründung einer eigenen Partei schätzen Politikwissenschaftler wie Joseph Uscinski von der Universität Miami jedoch als gering ein, wie der Schweizer Tagesanzeiger anmerkte. Da Carlson über keine parteiinterne Infrastruktur verfüge, müsse das Ganze von unten her durch Mandate aufgebaut werden – ein langwieriger Prozess. Wahrscheinlicher sei es deshalb, auf bestehende Drittparteien zu setzen, wie die Libertäre Partei. Ex-Anti-Terror-Chef Kent sagte jüngst gegenüber USA Today, auch das „Kapern“ der Republikanischen Partei nach Trumps eigenem Muster könnte eine Option sein, eigene Ziele zu verwirklichen. (Verwendete Quellen: Reuters/Ipsos, New York Times, Columbia Journalism Review, The Mishal Husain Show, X, Axios, Tagesanzeiger, USA Today) (fh)