Nur zwei Stunden Handy am Tag: Stadt in Japan zieht erste Bilanz aus Experiment
KI-Stimme. InfoDas Smartphone ist für viele Menschen vom Aufstehen bis zum Einschlafen dabei. Nachrichten, Videos, soziale Netzwerke und Spiele sorgen dafür, dass aus vielen kurzen Blicken schnell mehrere Stund...
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KI-Stimme. Info
Das Smartphone ist für viele Menschen vom Aufstehen bis zum Einschlafen dabei. Nachrichten, Videos, soziale Netzwerke und Spiele sorgen dafür, dass aus vielen kurzen Blicken schnell mehrere Stunden werden.

Die Stadt Toyoake (Japan) will gegen diese Gewohnheit vorgehen – allerdings ohne Verbote oder Strafen. Seit Oktober 2025 gilt dort eine freiwillige Empfehlung: In der Freizeit sollen digitale Geräte möglichst nicht länger als zwei Stunden am Tag genutzt werden.
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Gemeint sind unter anderem Smartphones und Spielkonsolen. Schule, Arbeit und die Nutzung auf dem Weg dorthin werden nicht mitgerechnet.
Japan: Stadt testet zwei Stunden Bildschirmzeit am Tag – Schlaf im Fokus
Die Stadt betont ausdrücklich, dass die Zwei-Stunden-Marke keine strikte Vorgabe ist. Auch eine längere Nutzung gilt nicht automatisch als problematisch. Entscheidend sei vielmehr, dass digitale Geräte nicht zulasten von Schlaf, Erholung oder dem Familienleben genutzt werden.
Erste offizielle Zahlen liegen inzwischen vor. Die Stadt Toyoake befragte 1907 Einwohner im Alter von 16 bis 80 Jahren. 87,6 Prozent kannten die Regel. Von diesen Befragten sagten 27,1 Prozent, dass sie seitdem bewusster auf ihre Gerätenutzung achten. 5,1 Prozent gaben an, ihre Bildschirmzeit tatsächlich reduziert zu haben.
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Die Zahlen zeigen damit vor allem einen Effekt auf das Bewusstsein. Ob die Verordnung selbst dafür verantwortlich ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Die Befragung hatte keine Kontrollgruppe und beruhte auf den Angaben der Teilnehmer.
Jugendliche besonders lange am Bildschirm
Wie groß die Herausforderung ist, zeigen die Nutzungszeiten. An Werktagen verbringen 46,6 Prozent der Befragten mindestens zwei Stunden ihrer Freizeit mit digitalen Geräten. An freien Tagen sind es 59,6 Prozent.
Bei jüngeren Menschen liegen die Werte deutlich höher. Unter den 16- bis 19-Jährigen sowie den 20- bis 29-Jährigen überschreitet am Wochenende jeweils mehr als die Hälfte die Zwei-Stunden-Marke.
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Besonders auffällig ist die Gruppe der 16- bis 19-Jährigen: 22,9 Prozent verbringen an Werktagen mindestens fünf Stunden ihrer Freizeit mit Smartphone, Spielkonsole oder anderen digitalen Geräten. Bei den 20- bis 29-Jährigen sind es 16,7 Prozent.
Viel Bildschirmzeit kann den Schlaf beeinflussen
Dass Toyoake die Nutzung begrenzen möchte, hat vor allem mit Schlaf und Erholung zu tun. Untersuchungen deuten darauf hin, dass viel Bildschirmzeit mit schlechterem Schlaf zusammenhängen kann.
Eine Langzeitstudie mit mehr als 4800 Schülerinnen und Schülern aus Stockholm untersuchte den Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit, Schlaf und depressiven Symptomen. Mehr Bildschirmzeit ging dabei mit schlechterer Schlafqualität, weniger Schlaf und einem späteren Schlafrhythmus einher. Bei Mädchen waren diese Veränderungen zudem mit mehr depressiven Symptomen verbunden.
Die Studie beweist allerdings nicht, dass Bildschirmzeit direkt Depressionen verursacht. Sie zeigt Zusammenhänge, die unter anderem über den Schlaf entstehen können.
Auch körperliche Risiken werden untersucht
Wissenschaftler beschäftigen sich außerdem mit möglichen körperlichen Folgen hoher Bildschirmzeiten. Eine Auswertung von Daten aus zwei dänischen Geburtskohorten mit mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen fand Zusammenhänge zwischen längerer Bildschirmzeit und ungünstigeren Werten bei verschiedenen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselfaktoren.
Dazu gehörten unter anderem Blutdruck, Blutfette und Blutzucker. Auffälliger waren die Zusammenhänge bei Kindern und Jugendlichen, die gleichzeitig weniger schliefen.
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Auch hier gilt: Eine zusätzliche Stunde vor dem Bildschirm bedeutet nicht automatisch, dass jemand krank wird. Die Untersuchungen zeigen statistische Zusammenhänge und mögliche Risikofaktoren.
Studie testet zwei Stunden pro Tag
Eine weitere Untersuchung ging einen Schritt weiter. In einer randomisierten Studie wurden 111 junge Erwachsene untersucht. Eine Gruppe sollte ihre Smartphone-Nutzung drei Wochen lang auf höchstens zwei Stunden täglich reduzieren.
Am Ende berichteten die Teilnehmer unter anderem über weniger depressive Symptome und Stress sowie eine bessere Schlafqualität und ein höheres Wohlbefinden.
Daraus lässt sich allerdings keine allgemeingültige medizinische Grenze von genau zwei Stunden ableiten. Wie viel Bildschirmzeit sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, der Art der Nutzung, der Tageszeit und den Schlafgewohnheiten ab.
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Toyoake setzt auf freiwillige Veränderung
Genau deshalb versteht die japanische Stadt ihre Vorgabe nicht als starres Verbot. Sie will die Einwohner vielmehr dazu bringen, ihre eigene Nutzung zu hinterfragen.
Das Konzept unterscheidet sich damit von strengeren Maßnahmen, die andere Länder diskutieren oder eingeführt haben. Toyoake sperrt keine sozialen Netzwerke und kontrolliert auch nicht, wie lange einzelne Menschen ihre Geräte tatsächlich benutzen.