South West Coast Path: Diese 4-Tages-Wanderung in Cornwall sollten Sie kennen
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Warum 4 Tage auf dem South West Coast Path in Cornwall süchtig machen
Stand: 24.07.2026, 17:58 Uhr
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Türkisfarbenes Wasser, wilde Klippen, Meerjungfrauenlegenden – vier Tage wandern auf Cornwalls spektakulärstem Küstenpfad. Ein Erfahrungsbericht.
Der South West Coast Path gilt als einer der schönsten Fernwanderwege Großbritanniens – und das völlig zu Recht. Der Weg schlängelt sich auf insgesamt rund 1000 Kilometern von Minehead in Somerset bis nach Poole in Dorset entlang der gesamten Südwestküste Englands. Wer ihn komplett gehen will, sollte gut 7–8 Wochen einplanen – das entspricht rund 52 Tagesetappen. Ich habe mir vier davon herausgepickt: von St. Ives nach Penzance, mitten durch das wildromantische Cornwall. Insgesamt rund 74 Kilometer, knapp 2600 Höhenmeter – und jede Menge unvergessliche Momente.
Startpunkt St. Ives: Künstlerstadt und Strandidylle
St. Ives ist ein wunderschöner Auftakt für diese Wanderung. Der Küstenort ist bekannt für seine türkisfarbenen Buchten, entspannte Surfvibes und eine lebendige Kunstszene. Hier befindet sich eine Außenstelle der weltberühmten Tate Gallery aus London, die Tate St. Ives. Auch wenn ich dieses Mal nicht hineingeschaut habe: Das Angebot an Galerien, Ateliers und Kunstinstallationen ist beeindruckend. St. Ives ist definitiv ein Ort, dem man mehr als nur einen Reisetag widmen sollte.
Die Etappen im Überblick:
Etappe 1: St. Ives nach Zennor (13 km, 576 m Aufstieg)

Die kürzeste, aber keineswegs zu unterschätzende Etappe meiner Wanderung. Hat man die Strandpromenade von St. Ives verlassen, führt der Weg hoch oben an den Klippen entlang, ein einziger Panorama-Genuss mit Blick auf karibisch anmutendes Wasser und die typischen kleinen Buchten, die hier „Coves“ heißen. Vorbei geht es an den Carracks, einer Felsgruppe, die einer Kolonie von Atlantischen Kegelrobben als Heimat dient.
Cafés oder Rastmöglichkeiten gibt es auf dieser Etappe keine – also: genug Wasser und Verpflegung gut planen und einpacken. Ich hatte zwei bis drei Liter dabei. Bei 25 bis 28 Grad in praller Sonne war das das Mindeste. Schatten? Fehlanzeige. Bäume sucht man hier vergebens.

Kurz vor dem Ziel eröffnet sich auf Zennor Head ein traumhafter Ausblick in die Pendour Cove. Als ich dort meine letzte Rast im schönen Licht des späten Nachmittags machte, entdeckte ich plötzlich, dass ich keineswegs allein auf den Klippen saß. Etwa fünf Frauen unterschiedlichster Altersklassen hockten mit Leinwand oder Skizzenblock im kniehohen Gras, Buschwerk und auf Steinen und malten Motive, wie wir sie aus kitschigen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen kennen – ein Bild für sich.
Übernachtung in Zennor
Mein Quartier für die Nacht: das Tinners Arms bzw. das angeschlossene „White House“ in Zennor – ein Ort, der tief in der keltischen Kultur verwurzelt ist. Es gibt neben ein paar Cottages nur wenige Unterkünfte im Ort (unbedingt im Vorfeld buchen!), das Tinners Arms hat eine urige Gaststube und einen gemütlichen Biergarten mit sehr leckerem Essen (meine Empfehlung: Garlic-Tiger-Prawns).
Mein kleines Zimmer hatte Blick auf den uralten Friedhof der St. Senara‘s Church, und die hat eine ganz besondere Geschichte: In der Kirche befindet sich der „Mermaid Chair“, ein mittelalterlicher Kirchenstuhl mit einer in Holz geschnitzten Meerjungfrau. Die Legende erzählt, dass der Chorknabe Matthew Trewhella so wunderschön sang, dass eine Meerjungfrau aus dem Meer ans Land stieg, um ihm zuzuhören – und ihn schließlich mit sich in die Tiefe zog. Beide wurden nie wieder gesehen. Wer am Abend am Meer entlangspaziert, soll ihre Stimmen noch hören können... Was ich nachts hörte, war noch viel schöner: nichts! Einfach nur Ruhe. Und ein Himmel so dunkel, dass man die Sterne besonders klar sah.

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Etappe 2: Zennor nach St. Just (20 km, 900 m Aufstieg)

Die anspruchsvollste Etappe auf meiner Wanderung – mit fast 900 Höhenmetern bergauf und bergab. Auch hier wieder: keine Einkehrmöglichkeiten unterwegs, also Lunchpaket mitnehmen. Der Weg führt zunächst wieder hoch über dem Pendour Cove, dann um Gurnard‘s Head herum, auf dem noch Reste eines eisenzeitlichen Forts zu sehen sind. Tierisch war auch was los: Ein wildes Pony stand erst auf dem schmalen Pfad im Weg und trottete dann ein paar Minuten vor mir her, bis es schließlich doch den Weg frei gab.

Highlight war der schöne, weiße Sandstrand von Potheras Cove auf halbem Weg, an dem ich mir eine Stunde Mittagspause gegönnt habe. Füße ins Wasser, Schatten unter den Klippen, Energie tanken. Baden wäre verlockend gewesen, auch wenn das türkisfarbene Wasser dazu verführt, an die Karibik zu denken. Beim Eintauchen wird man schnell in die englische Realität geholt. Mehr als 17–18 Grad hat das Meer hier nicht. Das größere Badeproblem sind jedoch die an vielen Stränden kräftigen Wellen (je nach Gezeit), die Ein- wie Ausstieg ins Meer nicht ganz ungefährlich machen.
Nach dem Leuchtturm von Pendeen führt der Weg durch eine andere, rauere Landschaft: vorbei an alten Zinnminen, deren Überreste noch heute in der Küstenlandschaft stehen. Man kann einige davon bzw. das zugehörige Museum besichtigen – historisch sehr interessant, auch wenn der Kontrast zur türkisblauen Küste zunächst etwas ernüchternd wirkt.

Der Endpunkt der Etappe, Cape Cornwall, ist ein kleines Headland, das früher als der südwestlichste Punkt Festland-Britanniens galt. Steigt man den Weg zur Spitze bzw. zum Meer hinab, kommt man ein paar Meter unterhalb an einem kleinen Posten der National Coastwatch vorbei. Dort winkte mich Rick freundlich auf einen Plausch zu sich. Der etwa 65-Jährige erinnerte mich in seiner Uniform mit Schirmmütze und seinem weißen Bart etwas an Käpt‘n Iglo. Er ließ mich einen Blick auf seine Bildschirme werfen, auf denen der Schiffsverkehr rund ums Kap und Badende in ein paar Buchten zu sehen waren, erklärte mir seine Aufgaben und gab mir die besten Wünsche für meine weitere Wanderung mit. Unter allen Begegnungen mit den Einheimischen war diese besonders nett.
Übernachtung in St. Just
Vom Cape Cornwall nach St. Just läuft man noch einmal knapp 30 Minuten auf der Teerstraße – nach einer langen Etappe nicht gerade ein Genuss. Wer das abkürzen möchte, kann ein Taxi rufen.
Mein Quartier für die Nacht: das Commercial Hotel in St. Just – ein familiär geführtes Bed & Breakfast mit einem Patio und einem Biergarten im Innenhof, wo man den Abend wunderbar ausklingen lassen kann. Die Goat-Cheese-Pizza war ausgezeichnet.
Etappe 3: St. Just nach Porthcurno (21 km, 900 m Aufstieg)

Die längste Etappe der Tour – und die mit den meisten Touristen, weil man hier an Land‘s End vorbeikommt: dem westlichsten Punkt Englands. Wer die Abgeschiedenheit der ersten Etappen gewohnt ist, merkt hier den Unterschied. Dafür gibt es endlich wieder Verpflegungsmöglichkeiten: Strandbars in Sennen, Cafés und Kiosk in Land‘s End.
Mein absoluter Höhepunkt dieser Etappe: die Surfstrände Gwynver Beach und Sennen Beach. Weißer, feinkörniger Sand, Wasser in unzähligen Türkis- und Blautönen. Die kontinuierlich in sauberen Sets anrollenden Wellen: kräftig und trotzdem fein, einfach wunderschön. Kein Wunder, dass sich an diesem Tag unzählige Surfer im Line-up tummelten und nacheinander schönste Wellen ritten. Wie gern hätte ich mir selbst ein Board ausgeliehen, doch dafür war keine Zeit. Denn heute musste ich einen Taxi-Transfer am Etappenziel rechtzeitig erreichen.

Nach dem trubeligen Land‘s End – hier stehen Touristen für Selfies Schlange – geht es weiter an spektakulär zerklüfteten Felsen wie Pordenack Point oder unten in der Nanjizal Bay.
Endpunkt meiner Tagesetappe: Porthcurno, Heimat des weltberühmten Minack Theatre. Das Freilichttheater wurde direkt in die Klippen gebaut. Das Publikum sitzt mit Blick auf Bühne, Meer und Horizont. Wer Tickets für eine Vorstellung ergattern kann: unbedingt hingehen.
Übernachtung in Penzance
In Porthcurno sind die Übernachtungsmöglichkeiten genauso knapp wie in Zennor, daher sollten Sie unbedingt weit im Vorfeld buchen, wenn Sie dort am Strand, im Theater oder einfach nur abends in dem kleinen Ort verweilen wollen.
Alternativ bietet sich eine Fahrt mit dem öffentlichen Bus oder ein Taxitransfer (ca. 15 Minuten) nach Penzance an. Der Küstenort ist deutlich größer und bietet neben zahlreichen Unterkünften und Einkaufsmöglichkeiten eine große Strandpromenade sowie Attraktionen wie den Jubilee Pool, eines der ältesten noch erhaltenen Bäder im Art-déco-Stil im ganzen Land.
Mein Quartier für die Nacht: das Queens Hotel an der Promenade. Mein kleines Einzelzimmer hatte jedoch keinen Meerblick, sondern war zum Hinterhof mit Parkplatz ausgerichtet. Aufgrund der Steckdosenknappheit musste ich zwischen Ventilator und Handyaufladen entscheiden. Aber das alte, kunstvolle Gebäude hat einen ganz besonderen Charme – vor allem im Speisesaal.
Etappe 4: Porthcurno nach Penzance (20 km)
Für die letzte Etappe ließ ich mich wieder zum Endpunkt des Vortages nach Porthcurno zurückshutteln. Diese letzten 20 Kilometer sollten vor allem eine mentale Prüfung werden. Bereits ab dem zweiten Tag hatte ich mir Blasen unter dem rechten Fußballen gelaufen, am vierten Tag waren beide Seiten betroffen. Zusätzlich hatte ich zum ersten Mal mit echtem englischen Wetter zu kämpfen. Wenn auch nur kurzzeitig, regnete und stürmte es mich so kräftig von der Seite an, dass ich mich unter hüfthohes Gebüsch kauerte.
Trotzdem: Die Etappe startete wunderschön – bergauf, bergab, kleine Buchten, bunte Wildblumen, türkisfarbenes Wasser. Zwischendurch sieht man kurz den kleinen Leuchtturm zwischen St. Loy‘s und Lamorna Cove. In Lamorna gönnte ich mir eine klassische „Cornish Cream Tea“-Pause: Scones mit Clotted Cream und English Breakfast Tea – ein Ritual, das ich sehr empfehlen kann.

In Mousehole, einem malerischen kleinen Fischerort, der bereits in Sichtweite von Penzance liegt, musste ich dann die Reißleine ziehen. Beim steilen Abstieg auf der Teerstraße in den Ort riss unter dem Pflaster eine meiner Blasen auf und es ging nichts mehr. Die letzten rund vier Kilometer auf ebener Uferpromenade habe ich per Leihfahrrad zurückgelegt. Keine Schande, sondern ein pragmatisches Ende auf meiner unvergesslichen Wanderung an Cornwalls Küste.
Was Sie wissen sollten – meine Tipps auf einen Blick
🥾 Schuhe & Füße: Gut eingelaufene Wanderschuhe sind Pflicht. Blasenpflaster und Tape-Verband unbedingt einpacken und bei den ersten Druckstellen sofort handeln!
☀️ Sonnenschutz: Der Weg führt die meiste Zeit durch Büsche oder andere Pflanzen, die zu niedrig sind, um Schatten zu spenden. Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung sind essenziell.
💧 Wasser: Auf den ersten beiden Etappen gibt es keine Einkehrmöglichkeit bis zum Zielort. Immer mindestens 2–3 Liter mitnehmen.
🎒 Gepäcktransfer: Wer nicht mit vollem Rucksack wandern möchte, bucht am besten über einen Veranstalter, der nicht nur die Buchung der Unterkünfte organisiert, sondern auch den Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft.
🐄 Tiere: Kühe, Ponys, Schafe – auf dem Weg begegnet man allerlei Weidevieh. Einfach ruhig bleiben und weitergehen.
🌦️ Wetter: Ich hatte Glück mit fast durchgehend Sonne. Aber Cornwall ist Cornwall – kurze, heftige Schauer können jederzeit auftauchen. Eine leichte Regenjacke gehört immer ins Gepäck. Hier finden Sie eine Rucksack-Packliste für die Tagestour.
🗓️ Wann hingehen: Sommer für Wärme, aber auch mehr Touristen (vor allem rund um Land‘s End). Frühling und Herbst sind ruhiger und oft angenehmer zum Wandern.
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Fazit
Vier Tage auf dem South West Coast Path waren für mich ein Urlaub zum Abschalten und zum Aufladen, trotzdem herausfordernd. Die Landschaft ist atemberaubend, die Stille auf vielen Abschnitten überraschend, die Menschen herzlich und die Begegnungen unvergesslich. Und wer weiß: Vielleicht ist das nur der Anfang. Es warten schließlich noch etwa 48 weitere Etappen.