Waldbrand: 40.000 Menschen in Frankreich evakuiert
Auf der Flucht vor Waldbränden haben sich in Südwestfrankreich aufwühlende Szenen abgespielt. Seit ihrem Ausbruch am Mittwoch sind inzwischen rund 40.000 Bewohner und Urlauber von der Nordseite des Beckens von ...
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Auf der Flucht vor Waldbränden haben sich in Südwestfrankreich aufwühlende Szenen abgespielt. Seit ihrem Ausbruch am Mittwoch sind inzwischen rund 40.000 Bewohner und Urlauber von der Nordseite des Beckens von Arcachon in Sicherheit gebracht worden. Es liegt nahe der Atlantikküste knapp 50 Kilometer westlich von Bordeaux. Lokale Medien berichten von langen Staus in der Nacht, während in der Ferne der Himmel glutrot leuchtet. Der Großbrand im Département Gironde hat schon mehr als 10.000 Hektar verwüstet und breitet sich mit hoher Geschwindigkeit weiter aus.
Von Anfang an befürchtete die Feuerwehr, dass das Feuer die Gemeinde Lège-Cap-Ferret und schließlich die Halbinsel des Beckens von Arcachon erreichen könnte, eine auch bei deutschen Touristen sehr beliebte Urlaubsregion. So kam es. Aus diesem Grund ordnete die Präfektur des Départements in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die schrittweise Evakuierung der Halbinsel an. „Gegen ein Uhr morgens durchbrach das Feuer trotz des unermüdlichen Einsatzes der Feuerwehr die Verteidigungslinie, die errichtet worden war, um sein Vorrücken einzudämmen“, teilte sie mit.
Die Evakuierung erfolgte Dorf für Dorf, von Claouey bis zur Spitze des Cap-Ferret. Einwohner und Touristen in den Dörfern wurden aufgefordert, die Halbinsel unverzüglich über die Département-Straße D 106 in Richtung Bordeaux zu verlassen. Menschen ohne eigenes Fahrzeug sollten sich zu den angegebenen Bushaltestellen oder an ausgewiesene Anlegeplätze begeben. Dort wurden Fährverbindungen eingerichtet. Der Ortskern der Gemeinde Lège sowie die Gemeinde Le Porge wurden ebenfalls evakuiert, in Arès und Andernos-les-Bains wurde die Evakuierung am Freitagvormittag gestartet.
Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde
Der Schock in der Urlaubsregion sitzt tief. Betroffene berichten, in der Hektik teilweise nur das Nötigste mitgenommen zu haben. „Man weiß nicht mehr weiter, man fragt sich, ob das nicht das Ende der Welt ist. Ich lasse meine Arbeit zurück, ich lasse mein Zuhause zurück, ich lasse alles von heute auf morgen zurück“, zitierte der französische Radiosender Franceinfo die Betreiberin eines Austernlokals. In der Region wurden Notunterkünfte eingerichtet, darunter eine Turnhalle in Andernos, der Festsaal von Biganos und die Halle 3 des Messegeländes in Bordeaux.
„Es ist traumatisch“, erklärte die Präfektin Sophie Brocas am Freitagmittag vor Journalisten: „Wir hatten es befürchtet bei dieser Trockenheit und diesem Wind, und und nun ist er da, dieser riesige XXL-Brand.“ Das Feuer sei „unberechenbar“ und mache „Sprünge von einem Kilometer“. Auf die Auszeichnung, dass dies eines der größten Feuer der Saison sei, hätte man gern verzichtet, sagte Brocas mit Verweis auf Aussagen des französischen Innenministers. 53 Häuser und ein Campingplatz sind nach Angaben der Präfektin bislang zerstört worden. 2000 Häuser habe man dank der Feuerwehr immerhin retten können.
Die Lage bleibt äußerst angespannt. In Südwestfrankreich wurden am Freitag Temperaturen von bis zu 35 Grad und Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde erwartet. Rund 1000 Feuerwehrleute sind im Einsatz, aber noch sind die Flammen nicht unter Kontrolle. Auch im südlich an das Département Gironde angrenzenden Département des Landes brennt es und flohen Bewohner und Touristen vor den Flammen. Mehr als 63.000 Menschen wurden nach Behördenangaben in den beiden Départements inzwischen in Sicherheit gebracht.
Aufseiten der französischen Regierung ist man ungeachtet der Sommerpause bemüht, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte in der Nacht auf Freitag mit, den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert zu haben. Als Verstärkung wurden zwei kroatische Canadair-Löschflugzeuge, zwei portugiesische Air Tractor sowie zwei tschechische und slowakische Black-Hawk-Hubschrauber erwartet. „Vielen Dank an unsere europäischen Partner für ihre Solidarität“, schrieb Macron auf der Plattform X.