Wahl in Sachsen-Anhalt - Wie der Triumph der AfD Deutschland verändern wird

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Wahl in Sachsen-Anhalt - Wie der Triumph der AfD Deutschland verändern wird

06.09.2026, 19:39

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Der Kanzler sitzt mit hochrotem Kopf und aufgerissenen Augen am Steuer seines Mercedes. Auf gleicher Höhe fährt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund grinsend auf seiner blauen Simson, dem kultigen DDR-Motorrad. Überschrieben ist das Plakat eines Rechtsaussen-Magazins, das auch AfD-Fans gerne lesen, mit: «Die Entscheidung. Zweikampf um Deutschland». Auf Augenhöhe mit dem Kanzler, ganz nah an der Macht: Das ist das AfD-Gefühl dieser Tage in Sachsen-Anhalt.

Der AfD-Traum einer anderen Gesellschaft, eines anderen Staats

Die 44 Prozent heute sind ein sensationeller Erfolg für die AfD. Es reicht zwar vielleicht nicht für eine Alleinregierung der Rechtsaussen-Partei Ulrich Siegmunds – der Abend wird das zeigen. Es kommt darauf an, ob das Bündnis Sahra Wagenknecht einen Einzug ins Parlament schafft.

Und dennoch hat Siegmunds Wahlkampf das Land verändert: Gefeiert wie ein Popstar, dauerlächelnd. Die Botschaft: Wir wollen eine andere Gesellschaft, ein anderes Leben, so wie früher. Ohne Schulpflicht, ohne öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen, ohne Flüchtlinge – und mit Kunst, welche «einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet». Die weltberühmte Architekturschule des Bauhaus ist dabei besonders im Visier. In der Schule schliesslich soll weniger über Hitler und die Shoa gesprochen werden - die AfD empfiehlt eine «positive Bezugnahme auf unsere reiche Geschichte vor 1933». Vieles davon wäre gesetzeswidrig – doch das ist vielen in der AfD egal.

Wie weiter in Sachsen-Anhalt?

Ulrich Siegmund bezeichnet sich immer als Demokrat. Grundlage jeder Demokratie ist der Kompromiss. Doch dazu ist Siegmund nicht bereit, auch nicht als möglicher Ministerpräsident aller Menschen in Sachsen-Anhalt. Als Wahlsieger hätte er traditionell die Möglichkeit zur Regierungsbildung. Aber: Er strecke zwar die Hand aus, aber nur jenen, welche seinen Kurs mittragen. Es werde keine Kompromisse geben, man werde sich nicht verbiegen. Siegmund setzt auf eine Alleinregierung – und wenn das nicht klappt, wird er zuschauen können, wie sich die anderen Parteien, vor allem die Wahlverliererin CDU, unter Qualen in eine mögliche Koalition zwingen.

Gedemütigte CDU müsste sich nach Links orientieren

Für die CDU ist die Wahl ein absolutes Desaster. 18 Prozent! Dennoch wird es, falls Siegmund keine absolute Mehrheit erringt, am bisherigen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze liegen, eine Regierung zu bilden – ohne AfD. Wir wissen: Die Brandmauer steht zwischen einem solchen Bündnis. Doch einfach wird das nicht. Auch mit der Linkspartei gibt es in der CDU einen «Unvereinbarkeits­beschluss».

Die CDU also eingemauert zwischen Links- und Rechtsaussen. Am Ende wird es für eine stabile Regierung aber dennoch eine Art von Zusammenarbeit geben müssen – möglich wäre eine Minderheitsregierung von CDU, SPD und Grünen, welche von der Linken mitgetragen wird.

Kann Merz die Brandmauer halten?

Je weiter die CDU also nach links rutscht, rutschen müsste, desto mehr muss sie bürgerliche Positionen der AfD überlassen. Die AfD könnte so alle Standpunkte rechts der Mitte bewirtschaften, die CDU würde weiter marginalisiert. Es würde nicht lange gehen, bis ersten CDU-Leuten der Kragen platzt – und die Diskussion um die Brandmauer zur AfD neu und stärker denn je aufflammt. Die AfD, die vor Kraft kaum mehr laufen kann, würde dem inneren Konflikt der CDU genüsslich zusehen, die Christdemokraten weiter schmähen.

Kanzler Merz’ Kopf bliebe also hochrot – und der Mann auf der Simson würde sein Lachen nicht verlieren.

Stefan Reinhart

Leiter der Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten

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Stefan Reinhart ist Leiter der Auslandkorrespondentinnen und ‑korrespondenten und Chef vom Dienst im Newsroom Zürich. Zuvor war er Deutschlandkorrespondent für SRF.

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Tagesschau, 6.9.2026, 19:30 Uhr