„Extrem erschrocken“: Linken-Landeschef warnt Wagenknecht – Wird BSW zum AfD-Steigbügelhalter?
tzPolitik„Steigbügelhalter für Rechtsextreme“: Linken-Chef teilt nach Wahldrama gegen Wagenknecht ausStand: 06.09.2026, 20:23 UhrKommentareUns auf Google folgenSachsen-Anhalt-Wahl: Die Linke verliert, die AfD g...
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„Steigbügelhalter für Rechtsextreme“: Linken-Chef teilt nach Wahldrama gegen Wagenknecht aus
Stand: 06.09.2026, 20:23 Uhr
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Sachsen-Anhalt-Wahl: Die Linke verliert, die AfD gewinnt. Linken-Chef Lange macht die CDU verantwortlich und kritisiert das BSW. Ein Interview über die Brandmauer.
Magdeburg – Die Ergebnisse der Sachsen-Anhalt-Wahl versetzen das Land und das politische Berlin in Aufruhr: Während die AfD historische Höchstwerte erzielt, muss die Linke leichte Verluste hinnehmen. Dabei treiben Themen wie Arbeitsplatzsicherheit, Rentensorgen und soziale Abstiegsängste die Menschen um – eigentlich klassische Kernkompetenzen der linken Parteien. Doch den Frust der Wählerinnen und Wähler saugt derzeit fast ausschließlich die extreme Rechte auf.

Wie lässt sich dieses Paradox erklären? Im Interview zur Landtagswahl analysiert der Linken-Landesvorsitzende Hendrik Lange die Ursachen für den Rechtsruck. Er macht die unsozialen Spardebatten der CDU für die Wut der Bürger verantwortlich, beschreibt klare rote Linien für mögliche Mehrheitsbeschaffungen im Landtag – und findet drastische Worte für das neue Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).
Sachsen-Anhalt-Wahl 2026 live: AfD-Beben entsetzt die Linke – ein Interview
Herr Lange, die Linke steigt im Bundestrend. Bei der Sachsen-Anhalt-Wahl konnten Sie jetzt nicht zulegen, haben sogar leichte Verluste eingefahren. Was ist in Sachsen-Anhalt besonders?
Es war eine sehr harte Wahlkampfeinandersetzung. Von daher bedanken wir uns natürlich erst einmal bei allen Wählerinnen und Wählern, die uns gewählt haben. Wir hatten Unterstützung aus dem gesamten Bundesgebiet und es war großartig, wie unsere Genossinnen und Genossen hier Seite an Seite gekämpft haben. Wir machen das, wofür wir gewählt wurden: Wir setzen uns im Landtag weiter für soziale Politik ein. Das ist unser Auftrag und den werden wir umsetzen.
Dennoch ist das Ergebnis ein Schock: Die AfD erzielt Rekordwerte und Ihre Partei hat rund 11.000 Wählerinnen und Wähler an die Rechtspopulisten verloren. Was hat die AfD besser gemacht als alle anderen?
Wir sind mit unserem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden. Aber das starke Ergebnis der AfD hier in Sachsen-Anhalt ist auch ein Ergebnis der CDU. Wir erleben auf Bundesebene eine Kürzungsdebatte nach der anderen und sehen auch in Sachsen-Anhalt, dass die CDU nur an wenigen Stellen bereit ist, das Leben der Menschen zu verbessern. Im Chemiedreieck bangen die Leute um ihre Arbeitsplätze, und es werden Debatten darüber geführt, ob jemand nach 45 Jahren harter Arbeit überhaupt noch abschlagsfrei in Rente gehen kann. Das verärgert und frustriert viele Menschen. Die AfD profitiert von dieser Unzufriedenheit. Ich glaube nicht, dass so viele Menschen tatsächlich Rechtsextreme in der Regierung haben wollen. Hier entlädt sich vor allem Frust über die herrschende Politik der CDU.
„Da rätseln wir“: Linke verliert bei Landtagswahl Wähler an die AfD
Aber warum gelingt es den linken Parteien nicht, aus dieser Unzufriedenheit Kapital zu schlagen? Themen wie soziale Sicherheit und Renten sind doch eigentlich ur-linke Kernthemen. Warum werden Sie damit nicht gehört?
Da rätseln wir natürlich alle ein Stück weit. Vor allem, weil die AfD diese unsoziale Politik eigentlich noch verschärfen möchte. Schaut man sich das Programm der AfD auf Bundesebene an, will sie den Sozialstaat weiter abbauen. Das kommt bei vielen Menschen offenbar gar nicht an. Sie sind erst einmal frustriert und wollen diesen Frust gegenüber denjenigen ausdrücken, die derzeit die Politik machen.
Bei anstehenden Regierungsbildungen könnte Ihre Partei eine Rolle spielen – etwa zur Absicherung einer Mehrheit ohne die AfD. Sind Sie bereit, eine CDU-geführte Regierung zu stützen?
Wir haben immer gesagt: Wir werden AfD-Politik verhindern, egal wer sie macht – auch wenn sie von der CDU kommt. Und wir stehen dazu, dieses Land so zu verändern, dass es konkrete Verbesserungen im Leben der Menschen gibt. Dafür stehen wir bereit: sei es bei der Krankenversorgung, beim öffentlichen Personennahverkehr, bei kostenlosen Kitas oder dem kostenfreien Mittagessen in Kita und Schule. Wer eine solche Politik mit uns gemeinsam gestalten will, mit dem sind wir zu Gesprächen bereit.
Wir werden AfD-Politik verhindern, egal wer sie macht – auch wenn sie von der CDU kommt.
Ist das hohe Ergebnis der AfD ein spezifisches Problem Sachsen-Anhalts oder sehen Sie hier einen langfristigen, bundesweiten Trend?
Man muss sich nur die Landkarte der letzten Bundestagswahl ansehen und schauen, wo die AfD zweitstärkste Kraft wurde: Das ist längst kein reines Problem des Ostens mehr, sondern ein gesamtdeutsches Problem. Die Bundesregierung muss Politik machen, die für die Menschen konkret etwas Positives verbessert. Passiert das nicht, kommen wir in große Schwierigkeiten. Die AfD ist eine rechtsextreme Partei. Diese Rechtsextremen in einer Regierung zu haben, ist hochgefährlich – egal in welchem Bundesland.
Hält die Brandmauer der CDU nach der Wahl in Sachsen-Anhalt?
Befürchten Sie, dass die CDU auf Landesebene am Ende doch einknickt und eine Annäherung an die AfD sucht?
Wir müssen jetzt das Endergebnis und die genaue Sitzverteilung im Landtag abwarten. Dann werden wir sehen, wie sich die nächsten Wochen gestalten.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), eine Abspaltung der Linken, könnte bei der Regierungsbildung als Zünglein an der Waage fungieren. Wie blicken Sie auf Ihre ehemaligen Weggefährten?
Ich bin extrem erschrocken darüber, dass die ehemalige Kommunistin Sahra Wagenknecht zur Steigbügelhalterin für eine rechtsextreme Partei werden möchte. Das irritiert mich massiv und ich hoffe sehr, dass diese Partei nicht in den Landtag einzieht. (jenko)