Wahl Sachsen-Anhalt 2026: AfD siegt haushoch – Siegmund schließt Minderheitsregierung aus

Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD hat ihr Ergebnis in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren Hochrechnungen zufolge mehr als verdoppelt. Damals war ...

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Wahl Sachsen-Anhalt 2026: AfD siegt haushoch – Siegmund schließt Minderheitsregierung aus

Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD hat ihr Ergebnis in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren Hochrechnungen zufolge mehr als verdoppelt. Damals war sie auf 20,8 Prozent gekommen. Nun sehen ARD und ZDF die Partei bei mindestens 44 Prozent der Stimmen. Die absolute Mehrheit der Mandate könnte die AfD dennoch knapp verfehlen.

„Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Parteichefin Alice Weidel im ZDF. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schloss eine Minderheitsregierung unter seiner Führung aus. „Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, sagte er im ZDF.

CDU stürzt ab – BSW könnte an Fünfprozenthürde scheitern

Die bislang regierende CDU kommt zwar auf Platz zwei, fährt aber ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein. Im Vergleich zur Wahl 2021 haben die Wähler ihr Ergebnis laut den Hochrechnungen halbiert. Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze gratulierte der AfD. „Der Wahlsieger, die AfD, ist jetzt stärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt, und wir werden auch als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei in Magdeburg.

Die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr in die Nähe einer Mehrheit. Während die SPD ihr Ergebnis von vor fünf Jahren halten konnte, verpasste die FDP hat den Einzug in den Landtag deutlich.

Auch das BSW muss den Hochrechnungen zufolge um den Einzug ins Parlament bangen – unter anderem davon dürfte abhängen, ob es für eine absolute Mehrheit der Mandate für die AfD reicht. Sollte die AfD diese verfehlen, wäre sie auf Bündnispartner angewiesen, um an die Regierung zu kommen.

Im Landtag vertreten sein werden Linke und Grüne – wobei die Grünen deutlich besser abgeschnitten haben, als etliche Umfragen hatten erwarten lassen. „Viele hatten Bündnis 90/Die Grünen als gesamtdeutsche Partei abgeschrieben. Und aller Voraussicht nach wird das heute das beste Wahlergebnis in der Geschichte von Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sein“, sagte der Grünen-Parteichef Felix Banaszak im ZDF.

Am Abend zeigte sich die Linke gesprächsbereit. „Wir standen schon vor dem Wahltag dazu bereit“, sagte Spitzenkandidatin Eva von Angern in der ARD. „Wir wollen diese Demokratie verteidigen.“ Zugleich kritisierte sie die CDU stark. Der Landtagswahlkampf sei enorm von bundespolitischen Themen geprägt gewesen. „Die CDU hat die AfD auch so stark gemacht.“

Klingbeil stellt Reformkurs infrage

Auf Bundesebene wird es nach Angaben von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann keine Diskussionen über CDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz geben. Das habe überhaupt nicht zur Debatte gestanden, sagte Hoppermann in der ARD.

Ähnlich äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Union, Thorsten Frei (CDU). „Es ist, glaube ich, in dieser Situation ganz wichtig, dass wir insgesamt stabil sind und stabil bleiben“, sagte er in der ARD. Man werde sich nun mit der Frage auseinandersetzen müssen, warum die CDU nicht die Zustimmung bekomme, die sie sich wünsche. Das gelte „im Grunde genommen für die ganze Bundesregierung“.

Auch der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil sieht in dem Ergebnis ein „Signal an Berlin“. „Das ist ein Grund, nachzudenken über den Reformkurs der Bundesregierung“, sagte er im ZDF.

In Sachsen-Anhalt waren knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag ersten Hochrechnungen zufolge bei knapp 80 Prozent – und damit deutlich höher als 2021. Damals lag sie bei 60,3 Prozent.

Die erste Sitzung des neuen Landtags muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden. Das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss, aber Fristen für mögliche weitere Wahlgänge, sollten der erste und weitere scheitern.