Wacker Innsbrucks Senkrechtstarter Sebastian Siller: "Wir sind kein klassischer Aufsteiger"

Der 37-Jährige schaffte bei seiner ersten Trainerstation den Durchmarsch von der fünften in die Zweite Liga – und damit in den Profifußball. Dabei halfen auch Geld und Kontakte aus den USA

  • 6 min read
Wacker Innsbrucks Senkrechtstarter Sebastian Siller: "Wir sind kein klassischer Aufsteiger"

Fußball

Wacker Innsbrucks Senkrechtstarter Sebastian Siller: "Wir sind kein klassischer Aufsteiger"

Der 37-Jährige schaffte bei seiner ersten Trainerstation den Durchmarsch von der fünften in die Zweite Liga – und damit in den Profifußball. Dabei halfen auch Geld und Kontakte aus den USA

Moritz Ettlinger

Auf einer Fantribüne in einem Fußballstadion ist in weißen Großbuchstaben WACKER zu lesen. Die Stimmung ist nebelig, auf dem grünen Rasen ist ein einzelner Spieler in schwarzen-grünem Trikot zu sehen.
Vor einem Jahr kehrte der FC Wacker Innsbruck im ÖFB-Cup gegen Rapid mit einem Knall auf die nationale Bühne zurück, verlor nur knapp 0:1. Ein Jahr später ist der Tiroler Traditionsverein zurück im Profifußball.

Der Weg zurück in den Profifußball begann für Wacker Innsbruck mit einer Niederlage. Erste Runde der Regionalliga West im Sommer 2025, Wacker traf auf Seekirchen – und verlor mit 0:2. "Das war im Nachhinein gesehen perfekt", sagt Cheftrainer Sebastian Siller. "In den folgenden Spielen haben uns die Gegner vielleicht eine Spur weit unterschätzt, wir konnten die nächsten Spiele anders spielen. Dann sind wir in einen Lauf gekommen und es ging fast von alleine."

Wacker gewann 14 Spiele am Stück, rauschte mit 28 Siegen in 32 Partien durch die Liga und stieg am Ende mit einem Punktrekord von 86 Zählern in die Zweite Liga auf. Der Durchmarsch von der fünften Spielklasse in den Profifußball war perfekt. Wacker Innsbruck ist nicht zuletzt aufgrund der "strategischen Partnerschaft" mit dem Los Angeles FC (LAFC) kein gewöhnlicher Aufsteiger. Und Siller ist kein gewöhnlicher Cheftrainer. Denn vor seinem Engagement beim Tiroler Traditionsverein war er gar keiner.

Von heute auf morgen

"Ich bin da irgendwie reingeschlittert", sagt der 37-jährige Tiroler dem STANDARD, "von heute auf morgen". Als das Angebot von Wacker mitten in der Saison 2022/23 kam, kickte er selbst noch bei Fügen in der Regionalliga Tirol. Nein sagen war aber keine Option, auch wenn es nicht unbedingt Teil der Lebensplanung war. Erfahrungen an der Seitenlinie sammelte Siller nur als mitspielender Co-Trainer beim SV Kundl, der Job bei Wacker war ein Sprung ins kalte Wasser. "Aber ich habe Gott sei Dank die Zeit bekommen, mit dem Verein mitzuwachsen."

Im Frühjahr 2022 entzog die Bundesliga dem damaligen Zweitligisten die Lizenz, die GmbH, in die die Profiabteilung ausgegliedert war, schlitterte in die Insolvenz. Der Zwangsabstieg war die Folge. 2023 scheiterte man noch knapp am Aufstieg in die vierte Liga, dann ging es unter Trainer Siller steil nach oben. Meister in der fünften Liga 2024, Meister in der vierten Liga 2025, Meister in der dritten Liga 2026. Erwartet habe er das nicht, sagt Siller, nur erhofft. "Aber dass es dann so klappt, da müssen viele Sachen zusammenstimmen."

Der Regionalliga voraus

Der Aufstieg hängt eng mit dem LAFC zusammen. Der 2014 gegründete Klub aus der US-amerikanischen Profiliga MLS stieg im Frühjahr 2023 bei Wacker ein, der Verein konnte dadurch wirtschaftlich stabilisiert werden. Jedes halbe Jahr habe man "eine weitere Schraube in Richtung Professionalisierung gedreht", sagt Siller, der in den 2010er-Jahren selbst für Wacker gekickt hat. "Da waren wir in der Regionalliga einfach voraus."

Sebastian Siller ist Wacker Innsbrucks Durchmarschtrainer – obwohl er zuvor noch nie als Cheftrainer gearbeitet hat.

Er nennt Beispiele: "Im letzten Jahr haben wir angefangen, einmal die Woche im Stadion gemeinsam Mittag zu essen." Oder: "Wir haben frühzeitig damit begonnen, im körperlichen Bereich extrem zu arbeiten. Wir haben immer eine geführte Preparation im Kraftraum, bevor das eigentliche Training losgeht." Die Einheiten hätten zwei bis zweieinhalb Stunden gedauert. "Da haben wir viel rausgeholt. Wir haben dann auch viele Spiele in der Schlussphase entschieden." Die richtige Balance zu finden, sei nicht so einfach gewesen. "Im Amateurbereich musst du aufpassen, dass du die Spieler nicht kaputt machst. 70, 80 Prozent der Mannschaft sind arbeiten gegangen."

Spieler mit Profiverträgen gab es aber auch schon in der Regionalliga. Nicht nur, aber auch beim Kader profitiert Wacker Innsbruck stark vom internationalen Netzwerk des LAFC. Gemeinsam mit dem FC Bayern München gründeten die US-Amerikaner das Joint Venture Red&Gold, die Firma hält Mehrheitsanteile am uruguayischen Klub Racing Club de Montevideo sowie an der Gambinos Group, einem Zusammenschluss von drei Fußball-Akademien in Gambia, dem Senegal und Kamerun. Hinzukommen Kooperationen mit dem ecuadorianischen Klub S.D. Aucas sowie dem Jeju SK FC aus Südkorea.

Netzwerken

Wacker, formell kein Teil von Red&Gold, setzt zum einen auf Tiroler Kicker rund um Kapitän Rami Tekir und Talente. Zum anderen liefen schon in den vergangenen Spielzeiten Spieler im Tivoli-Stadion auf, die ohne das Netzwerk wohl nicht am Inn gelandet wären. Mouhamed Sy und Bright Owusu wurden bei den Gambinos Stars ausgebildet, Anderson Rodríguez wechselte aus Montevideo zu Wacker, Daniel Francis war Teil des Nachwuchsprojekts Bayern World Squad.

In diesem Sommer wurden auch erstmals Spieler direkt aus Los Angeles per Leihe nach Tirol transferiert. Der 20-jährige Matt Evans ist Nationalspieler Guatemalas und stammt genauso wie der gleichaltrige Indonesier Adrian Wibowo aus der Akademie des LAFC. Die Mittelfeldakteure haben schon MLS-Erfahrung gesammelt. Siller bezeichnete beide als "junge, spannende Spieler, die in Europa ihren nächsten Entwicklungsschritt machen und für uns einen Mehrwert bringen sollen. Sie haben definitiv in der Offensive sehr gute Anlagen."

Auch Siller selbst profitierte als Trainer vom LAFC: "Harald Gärtner war in gewisser Weise schon ein Mentor." Gärtner war bis Ende Juni Football Managing Director beim LAFC und spielte eine Schlüsselrolle in der sportlichen Entwicklung von Wacker Innsbruck. Der Austausch sei "extrem intensiv" gewesen, sagt Siller, "wir haben laufend Kontakt gehabt, er war telefonisch immer erreichbar." Dass viele Fans auch angesichts der schlechten Erfahrungen, die Wacker in der Vergangenheit gemacht hat, kritisch auf Investoren blicken, kann Siller "absolut" verstehen. "Trotzdem ist der LAFC für mich kein klassischer Investor, sondern ein etablierter Fußballverein, der auch mit den Bayern zusammenarbeitet. Das ist schon etwas anderes."

Große Sprünge

Die Strategie der Tiroler war zuletzt, der Liga stets ein Jahr voraus zu sein – also etwa in der Regionalliga wie ein Zweitligist aufzutreten. Jetzt, in der Zweiten Liga, wird das eine ungleich schwierigere Aufgabe. "Das ist definitiv ein großer Sprung", sagt Siller. "Unser Vorteil ist, dass wir kein klassischer Aufsteiger sind. Wir haben einige ehemalige Zweitliga-Spieler und Profis dabei, die gleichzeitig auf einem Niveau sind, dass sie sich in der Liga definitiv nicht verstecken müssen." Zuletzt verpflichtete man mit dem 20-jährigen FAC-Goalie Juri Kirchmayr den besten Tormann der vergangenen Zweitliga-Saison. Ein Transfer, der für einen Aufsteiger normalerweise nicht machbar ist.

Mittelfristig will Wacker zurück in die Bundesliga. Trotzdem: "Die Aufstiegsfavoriten sind andere", sagt Siller. Er nennt Blau-Weiß Linz, die Admira und St. Pölten. "Wir werden der Mannschaft die Zeit geben, sich zu entwickeln. Und dann werden wir schauen." Bevor es kommende Woche mit der Liga losgeht, steht der Auftakt im ÖFB-Cup gegen den Regionalligisten SVG Reichenau (Samstag, 18 Uhr, ORF 1) an. Da ist Wacker Innsbruck zweifellos Favorit. (Moritz Ettlinger, 24.7.2026)

Forum: 41 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.