Uwe Timm warnt vor AfD: „Gefahren werden unterschätzt wie in Weimar"

Der Schriftsteller erhielt in der Frankfurter Paulskirche den Goethe-Preis. In seiner Rede zog er Parallelen zur Weimarer Republik – damals öffnete eine kleine Elite Hitler das Tor zur Macht.

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Uwe Timm warnt vor AfD: „Gefahren werden unterschätzt wie in Weimar"

Stand: 30.08.2026, 13:03 Uhr

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Uwe Timm.

Uwe Timm. © IMAGO/Hannelore Foerster

Der Schriftsteller erhielt in der Frankfurter Paulskirche den Goethe-Preis. In seiner Rede zog er Parallelen zur Weimarer Republik – damals öffnete eine kleine Elite Hitler das Tor zur Macht.

Historische Vergleiche sind oft hilfreich, historische Gleichsetzungen nicht unbedingt. Die Rede von Uwe Timm, der in der Frankfurter Paulskirche mit dem Goethe-Preis geehrt wurde, berührte den Kern des Problems im Umgang mit den Rechten. Timms Rede streifte die deutsche Geschichte von Goethes Zeiten an. Er machte die autoritären Kräfte verantwortlich für das Scheitern der frühen Versuche, eine Demokratie auch in deutschen Landen zu errichten. Diese kriegerische und autoritäre Tradition habe Deutschland lange geprägt, betonte Timm. Sie hätten zum Aufstieg des Nationalsozialismus maßgeblich beigetragen.

Timm erinnerte an die Zeit der Weimarer Republik, vor allem in Bezug auf die vielfältigen Fehleinschätzungen, die es damals gegeben habe. Hier lässt sich der Bogen leicht zur Gegenwart schlagen. Auch in Weimar wurden die Gefahren durch den Nationalsozialismus schließlich heruntergespielt. Eine kleine politische Elite war es schließlich, die den Nationalsozialisten und ihrem Hauptdemagogen Hitler das Tor zur Macht weit öffneten. Getrieben wurden sie von einer maßlosen Selbstüberschätzung, Hitler an die Wand drücken zu können.

Es war nicht nur ein kurzer Spuk

Der Goethepreisträger erinnerte daran, dass es nicht bei einem vorübergehenden Spuk geblieben sei. Stattdessen erlebten die Menschen eine brutale Diktatur, die einen Krieg entfesselte, den es in der Form in der Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hatte, weder in Bezug auf die Zahl der Getöteten, noch was die Grausamkeit anging. Das Resultat war, so Timm, das größte Grauen im 20. Jahrhundert.

Das sollte man im Kopf haben, wenn es um den Umgang mit der AfD und dem geht, was auf Deutschland wartet. Das ist die Lektion, die Uwe Timm in der Paulskirche vortrug. Deutschland galt lange als ein Land, das sich der „Vergangenheitsbewältigung“ zu Recht rühmte. Das Wort hatten sich die Deutschen ihrer Besinnung auf die Schuld selbst zugeschrieben. Doch wenn heute bundesweit an die 30 Prozent eine Partei wie die AfD wählen wollen, kann von Besinnung auf das, was in den 1930er und 1940er Jahren geschah, kaum die Rede sein.

Eine Heimat für die Demokratie

Die Warnung, nationalistische, fremdenfeindliche und autoritäre politische Forderungen zu unterschätzen, sollte ernst genommen werden. Die Demokratie müsse aktiv gegen nationalistische, chauvinistische oder autoritäre Angriffe verteidigt werden, forderte er und blickte auf die lange demokratische Tradition, aus der das jetzige Grundgesetz durch viele Kämpfe erwachsen ist. Der Schriftsteller betont, dass individuelle oder geistige Freiheit allein nicht ausreicht. Freiheit muss auch politisch verwirklicht werden und die gesellschaftliche Realität beeinflussen können. Die Paulskirche, in der er seine Rede hielt, sei der beste Ort und das beste Beispiel für diesen Kampfeswillen. Für die Demokratie sei sie ein „Ort der Heimat“, befand er.