Brustkrebs-Screening kann auch Herzerkrankungen aufdecken
tzWissenStand: 30.08.2026, 14:19 UhrKommentareUns auf Google folgenEin KI-Modell kann laut Forschungsergebnissen in den meisten Fällen Betroffene von Schlaganfällen und koronarer Herzerkrankung identifizieren.B...
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Stand: 30.08.2026, 14:19 Uhr
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Ein KI-Modell kann laut Forschungsergebnissen in den meisten Fällen Betroffene von Schlaganfällen und koronarer Herzerkrankung identifizieren.
Brustkrebs-Screenings könnten einer Studie zufolge auch Herzerkrankungen und Schlaganfälle aufdecken. Forschende analysierten Mammografien mit Hilfe von KI und konnten Frauen mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit oder einem überstandenen Schlaganfall identifizieren. Fachleute erklärten, dies bedeute, dass Brustuntersuchungen zur Krebsfrüherkennung eines Tages zugleich als Herzchecks dienen und „ein Fenster in die kardiovaskuläre Gesundheit“ eröffnen könnten, die bei Frauen häufig übersehen wird.
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Dieser Artikel von Michael Searles entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Herzerkrankungen sind im Vereinigten Königreich die führende Todesursache bei Frauen und doppelt so häufig tödlich wie Brustkrebs. Rund 3,6 Millionen Frauen leben mit einer solchen Erkrankung, doch sie wird oft fehldiagnostiziert oder erst erkannt, wenn es zu spät ist. Gleichzeitig wird Brustkrebs-Screening im staatlichen Gesundheitsdienst NHS Frauen im Alter von 50 bis 71 Jahren alle drei Jahre kostenlos angeboten – genau in jener Lebensphase, in der auch herzbezogene Erkrankungen vermehrt auftreten.

Die Studie, die auf dem weltweit größten Herzkongress, dem European Society of Cardiology (ESC) Congress in München, vorgestellt wird, untersuchte 97.364 Aufnahmen von 29.921 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren. Durch Abgleich mit den Krankenakten stellten die Forschenden fest, dass 16 Prozent der Frauen Bluthochdruck hatten, 2,5 Prozent an koronarer Herzkrankheit litten und 2,5 Prozent einen Schlaganfall erlitten hatten.
KI-Modell analysiert Mammografien auf Herzrisiken
Ein Machine-Learning-Modell wurde darauf trainiert, Frauen mit diesen Erkrankungen zu identifizieren, und war in der Lage, allein anhand der Mammografie in 86 Prozent der Fälle zuverlässig Frauen zu erkennen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Bei Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit lag die Zuverlässigkeit, mit der zwischen Patientinnen mit und ohne diese Erkrankungen unterschieden wurde, bei 79 beziehungsweise 78 Prozent. Die Ergebnisse waren zudem unabhängig vom Alter und davon, ob eine Frau zusätzlich an Krebs erkrankt war, konsistent.
Die Studienautorinnen und -autoren betonen, dass Mammografien damit zu einem wichtigen Instrument der Herz-Kreislauf-Prävention werden könnten. Wenn sich die Genauigkeit weiter steigern lässt, könnten Routineuntersuchungen zur Brustkrebsfrüherkennung nebenbei wertvolle Informationen zur Herzgesundheit liefern. Dies würde es ermöglichen, Risikopatientinnen deutlich früher zu identifizieren und gezielt zu behandeln, bevor schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall eintreten.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen oft übersehen
Dr. Viana Copeland von der Universität Tel Aviv in Israel, die Hauptautorin der Studie, sagte, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) bei Frauen würden „konsequent unterdiagnostiziert und untertherapiert“. „Eine häufige Beobachtung in unserem medizinischen Zentrum und weltweit ist, dass Frauen, wenn sie medizinische Hilfe aufsuchen, bereits ein fortgeschrittenes Stadium ihrer Herz-Kreislauf-Erkrankung aufweisen“, erklärte sie. Andererseits nähmen viele Frauen regelmäßige Brustkrebs-Screenings wahr, auch wenn sie wegen kardiovaskulärer Symptome keine ärztliche Hilfe gesucht hätten.
Dr. Copeland sagte, die Auswertung von Brustaufnahmen im Hinblick auf die Herzgesundheit einer Frau „könnte potenziell einen skalierbaren Ansatz bieten, ohne dass eine zusätzliche bildgebende Untersuchung erforderlich wäre“. Sie fügte hinzu: „Die Mammografie erreicht zudem viele Frauen in der Lebensmitte, einer wichtigen Phase, um kardiovaskuläre Risiken zu erkennen und anzugehen.“ Die Forschenden arbeiten nun daran, die Genauigkeit des KI-Modells zu verbessern, Fehlbefunde zu reduzieren und die Zahl der Herzkrankheiten zu erhöhen, die erkannt werden können.
Perspektive für frühere Diagnosen von CVD
Prof. Elena Arbelo, Expertin im ESC-Kommunikationskomitee, nannte die Ergebnisse „überzeugend“. „Eine Mammografie könnte eines Tages mehr leisten, als nur nach Brustkrebs zu suchen – sie könnte auch ein Fenster in die kardiovaskuläre Gesundheit bieten. Das ist wichtig, weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen noch immer viel zu oft spät erkannt werden“, sagte sie. Die Herausforderung bestehe nun darin, „Genauigkeit und Zuverlässigkeit zu etablieren – also vom Experiment zur klinischen Anwendung überzugehen“.
Dr. Sonya Babu-Narayan, medizinische Direktorin der British Heart Foundation und Kardiologin, sagte: „Der Mythos hält sich hartnäckig, dass es sich ausschließlich um eine ‚Männerkrankheit‘ handelt. Das bedeutet, dass Frauen, wenn es ums Herz geht, überproportional uninformiert, ungehört, unterdiagnostiziert, untertherapiert und typischerweise in der klinischen Forschung unterrepräsentiert sind.“ Es sei spannend zu denken, dass der in dieser großen israelischen Studie verwendete Ansatz, sofern er weiter bestätigt werde, zu einer besseren und früheren Erkennung und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen führen könne.
„KI könnte eines Tages ermöglichen, Brustkrebs-Screening-Programme doppelt zu nutzen – sie könnten dabei helfen, Frauen mit dem höchsten Risiko für gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu identifizieren und zugleich Brustkrebs frühzeitig zu entdecken“, fügte sie hinzu. Laut Expertinnen und Experten könnte dies langfristig nicht nur Leben retten, sondern auch die Versorgung effizienter machen, indem vorhandene Untersuchungen optimal ausgeschöpft werden.