Urlauberin spricht nach Ziegenabtrieb Klartext: „Fünf Stunden angekettet“

tzMünchenRegionStand: 10.09.2026, 14:15 UhrKommentareUns auf Google folgenEine Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen erhebt schwere Vorwürfe nach dem Ziegenabtrieb in Mittenwald. Auch das Veterinäramt nimmt den Fa...

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Urlauberin spricht nach Ziegenabtrieb Klartext: „Fünf Stunden angekettet“

Stand: 10.09.2026, 14:15 Uhr

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Eine Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen erhebt schwere Vorwürfe nach dem Ziegenabtrieb in Mittenwald. Auch das Veterinäramt nimmt den Fall unter die Lupe.

Mittenwald – Der traditionelle Ziegenabtrieb in Mittenwald lockte am Samstag wieder über 1500 Schaulustige an. Wie Merkur-Reporter Christof Schnürer berichtet, sorgt das beliebte Brauchtumsfest diesmal allerdings auch für Unmut: Eine Stammgästin aus dem Raum Aachen wirft den Veranstaltern vor, die Tiere stundenlang unter tierschutzwidrigen Bedingungen angebunden zu haben. Selbst das Veterinäramt zeigt sich nach Sichtung von Bildmaterial wenig erfreut.

  • Eine Urlauberin kritisiert, dass Ziegen beim Mittenwalder Almabtrieb am Samstag rund fünf Stunden auf Asphalt angekettet gewesen seien.
  • Das Veterinäramt am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen prüft den Vorfall und stellt die Organisation infrage.
  • Der Ziegenhalterverein räumt ein, dass die Situation „unglücklich gelaufen“ sei – ein neues Kinderprogramm habe das Prozedere in die Länge gezogen.

Tierschutzverein und Veterinäramt nehmen Ziegenabtrieb unter die Lupe

Sabine Schleupner reist seit 15 Jahren nach Mittenwald und lässt gewöhnlich nichts auf den Karwendelort kommen. Nach dem diesjährigen Almabtrieb der Ziegen wandte sie sich jedoch an mehrere Stellen – darunter die Tourist-Information, das Ordnungsamt und das Veterinäramt. „Fünf Stunden auf einem Asphaltplatz angekettet. Das ist mit dem Tierwohl nicht vereinbar“, stellt Schleupner klar. Rund um den Dekan-Karl-Platz hätten die Tiere „eng gedrängt und kurz angebunden“ ausharren müssen, selbst die angriffslustigen Böcke hätten „keine Ausweichmöglichkeit“ gehabt. Fotos schickte die Urlauberin als Belege gleich mit.

Dicht gedrängt werden die Ziegen im Mittenwalder Ortskern an den Zaun angebunden.

Dicht gedrängt werden die Ziegen im Mittenwalder Ortskern an den Zaun angebunden. © PRIVAT

Landratsamt-Sprecher Stephan Scharf bestätigt: „Das Veterinäramt war von den Aufnahmen nicht begeistert.“ Man werde dem Vorfall nachgehen. „Dabei stellt sich uns die Frage, ob das Ganze nicht zum Wohl der Tiere anders organisiert werden könnte.“ Auch Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, sieht Handlungsbedarf: „Das war entschieden zu lang, da brauchen wir nicht zu diskutieren.“ Der Vereinsvorsitzende des Ziegen- und Milchschafhaltervereins, Anton Kriner, widerspricht dem nicht: „Das ist unglücklich gelaufen.“ Ein erstmals durchgeführter Kinder- und Jugendteil bei der Prämierung habe das Programm stark in die Länge gezogen. Bezirksalmbauer Christian Neuner sprach von „fast einer ganzen Schulklasse“, die ihre Tiere präsentiert habe.

Mittenwald ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen und liegt am Fuß des Karwendelgebirges nahe der österreichischen Grenze.

Ziegenhalterverein verspricht Aufarbeitung nach Kritik in Mittenwald

Schleupner habe sich nach eigener Aussage auch vor Ort an einen Verantwortlichen gewandt – allerdings nicht an den richtigen. „Ich habe schwarze Haare“, kommentierte Kriner die Verwechslung mit einem Augenzwinkern und kündigte an, den Vorfall intern aufzuarbeiten. Eine Verlegung des Festes auf die Scheibenalm komme für ihn allerdings kaum infrage: „Wir können das schon oben auf der Scheibenalm machen, aber dann ist der Abtrieb uninteressant.“ Neuner schwärmte trotz der Kritik von einem „wunderbaren Fest“ – die Besucher hätten „teilweise sogar geklatscht“.