Trump und der Iran: Warum der Krieg jetzt völlig außer Kontrolle geraten könnte
Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran lässt die Ölpreise weiter steigen. Experten sorgen sich vor allem um mögliche Störungen der wichtigen Handelsroute durch die Straße von Hormus.
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Entscheidet sich gerade, ob der von Donald Trump mehrfach für gewonnen erklärte und doch nie beendete Iran-Krieg jetzt erst richtig beginnt?
Die Mosaiksteine der vergangenen Tage ergeben ein beunruhigendes Bild: zusätzliche amerikanische Militärtransporte in die Region, die schärfere Sprache aus dem Weißen Haus, die Drohungen gegen Teheran und die mit Iran verbündeten Huthis, Warnungen in Richtung Peking und Moskau, sich nicht einzumischen.
Zugleich mehren sich erschütternde Berichte, wonach Trump zunehmend Geduld und Nerven verliert und den Krieg inzwischen als persönliche Belastung empfindet. Teheran habe „noch nicht genug Schmerz“ erfahren, sagt er.
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Präsident Trump droht mit weiterer Eskalation
Das klingt nicht mehr nach jener Bluff-Rhetorik, nach der man sich zwei Wochen später am Vierwaldstättersee wieder zu Kaffee, Kuchen und Absichtserklärungen trifft. Es sind die Worte eines waidwund gescheuerten Präsidenten, der vielleicht eskalieren will, weil er keinen gesichtswahrenden Ausweg mehr sieht.
Ein Präsident, der sich militärisch im Morast festgefahren fühlt, trifft selten nüchterne Entscheidungen. Schon gar nicht einer, dessen Zickzack-Kehrtwenden und maximalistische Ankündigungen von tiefer persönlicher Kränkbarkeit geprägt sind.

Noch scheint er zu zögern, aber die Gefahr, dass Donald Trump im Iran in den nächsten Tagen eine gewaltige Militäroperation in Gang setzt, ist groß.© AFP | SAUL LOEB
Trump hat sich, so scheint es, in die Logik des nächsten Schlages verrannt, auch wenn er, wie Stimmen aus dem Weißen Haus sagen, im Moment noch zögert. Das wäre keine Strategie, sondern die Kopie desselben Irrsinns: Wenn Gewalt nicht wirkt, war es offenbar noch nicht genug Gewalt.
Innenpolitisch rast Trump die Zeit davon
Innenpolitisch rast ihm die Zeit davon. Fast 65 Prozent der US-Wähler halten den Krieg für falsch; nur 34 Prozent waren anderer Meinung. In drei Monaten wird bei den Kongresswahlen Trumps zweite Amtszeit vermessen. Steigende Öl- und Benzinpreise, tote Soldaten und Milliardenrechnungen sind ein verheerendes Wahlprogramm.
Militärische Frustration, ökonomischer Druck und die Eitelkeit eines Mannes, der Niederlagen nie vertragen konnte, ergeben eine explosive Mischung. Trump könnte versucht sein, den Einsatz zu verdoppeln. Damit niemand bemerkt, dass er längst verloren hat.
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Ölpreis springt wieder über 100 Dollar
Die Gegenrechnung liegt auf dem Tisch. Nach den Huthi-Angriffen auf zwei saudische Tanker sprang der Ölpreis auf über 100 Dollar. Versicherungsprämien verdoppelten sich, Schiffe drehten um, durch die Straße von Hormus fuhr zeitweise nichts mehr. Analysten erwarten für 2026 jetzt schon ein globales Öldefizit von 1,5 Millionen Barrel täglich – doppelt so viel wie noch im April.
Ein Angriff auf Kraftwerke, Häfen, Brücken oder Entsalzungsanlagen, wie Trump ihn erwägt, könnte eine globale Preisschockmaschine in Gang setzen. Er wäre, sofern zivile Ziele getroffen würden, völkerrechtswidrig. Vor allem aber bliebe er nicht unbeantwortet.
Iran verfügt trotz massiver Verluste weiterhin über ballistische Raketen, Drohnen und regionale Stellvertreter. Wahrscheinliche Ziele der Vergeltung wären amerikanische Stützpunkte in Bahrain, Katar, Kuwait oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, ebenso Energieanlagen und Schifffahrtswege der Golfstaaten.
Trump könnte eine gefährliche Spirale auslösen
Wer glaubt, Teheran durch noch mehr Zerstörung strategischer oder ziviler Infrastruktur zur Aufgabe zwingen zu können, irrt und löst sehr wahrscheinlich eine Spirale aus, deren Ende niemand mehr kontrollieren kann.

Dirk Hautkapp, US-Korrespondent© ZR | bm
Auffällig und beängstigend ist deshalb, wie wenig politischer Widerstand im Machtzirkel sichtbar wird. Das Pentagon liefert Zielkoordinaten und Bomben. Ein glaubwürdiger diplomatischer Ausweg ist nicht zu erkennen. Testosteron-Tünnes Pete Hegseth spricht von den „richtigen Bomben zur richtigen Zeit“. Er hat den Schuss nicht gehört.
Wo bleibt die Stimme der Vernunft? Vize JD Vance, intern erklärter Kriegsgegner, macht sich klein. Außenminister Marco Rubio macht sich winzig. Von einem sicherheitspolitischen Korrektiv ist nichts zu sehen. Stattdessen entsteht der Eindruck eines Präsidenten, dessen engster Beraterkreis seine unsteten Stimmungslagen fördert, statt sie zu korrigieren.
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Außenpolitische Härte als Antwort auf innenpolitischen Druck
Je größer der innenpolitische Druck wird, desto stärker wächst die Versuchung, außenpolitische Härte zu suggerieren. Das ist kein exklusiver Reflex dieser Präsidentschaft. Im Fall Donald Trumps erhält er jedoch eine zusätzliche Dimension, weil politische Entscheidungen bei ihm immer mit persönlicher Eitelkeit und dem Drang verschmelzen, Stärke zu inszenieren.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Europa, die Golfstaaten und die Vereinten Nationen müssen deshalb schleunigst entschieden mehr tun, als pflichtschuldig zur Deeskalation aufzurufen. Ritualisierte Appelle helfen nicht. Die Staatengemeinschaft muss Trump unmissverständlich klarmachen, dass sich der Iran nicht zur Aufgabe bomben lässt und zivile Infrastruktur nicht zum Ventil präsidialer Kränkung werden darf.
Der Kipppunkt liegt nicht irgendwo in der fernen Zukunft. Er kann jeden Tag überschritten werden. Und diesmal glaubt kaum noch jemand ernsthaft, Trump bluffe nur.