Trump greift durch: Neuer Bundesstaatsanwalt nach nur 54 Minuten gefeuert

StartseitePolitikStand: 16.07.2026, 13:14 UhrKommentareUns auf Google folgenTrump entlässt Seattles neuen Bundesstaatsanwalt nicht mal eine Stunde nach dessen Vereidigung.Seattle – US-Präsident Donald Trump hat...

  • 3 min read
Trump greift durch: Neuer Bundesstaatsanwalt nach nur 54 Minuten gefeuert

Stand: 16.07.2026, 13:14 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Trump entlässt Seattles neuen Bundesstaatsanwalt nicht mal eine Stunde nach dessen Vereidigung.

Seattle – US-Präsident Donald Trump hat den neu eingesetzten Bundesstaatsanwalt von Seattle unmittelbar nach dessen Vereidigung entlassen. Roger Rogoff blieb nur 54 Minuten im Amt. Bundesrichter hatten den früheren Richter und erfahrenen Staatsanwalt zuvor einstimmig an die Spitze der Bundesstaatsanwaltschaft im westlichen Teil des Bundesstaates Washington berufen.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.

Rogoff wurde am Mittwoch um 7.40 Uhr im Bundesgericht von Seattle vereidigt. Danach wollte er seinen bisherigen Amtsvorgänger Neil Floyd treffen. Noch während Rogoff in der Eingangshalle wartete, erreichte ihn eine E-Mail der Trump-Regierung: Der Präsident habe ihn aus dem Amt entfernt. Das berichten mehrere US-Medien und die Nachrichtenagentur AP.

Trump greift durch: Neuer Bundesstaatsanwalt nach nur 54 Minuten gefeuert

Trump entlässt Seattles neuen Bundesstaatsanwalt nicht mal eine Stunde nach dessen Vereidigung. © © IMAGO / ZUMA Press Wire

Das Weiße Haus berief sich in dem Schreiben auf die Verfassung und ein Bundesgesetz, das dem Präsidenten die Entlassung von Bundesstaatsanwälten erlaubt. Das teilte eine Sprecherin des US-Justizministeriums laut der Nachrichtenagentur Bloomberg mit.

Entlassung noch vor dem ersten Arbeitstag

Rogoff prüft nun rechtliche Schritte. „Wir arbeiten gerade an einer Klage“, sagte er der Tageszeitung The Seattle Times. Rechtsstaatliche Prinzipien verlangten, dass Entscheidungen der Staatsanwaltschaft frei von politischer Einflussnahme blieben und rechtmäßige Ernennungen durch Gerichte respektiert würden.

US-Bundesstaatsanwälte leiten die Strafverfolgung des Bundes in ihrem jeweiligen Gerichtsbezirk. Normalerweise schlägt der Präsident die Amtsinhaber vor, anschließend muss der Senat zustimmen. Für eine Übergangszeit kann die Regierung den Posten ohne Bestätigung besetzen. Läuft diese Frist ab, bevor ein Kandidat bestätigt wurde, dürfen die zuständigen Bundesrichter eine vorläufige Besetzung bestimmen.

Streit über Trumps bisherigen Kandidaten

Trump hatte Neil Floyd im vergangenen Oktober vorübergehend eingesetzt. Eine formelle Nominierung für die Abstimmung im Senat reichte er jedoch nicht ein. Nachdem Floyds 120-tägige Amtszeit abgelaufen war, ernannte ihn die Regierung zum ersten stellvertretenden Bundesstaatsanwalt und ließ den Chefposten unbesetzt.

Ein Berufungsgericht äußerte im Mai Zweifel daran, dass ein solches Vorgehen rechtmäßig sei. Die 17 aktiven und ehemaligen Bundesrichter des Bezirks suchten daraufhin selbst nach einem Nachfolger. Eine überparteilich besetzte Kommission prüfte die Bewerbungen. Am Mittwoch ernannten die Richter Rogoff einstimmig.

Der amtierende US-Justizminister Todd Blanche verteidigte die Entlassung: „Roger Rogoff wurde vom Präsidenten gefeuert.“ Bundesrichter dürften zwar einen vorläufigen Bundesstaatsanwalt einsetzen, der Präsident könne ihn aber wieder abberufen, schrieb Blanche in sozialen Medien. Er warf den Richtern vor, bei ihrer Auswahl nicht die übliche Abstimmung mit der Regierung gesucht zu haben.

Die demokratische Senatorin Patty Murray kritisierte Trumps Entscheidung scharf. Rogoff sei rechtmäßig ernannt worden und habe über Jahrzehnte seine Eignung für den öffentlichen Dienst bewiesen. Die Regierung wolle keine parlamentarische Kontrolle, sondern politisch loyale Personen einsetzen, erklärte sie laut AP.

Rogoff arbeitete 20 Jahre als Staatsanwalt des Bundesstaates und sechs Jahre als Bundesankläger. Später wurde er Richter. Mit einer schnellen Entlassung habe er gerechnet. Die einstimmige Unterstützung der Richter bezeichnete er dennoch als große Auszeichnung. Quellen: AP, Bloomberg, The Seattle Times, eigene Recherche