Tour de France bald wieder in Deutschland?

Rund um das Finale der Frankreich-Rundfahrt in Paris, bei der Tadej Pogacar seine Ausnahmestellung unterstreicht, nährt der Tour-Chef die Hoffnung, dass das Radsport-Spektakel schon bald nach Deutschland zurückkehrt.

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Tour de France bald wieder in Deutschland?

Die Bilder waren wieder einmal beeindruckend: Das Fahrerfeld der Tour de France raste über die Kopfsteinpflasterstraßen von Paris den Montmartre hinauf, passierte das Spalier begeisterter Menschenmassen an der Basilika Sacré-Cœur und stürzte sich auf der Abfahrt wieder dem Arc de Triomphe entgegen.

Am Ende setzte sich der Ausreißer Mathieu van der Poel durch und gewann die Schlussetappe der 113. Tour de France - wenige Zentimeter vor dem heranrasenden Feld rettete er sich ins Ziel.

Großer Dominator der Tour war einmal mehr Tadej Pogacar. Der Slowene gewann die Rundfahrt zum dritten Mal in Folge und feierte seinen insgesamt fünften Gesamtsieg beim bedeutendsten Radsport-Event der Welt.

Tour-Start auf den Straßen von Berlin?

Szenen wie die aus Paris könnte es demnächst auch wieder aus einer deutschen Stadt geben - zum Bespiel aus Berlin: Das Peloton rast am Checkpoint Charlie vorbei, rollt durch das Brandenburger Tor, umrundet die Siegessäule und liefert sich ein Sprintduell vor den Überbleibseln der Berliner Mauer an der East Side Gallery.

Tour de France 2026 | Letzte Etappe | Tadej Pogačar fährt im Gelben Trikot vor anderen Fahrern an der Basilika Sacré-Cœur vorbei, an der Bande drängen sich Zuschauer
Die Fahrt über den Montmartre und vorbei an der Basilika Sacré-Cœur gehört zu den Highlights für Fans und Fahrer Bild: Thomas Padilla/AP Photo/picture alliance

Die Vorstellungen eines Tour-Starts, des sogenannten Grand Départ, in Deutschland begeistert auch die Chefetage der Tour-Veranstalter.

"Ich habe große Lust, dass wir bald wieder nach Deutschland zurückkehren", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme am Rande der Schlussetappe in Paris gegenüber dem deutschen Fernsehen. "Natürlich" gebe es die Möglichkeit eines Starts in Deutschland, "ich hoffe, dass wir bald zu einem Abschluss kommen."

Seit Jahren arbeitet der Verein Grand Départ Allemagne (GDA) daran, den Auftakt der Tour im Jahr 2029 nach Deutschland zu holen. 40 Jahre nach dem Mauerfall soll die Große Schleife in Berlin beginnen und anschließend durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führen. Auch der deutsche Verband German Cycling sitzt im Boot, die Politik soll ebenso unterstützen.

Tour-Chef Prudhomme begeistert von Deutschland

Die offizielle Bewerbung wurde am 30. Juni eingereicht. Die Initiatoren kalkulieren mit rund zwölf Millionen Besuchern und erhoffen sich einen wirtschaftlichen Mehrwert von rund 150 Millionen Euro. Konkurrenten um das Event sind Slowenien und Tschechien. Dem Vernehmen nach favorisieren die Tour-Veranstalter aber Deutschland.

"Sie wissen, dass die Tour und ich selbst ein sehr großes Interesse daran haben, dass wir wieder nach Deutschland zurückkehren, noch mehr natürlich für einen Grand Départ", sagte Prudhomme. Frankreich und Deutschland hätten eine entscheidende Bedeutung für Europa.

Tour-Direktor Christian Prudhomme am Rande der Schlussetappe der Tour de France in Paris
Tour-Direktor Christian Prudhomme am Rande der Schlussetappe der Tour de France in ParisBild: Jp Pariente/SIPA/picture alliance

"Bei der Tour ist die wichtigste Sache die Berücksichtigung des Sports. Aber es gibt eben nicht nur das. Es gibt auch die Geschichte, es gibt die Geografie und die Freundschaft zwischen den Völkern."

Positiv könnte sich die diesjährige 14. Etappe auf die deutsche Bewerbung auswirken. Das Peloton rollte durch die Vogesen im Elsass und kam der deutschen Grenze sehr nahe. Tausende deutsche Fans säumten die Strecke und begeisterten Prudhomme.

"Die Etappe von Mulhouse nach Le Markstein war die Etappe mit den meisten Zuschauern an der Strecke, die ich in Frankreich in 20 Jahren als Direktor der Tour gesehen habe", sagt er. "Dazu waren alle vernünftig, damit die Fahrer auch durchkommen konnten. Das hat mich sehr beeindruckt."

Rückkehr nach Berlin nach 42 Jahren?

Auch unter den deutschen Profis findet die Idee Anklang. "Als deutscher Fahrer wäre das natürlich ein Mega-Erlebnis, die Tour in Deutschland zu starten. Man hat gesehen, wie begeistert die deutschen Fans sind", sagte Florian Lipowitz nach der Etappe durch das Elsass.

Der deutsche Topfahrer mit Chancen auf eine vordere Platzierung im Gesamtklassement musste die Tour wenige Tage später nach einem Sturz beenden, weil er sich das Schlüsselbein gebrochen hatte. 

Tour de France 1987, Teamzeitfahren in West-Berlin: Fahrer vor Begleitfahrzeugen, am Straßenrand Zuschauer, im Hintergrund die Berliner Siegessäule
Als die Tour de France letztmals über die Straßen der deutschen Hauptstadt rollte, war Berlin noch eine geteilte StadtBild: Roth/picture alliance

2027 beginnt die Rundfahrt in Edinburgh, Liverpool und Cardiff. Nach der französischen Region Champagne 2028 als Startort ist 2029 wieder ein Auslandsauftakt vorgesehen.

Insgesamt fand der Tour-Start bisher vier Mal in Deutschland statt, letztmals vor neun Jahren in Düsseldorf. Zuvor waren 1965 Köln, 1980 Frankfurt am Main und 1987 West-Berlin Gastgeber. 42 Jahre später könnte die Hauptstadt wieder Schauplatz werden.