Totschnig legt Renaturierung-Plan vor: "Ohne zusätzliche EU-Mittel erreichen wir Ziele nicht"
Österreich muss die EU-Renaturierungsverordnung umsetzen: Moore, Flüsse und Auen sollen in besseren Zustand gebracht werden. Umweltminister Totschnig setzt auf bestehende Programme und fordert mehr Geld aus Brüssel, Kritik kommt von den Grünen
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Umweltschutz
Totschnig legt Renaturierung-Plan vor: "Ohne zusätzliche EU-Mittel erreichen wir Ziele nicht"
Österreich muss die EU-Renaturierungsverordnung umsetzen: Moore, Flüsse und Auen sollen in besseren Zustand gebracht werden. Umweltminister Totschnig setzt auf bestehende Programme und fordert mehr Geld aus Brüssel, Kritik kommt von den Grünen
Michael Ortner
Umwelt- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) präsentierte am Dienstag den Entwurf des nationalen Wiederherstellungsplans zur Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung. Er begann mit einem Seitenhieb auf seine Vorgängerin. Denn es war die ehemalige Klimaschutzministerin Leonore Gewessler von den Grünen, die Österreich aus Sicht der Volkspartei die Verordnung quasi "eingebrockt" hat. Sie stimmte 2024 gegen den Willen des Koalitionspartners ÖVP auf EU-Ebene für die Renaturierung und ermöglichte damit die knappe Mehrheit für den Beschluss der Verordnung.
Die EU-Staaten einigten sich darauf, dass sie bis 2030 auf einem Fünftel ihrer Land- und Meeresgebiete sogenannte Wiederherstellungsmaßnahmen durchführen wollen. Im Kern geht es darum, geschädigte Ökosysteme, also etwa Aulandschaften, Moore, Agrarlandschaften und Flüsse wieder in einen besseren Zustand zu bringen. Denn mehr als 80 Prozent der geschützten Lebensraumtypen befinden sich in einem schlechten ökologischen Zustand. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der EU-Verordnung schickt Totschnig nun das 424 Seiten starke Dokument fristgerecht, also am letzten möglichen Tag, zur EU-Kommission nach Brüssel. Es entstand unter Einbindung der Bundesländer, Grundeigentümer, Bewirtschaftern, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft in fachlichen Arbeitsgruppen.
Ein Schwerpunkt der Maßnahmen soll in der Wiederherstellung von Auen und Feuchtgebieten, der Wiedervernässung von Mooren und der Entwicklung strukturreicher klimaresilienter Wälder liegen. Sie sollen "zur Erhöhung der Resilienz gegenüber klimabedingten Veränderungen beitragen", wie es im online veröffentlichten Entwurf heißt. Wie dringend und wichtig diese Maßnahmen in Österreich sind, hat der heurige Sommer deutlich vor Augen geführt: Hitzewellen mit Temperaturen über 40 Grad, extrem niedrige Pegelstände an Flüssen, sinkende Grundwasserstände, eine beispiellose Dürre, Ernteausfälle und Waldbrände. Der Sommer 2026 ging als heißester in der 260-jährigen Messgeschichte ein.
Von Kooperation der Grundstückseigentümer abhängig
Totschnigs Entwurf des nationalen Wiederherstellungsplans setzt vor allem auf bestehende Maßnahmen zur Renaturierung in Österreich. Über das Agrarumweltprogramm ÖPUL sollen unter anderem artenreiche Wiesen und Weiden gefördert werden. In den Wäldern sind standortgerechte Mischbestände vorgesehen, alte Bäume und Totholz sollen erhalten werden. "Österreich investiert seit Jahrzehnten in Naturschutz", betont Totschnig. Bis 2030 sollen frei fließende Gewässer auf einer Länge von 300 Kilometer wiederhergestellt werden, bis 2050 sollen es 2000 Kilometer sein. Zudem sollen 2500 Hektar ehemalige Überflutungsflächen bis 2030 wieder an Flusslandschaften angebunden werden. Bis 2050 sollen es 10.000 Hektar sein.
Wie viel Fläche in Österreich wiederherzustellen ist, kann Totschnig bei der Präsentation nicht sagen. Noch fehle es an einer gemeinsamen Methodik und Datengrundlage, um die Vergleichbarkeit mit anderen Ländern zu gewährleisten. "Es wird um hunderttausende Hektar gehen", sagte der Minister. Er betonte, dass bereits 30 Prozent aller Flächen in Österreich unter Schutz stehen. Entscheidend ist bei allen Maßnahmen die Kooperation der Grundstückseigentümer, weil es ohne deren Grundstücke, etwa an einem Fluss oder bei einem Moor, nicht geht. "Die Grundeigentümer sollen freiwillig dabei sein, wir wollen sie nicht mit Verboten abschrecken", sagte Totschnig.
Streitpunkt Finanzierung
Für Streit könnte noch die Finanzierung sorgen. Denn Umweltminister Totschnig machte zusätzliche Maßnahmen vor allem von einer ausreichenden Finanzierung seitens der EU abhängig. "Ohne zusätzliche EU-Mittel wird es nicht möglich sein, die Ziele zu erreichen", sagte er.
Der Ökologe Franz Essl von der Universität Wien hält die Zahlen für die Renaturierung von Flüssen und Auen sinnvoll. "Wir haben mit Amoore auch ein gutes Referenzprojekt zur Wiederherstellung von Mooren. Aber wir bräuchten zehn solcher Projekte in Österreich", sagt Essl zum STANDARD. Er kritisiert, dass Totschnig bei der Finanzierung den Ball an die EU spielt. "Die Mittel für Umwelt- und Klimamaßnahmen wurden massiv gekürzt. Der Biodiversitätsfonds wurde von 20 auf fünf Millionen Euro gestutzt", sagt der renommierte Ökologe, der auch Mitglied im Österreichischen Biodiversitätsrat ist.
Die Landwirtschaftskammer, die zu den schärfsten Kritikerinnen der Renaturierungsverordnung zählt, schießt sich wie Totschnig auf die EU ein. "Die Finanzierung war damals wie heute völlig ungeklärt", sagt Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. Kritik am Entwurf zum Wiederherstellungsplan kommt von den Grünen. Statt klarer Maßnahmen oder verbindlicher Ziele setze die Bundesregierung erneut auf Unverbindlichkeit, wird die Klubobfrau der Grünen, Leonore Gewessler, in einer Aussendung zitiert.
Wie geht es nun mit dem Wiederherstellungsplan weiter? Bis 15. Oktober können Interessierte Stellungnahmen und Vorschläge zum Entwurf einbringen. Der finale Plan wird bis September 2027 an die EU-Kommission übermittelt. (Michael Ortner, 1.9.2026)
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