Mit diesen Tipps entlasten Paare den Alltag (B+)
Auch wenn sich Eltern die bezahlte Arbeit und die Hausarbeit teilen, bleibt eine «dritte Schicht» meist an den Frauen hängen: das ständige Mitdenken und Organisieren. Wie sich diese Last gemeinsam abbauen lässt.
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Geteilte Verantwortung im Haushalt scheint gerecht. Gerade wenn ein Paar sich die Aufgaben aufteilt. Doch wer genauer hinschaut, merkt, dass es so einfach nicht ist. Zwar teilen sich Paare gemäss europäischen Umfragen die administrativen Pflichten des Alltags. Aber die Ressorts sind nicht fair verteilt. Frauen kümmern sich häufiger um Einkaufslisten und das alltägliche Haushaltsbudget, Männer eher um Steuern und langfristiges Sparen.
Dabei fallen Einkaufslisten und Haushaltsbudget wöchentlich an – Steuern und Fragen rund um das Sparen deutlich seltener. Zwar mag die Steuererklärung nach viel Arbeit klingen, aber es ist die Einkaufsliste, die schier nie aufhört. Ob eine neue Zahnbürste oder das glutenfreie Müesli, irgendetwas fehlt immer. Und was genau fehlt, das weiss meistens die Frau. Sie denkt immerzu mit.
Artikel aus dem «Beobachter»
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Auch in der Schweiz tragen Frauen generell die Mental Load. In einer Umfrage von 2021 mit rund 6200 Teilnehmerinnen gaben 80 Prozent an, sie litten unter der mentalen Last. Eine italienische Untersuchung vom letzten Jahr legt nahe, dass die ungleiche Pflichtenverteilung auslaugt. Frauen berichten häufiger von emotionaler Erschöpfung. Männer bekommen von der mentalen Verantwortung ihrer Partnerinnen kaum etwas mit. Forschende sprechen deshalb von der unsichtbaren Organisationsarbeit der Frauen.
Mental Load sichtbar machen
Paare, die sich die mentale Last teilen wollen, müssen deshalb zunächst einmal das Unsichtbare sichtbar machen. Dafür können beide einige Tage lang aufschreiben, welche Aufgaben rund um den Haushalt und den Nachwuchs im Kopf durchgespielt werden. Die Tochter braucht neue Schuhe – wann kann ich mit ihr schnell mal einkaufen gehen? Wo gibt es die benötigten Schuhe, am besten zu einem Preis, der das Familienbudget nicht sprengt? Diese und andere Überlegungen werden schriftlich festgehalten. So bekommen die Lebensgefährten einen hilfreichen Zugang zur Mental Load des anderen.
Die Listen können als Ausgangspunkt dienen, um die Ressorts neu aufzuteilen. Dabei übernimmt der Partner bewusst jene Gebiete, die mit besonders hoher mentaler Bürde der Partnerin verknüpft sind. Das können beispielsweise alle Kita-bezogenen Tätigkeiten sein. Er trägt die gesamte Verantwortung für sie – von der Planung bis hin zur Ausführung.
Funktioniert die neue Abmachung für beide gut? Um das festzustellen, können Paare einmal pro Woche einen kurzen «Kopflast-Check» machen. Da kann sie beispielsweise festhalten: Bei welchen Dingen habe ich diese Woche immer wieder automatisch mitgedacht, obwohl eigentlich der Partner zuständig ist? Tauchen dabei über eine längere Zeit hinweg immer wieder dieselben Themen auf, die der Frau keinerlei Ruhe lassen, können die Zuständigkeiten angepasst werden: Fällt es ihr leichter, Ressorts zu erledigen, die ihr ohnehin nicht aus dem Kopf wollen, kann sie mit ihm tauschen.
Er übernimmt im Gegenzug Aufgabenfelder, über die sie weniger grübelt. Aber Achtung: Um die Mental Load der Lebensgefährtin einzugrenzen, sollte dieses Vorgehen nicht für alle Ressorts gelten. Zwar mag sie auch andere Alltagserledigungen ungern aus der Hand geben. Doch manchmal ist es eben auch wichtig, darauf zu vertrauen, dass der Partner die Tätigkeiten ebenso gut erledigen kann wie man selbst. Nur so gelingt das Loslassen.
Für andere kann es sinnvoll sein, die Ressorts nach Häufigkeit des Aufwands zu verteilen. Der Partner kann mehr Ressorts übernehmen, die täglichen Einsatz erfordern. Sei es das abendliche Aufräumen, nachdem die Kinder zu Bett sind, oder die Kommunikation in der Whatsapp-Gruppe der Schule. Die Partnerin kann dafür wöchentliche oder monatliche Tätigkeiten übernehmen. Mit dieser Neuregelung schafft man meist auch eine schnelle Reduzierung der Arbeitslast, wenn jemand – sei es sie oder er – dringend Entlastung benötigt.
Verantwortung abgeben: Warum es Partnern schwerfällt
Allerdings sollten Paare wissen: Auch wenn die Pflichten neu aufgeteilt sind, tragen Frauen wahrscheinlich nach wie vor die Mental Load. Das suggeriert eine umfassende Studie der Universitäten Bath und Melbourne aus dem Jahr 2025. Ihr zufolge verrichten berufstätige und gut verdienende Frauen zwar weniger physische Hausarbeit – ihre Mental Load nimmt dennoch kaum ab. Frauen machen sich fortwährend Gedanken um Nachwuchs und Haushalt.
Auch in Norwegen, das auf dem europäischen Kontinent durch besondere Geschlechtergleichheit auffällt, ist das Problem dokumentiert. Laut einer Studie der Oslo Metropolitan University erleben Mütter mehr Stress im Alltag, obwohl auf dem Papier vieles ausgeglichen und gerecht verteilt scheint. Bei bezahlter Arbeit und sichtbarer Hausarbeit nähern sich Mütter und Väter in Norwegen zwar an. Doch daneben läuft für die Frau eine dritte Schicht, so norwegische Forschende: die unsichtbare, emotionale und organisatorische Arbeit rund um die Familie.
Das Bemühen um mehr Fairness bei der Aufgabenverteilung ist dennoch nicht umsonst. Es macht die unsichtbare Organisationslast bewusst. Zudem merkt der Lebensgefährte: Wenn sie mich immer wieder fragt, ob ich an den Impftermin gedacht habe, ist es nicht, weil sie mich für verantwortungslos hält. Vielmehr denkt sie einfach mit. Wer sich das vor Augen hält, kann Vorwürfe und Streit vermeiden.
Merci für alles
Für Männer und Frauen gilt: Sie sollten es nicht für selbstverständlich halten, dass ihre bessere Hälfte die To-do-Listen erledigt. Sowohl er als auch sie können mithilfe von Wertschätzung zeigen, wie wertvoll der Beitrag des anderen für den gemeinsamen Familienalltag ist. Statt «Merci für alles» sollten beide konkret sein, etwa: «Danke, dass du neulich an den Zahnarzttermin gedacht hast.»
So kann sich mit der Zeit ein Gleichgewicht einstellen, das sich nicht nur nach geteilten Aufgaben bemisst, sondern auch danach, dass die Mühe beider gesehen wird.