Falkland-Banner an der WM: So schmuggelten Fans das Malvinas-Tuch ins Stadion

Publiziert17. Juli 2026, 17:28Im Halbfinal«Steckte es in meinen Schritt»: So kam das Banner ins WM-StadionEin Bettlaken, zehn Dollar und ein riskantes Versteck: So gelangte das umstrittene Malvinas-Banner bis z...

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Falkland-Banner an der WM: So schmuggelten Fans das Malvinas-Tuch ins Stadion

Publiziert17. Juli 2026, 17:28

Im Halbfinal«Steckte es in meinen Schritt»: So kam das Banner ins WM-Stadion

Ein Bettlaken, zehn Dollar und ein riskantes Versteck: So gelangte das umstrittene Malvinas-Banner bis zu Argentiniens Nationalspielern.

Karin Leuthold

Die Fifa hatte politische Banner verboten. Trotzdem gelangte die Malvinas-Botschaft aufs Spielfeld20 Minuten

Darum gehts

  • Argentiniens Nationalspieler entrollten im WM-Halbfinal gegen England ein Banner mit der Aufschrift «Las Malvinas son argentinas».
  • Ein 33-jähriger Argentinier aus Buenos Aires hatte das Bettlaken am Spieltag mit Baumarktfarbe bemalt.
  • Dann versteckte er die Flagge im Schritt, um sie ins Stadion zu schmuggeln.

In dem Moment, als der argentinische Nationalspieler Giovani Lo Celso am Rand des Spielfelds in die Hocke ging, wurde ein weisses Tuch zum Symbol für ganz Argentinien. Vor den Kameras entrollte er das Banner mit der Aufschrift: «Las Malvinas son argentinas» («Die Islas Malvinas – also die Falklandinseln – gehören zu Argentinien»). Die improvisierte Botschaft entwickelte sich zu einem der meistverbreiteten Bilder des WM-Halbfinals zwischen Argentinien und England.

Entworfen wurde das Banner nur wenige Stunden zuvor in einem Hotelzimmer. Mit Materialien aus einem Baumarkt bemalten seine Urheber ein Bettlaken und schmuggelten es auf äusserst unkonventionelle Weise ins Mercedes-Benz-Stadion in Atlanta.

So entstand die Idee

Die Idee stammte von einem 33-jährigen Argentinier aus Villa Luro, einem Mittelklasseviertel von Buenos Aires. Der Mann, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, erzählte dem Portal «Infobae», dass er sich seit Beginn der Weltmeisterschaft mit einigen Kollegen in den USA aufhalte und plane, bis zum Finale gegen Spanien am Sonntag in New Jersey zu bleiben.

Für die Banneraktion gab es zunächst weder einen ausgearbeiteten Plan noch vorbereitete Materialien. «Wir hatten die Idee für die Flagge erst am Spieltag. Wir sind in einen Baumarkt gefahren und haben billige Farbe und einen Pinsel gekauft. Das hat uns nicht einmal zehn Dollar gekostet», sagte er.

So wurde das Banner gemacht

Zurück im Hotel schnitten die Argentinier ein Bettlaken in zwei Hälften, legten eine davon auf den Boden und bemalten sie mit einer grossen, gut lesbaren Botschaft. «Die Idee entstand, um das auszudrücken, was alle Argentinier empfinden – besonders vor einem so wichtigen Spiel», erklärte der Initiator.

«Es hat keine zehn Dollar gekostet»: Fans verraten, wie sie das verbotene Malvinas-Banner ins Stadion schmuggelten.

«Es hat keine zehn Dollar gekostet»: Fans verraten, wie sie das verbotene Malvinas-Banner ins Stadion schmuggelten.Instagram

Die Fifa hatte das Mitführen von Bannern und Flaggen mit Bezug zum Falklandkrieg ausdrücklich untersagt. Auch die argentinische Sicherheitsministerin Alejandra Monteoliva hatte ihre Landsleute im Vorfeld vor verschärften Kontrollen gewarnt. Die Gruppe aus Villa Luro kannte die Vorgaben – und passte ihre Vorgehensweise entsprechend an.

So kam das Banner ins Stadion

Die Lösung war ebenso einfach wie riskant. «Ich habe die Flagge so klein wie möglich zusammengefaltet und in meinem Schritt versteckt. So sind wir hineingekommen», berichtete der Argentinier. Im Stadion angekommen, warteten sie auf den passenden Moment.

Da sie keine Plätze direkt am Spielfeld hatten, harrten sie bis in die Schlussminuten aus. Dann nutzten sie die Bewegung der argentinischen Fans, um sich hinter dem Tor zu positionieren, vor dem Enzo Fernández und Lautaro Martínez wenige Minuten zuvor die entscheidenden Treffer erzielt hatten.

Weiter erzählen die Argentinier, wie das Malvinas-Banner aufs Feld kam.

Weiter erzählen die Argentinier, wie das Malvinas-Banner aufs Feld kam.Instagram

Fünf Minuten vor Spielende bemerkte ein Sicherheitsbeamter die Gruppe und versuchte, sie vom Feldrand zu vertreiben. Daraufhin trafen die Männer eine spontane Entscheidung: Lieber das Banner verlieren, als es beschlagnahmen zu lassen. Sie rollten es zusammen und warfen es in den Strafraum.

So wurde aus einem Laken ein politisches Symbol

Lo Celso war der Erste, der sich dem Stoff näherte. Ohne zu wissen, was darauf stand, entrollte er das Banner. Kurz darauf kamen auch die Verteidiger Cristian Romero und Lisandro Martínez hinzu. Gemeinsam hielten die drei die Botschaft in die Kameras, bevor sie das Tuch auf den Rasen legten.

Die Aktion löste umgehend diplomatische Reaktionen aus. Die britische Regierung forderte die Fifa auf, gegen die argentinische Nationalmannschaft wegen des Zeigens des Banners und eines Verstosses gegen die Turnierregeln zu ermitteln, die politische Botschaften in Stadien untersagen.

Wo ist das Banner jetzt?

Als die argentinische Selección den Platz verliess, nahm ein Mitglied des Teams das Banner an sich. Wenig später veröffentlichte es ein Foto davon mit den Worten: «An alle, die es betrifft … Es ist in guten Händen!»

Vorerst bleibt das Banner im Besitz der Mannschaft. Es befindet sich im Teamhotel und könnte mit der Delegation zum WM-Finale 2026 nach New York reisen, bevor es an seinen Schöpfer zurückgegeben wird.

Ebenso ist denkbar, dass es gemeinsam mit anderen Erinnerungsstücken des Turniers aufbewahrt wird – darunter Spielbälle, Trikots, Wimpel, Auszeichnungen für den besten Spieler jeder Partie sowie Plaketten, die der argentinische Fussballverband AFA von verschiedenen Organisationen als Anerkennung für seine Turnierteilnahme erhalten hat.

Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.