„Enttäuschung, Empörung, fürchterlich“: Deutschlands Botschafter in Russland rechnet mit seiner Zeit in Moskau ab
StartseitePolitikStand: 17.07.2026, 18:08 UhrKommentareUns auf Google folgenAlexander Graf Lambsdorff, Deutscher Botschafter in Russland. (Archivfoto) © dpaDrei Jahre lang hatte Alexander Graf Lambsdorff als de...
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Stand: 17.07.2026, 18:08 Uhr
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Drei Jahre lang hatte Alexander Graf Lambsdorff als deutscher Botschafter in Moskau agiert. Seine Bilanz ist ernüchternd – und besorgniserregend.
Moskau – Alexander Graf Lambsdorff gibt nach drei Jahren seinen Posten als deutscher Botschafter in Russland auf. Vor seinem Umzug von Moskau nach Tel Aviv zieht der 59-Jährige ein ernüchterndes Fazit über seine Zeit in dem vom Krieg zerrütteten Land. Er gehe mit einem Gefühl der „Enttäuschung“ und „Empörung“, sagte er in einem Interview mit dem Spiegel am Freitag.
Der Diplomat äußerte sich vor allem enttäuscht über das mangelnde Interesse des Kremls an einem Frieden mit der Ukraine. Er habe sich stets erhofft, dass der Kreml unter der Führung von Wladimir Putin zumindest ernsthafte Friedensgespräche in Betracht ziehen würde. Das sei in seinen Augen nicht passiert. „Dazu mischen sich Empörung über die zunehmenden Repressionen hier und Mitgefühl mit den Menschen, die darunter leiden müssen“, so Lambsdorff. Das Land nähere sich immer stärker seiner sowjetischen Vergangenheit an. Er beobachte eine zunehmende Entwicklung hin zu einer nationalistischen und reaktionären Gesellschaft. Kinder würden bereits in der Schule über die Bedeutung des Militärs unterrichtet und mit Waffen konfrontiert, Frauen wieder in ihre Rolle als Hausfrau und Mutter gedrängt.
Deutscher Botschafter in Moskau teilt erschütternde Beobachtung über Russlands Entwicklung unter Putin
Besonders besorgt äußerte sich Lambsdorff über den Umgang mit den Menschen, die sich Putins gesellschaftlichem Wandel in Russland entgegenstellen. Dazu nannte er im Gespräch mit der Zeitung drei Beispiele, die sich in den vergangenen Wochen abspielten: darunter ein politischer Oppositioneller, der für zwei Beiträge im Internet zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, ein LGBT-Clubbetreiber, der sieben Jahre in der russischen Strafkolonie verbringen muss, und sechs Friedensaktivisten, die bis zu zwölf Jahre ins Straflager müssen. „Es ist fürchterlich, eine schleichende Re-Stalinisierung“, kritisierte der Botschafter. Zudem erlebe er „eine weitreichende Abschottung“ der Russinnen und Russen vom Westen durch die Internetblockaden der russischen Behörden.
Alexander Graf Lambsdorff gibt diese Woche nach drei Jahren seinen Botschafterposten in Russland auf, um in Kürze nach Israel zu wechseln und dort in die Fußstapfen von Steffen Seibert zu treten. Sein Nachfolger in Moskau soll unterdessen Clemens von Goetze werden, der bislang als deutscher Botschafter in Mexiko agierte.
Der scheidende deutsche Botschafter in Moskau sieht bei Russlands Staatschef Wladimir Putin auch weiter „keinen ernsthaften Willen zu Verhandlungen“ über ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine. „Putin wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen“, so Lambsdorff. Er warnte, in Moskau redeten derzeit „immer mehr Menschen“ über eine zweite mögliche Mobilmachung wehrfähiger Männer nach der Duma-Wahl im September. „Auch ich befürchte, dass noch mal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten“, fügte der Diplomat hinzu.
Lambsdorff hatte während seiner Zeit in Moskau immer wieder den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisiert. Deutschland werde vom Kreml grundsätzlich als „unfreundlich“ eingestuft, weil es die Ukraine unterstützt. Der Zugang zum Kreml sei stets „sehr reduziert“ und „in der Sache schwierig und hart“ gewesen, sagte er im Spiegel-Interview. Zu seinem Abschied war der deutsche Botschafter am Montag (13. Juli) noch einmal ins russische Außenministerium einbestellt worden. Es war insgesamt das fünfte Mal in seiner Amtszeit. (Quellen: Spiegel, AFP, dpa) (no)