Volkswagen-Sparprogramm: VW-Chef Blume fordert Belegschaft zum Mitziehen auf
Startseite Unternehmen Auto Sparprogramm: VW-Chef Blume appelliert an die Belegschaft Der Volkswagen-Chef stellt sich in der kommenden Woche den Beschäftigten in den deutschen Werken. Vorab fordert er von sei...
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Sparprogramm: VW-Chef Blume appelliert an die Belegschaft
Der Volkswagen-Chef stellt sich in der kommenden Woche den Beschäftigten in den deutschen Werken. Vorab fordert er von seiner Belegschaft Unterstützung.
VW-Chef Oliver Blume. Foto: Johannes Neudecker/dpa
Kaum sind die Werksferien bei Europas größtem Autobauer Volkswagen vorbei, schon stehen eine Reihe an außerordentlichen Betriebsversammlungen vor der Tür. VW-Chef Oliver Blume will sich in der kommenden Woche den Fragen der Belegschaft stellen. Und die Liste dürfte lang sein.
Denn nach dem erneuten Gewinneinbruch im zweiten Quartal des Jahres, drängt Blume auf eine Entscheidung zum geplanten Sparpaket bis zum Ende des Jahres. Dafür will der VW-Chef die Kosten massiv senken und Überkapazitäten abbauen. Die Produktion in mehreren deutschen Werken steht dabei langfristig zur Disposition. Die Zahl der Modelle soll drastisch sinken, die Rendite bis Ende des Jahrzehnts auf acht bis zehn Prozent steigen.
Bisherige Einsparungen, etwa um durchschnittlich 20 Prozent gesenkte Fabrikkosten in deutschen Autofabriken im vergangenen Jahr, seien noch nicht ausreichend. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, sagte der Konzernchef in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der dpa vorliegt.

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Der Vorstandschef verwies etwa auf 3,8 Prozent operative Rendite, die in dieser anspruchsvollen Situation zwar solide seien, heißt es weiter. „Aber sie reichen bei weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften für neue Technologien, neue Produkte und unsere Standorte.“ Insgesamt beschreibt Blume die Lage als „mehr als kritisch“.
VW muss auf enormen Spardruck reagieren
Im Interview mit der „Bild am Sonntag“ appelliert der VW-Chef nun an die Belegschaft. „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen. Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt“, sagte Blume in dem Interview.
Die nächsten Jahre seien entscheidend, wer im Rennen bleibe und wer an die Spitze fahre. Es gebe enormen Spardruck, der auf einen fundamentalen Marktwandel und globale Verwerfungen zurückzuführen sei. Die weltweite Autoindustrie sei in einer Mega-Krise. „Und der Volkswagen Konzern ist mittendrin. Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb fordern alle“, so Blume.
In den nächsten Tagen bis Ende August sind neun Betriebsversammlungen geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.
Kritik an Sparplänen von Arbeitnehmerseite und Politik
Mit seinen Plänen stieß Blume schon bei der Aufsichtsratssitzung im Juli auf Widerstand bei den Arbeitnehmern und dem Land Niedersachsen. Christiane Benner, Vize-Chefin des VW-Aufsichtsrats, geht mit der Konzernführung hart ins Gericht: Ihre Renditeziele seien unrealistisch, aktuelle Sparpläne seien „die nächste Ohrfeige“ für die Mitarbeiter, sagt sie im Interview mit der WirtschaftsWoche.
Auch der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies hatte mehr Klarheit von dem Autobauer über mögliche Sparmaßnahmen gefordert. „Wir brauchen jetzt Klarheit, die Verunsicherung muss aufhören“, sagte der SPD-Politiker in der vergangenen Woche nach einem Treffen mit der Oberbürgermeisterin und den Oberbürgermeistern der VW-Standorte Osnabrück, Braunschweig, Emden, Hannover, Salzgitter und Wolfsburg. „Wir brauchen Perspektiven und Sicherheit für die Standorte.“

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Kommentar von Horst von ButtlarWährenddessen fordert die Familienholding Porsche SE, die unter anderem mit den VW-Granden Wolfgang Porsche (83) und Hans–Michel Piech (84) vertreten ist, ein hartes Durchgreifen. VW-Aufsichtsratschef und Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch sagte Anfang August, der Konzern stehe an einem historischen Wendepunkt. Je länger sich die Entscheidungen hinzögen, desto größer würden die Probleme. Das unternehmerisch und wirtschaftlich Gebotene stehe im Vordergrund.
Einigkeit gibt es zwischen Arbeitnehmervertretung und Management darin, dass Volkswagen derzeit massiv unter Druck steht. Das Unternehmen leidet unter den Zöllen von US-Präsident Donald Trump, die das US-Geschäft belasten. Dazu kommt der Kollaps des chinesischen Marktes. Auch in Europa, wo VW mit Abstand Marktführer ist, wird die Luft dünner, weil chinesische Anbieter vor allem bei Plug-in-Hybriden und Elektroautos Druck machen. Die Europäische Union hat Zölle auf Elektroautos aus China verhängt. Blume forderte zuletzt, dass auch auf chinesische Plug-in-Hybride Abgaben erhoben werden sollen.
Sollte es nicht zu einer Einigung im Aufsichtsrat auf ein Sparpaket kommen, könnte Volkswagen Berichten zufolge zu einem ungewöhnlichen Schritt greifen: eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen und die Aufsichtsratsmitglieder persönlich haftbar zu machen.

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