Spahn und die Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordern Spahns Rücktritt als Fraktionschef
Nach Bekanntwerden seiner Vaterschaft per Leihmutterschaft fordern CDU-Politiker Jens Spahn zum Rücktritt vom Fraktionsvorsitz auf. Der Vorwurf: Er handle als Privatmann gegen Beschlüsse seiner Partei. Jetzt hat sich Spahn selbst dazu geäußert.
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Spahn und die Leihmutterschaft CDU-Politiker fordern Spahns Rücktritt als Fraktionschef
17.07.2026 · 17:27 Uhr
Jens Spahn (CDU, rechts) und sein Mann Daniel Funke sind Väter eines kleinen Sohnes geworden.
Foto: Annette Riedl
Update | Berlin · Nach Bekanntwerden seiner Vaterschaft per Leihmutterschaft fordern CDU-Politiker Jens Spahn zum Rücktritt vom Fraktionsvorsitz auf. Der Vorwurf: Er handle als Privatmann gegen Beschlüsse seiner Partei. Jetzt hat sich Spahn selbst dazu geäußert.
Gegen Unionsfraktionschef Jens Spahn gibt es nach Bekanntwerden seiner Vaterschaft durch eine Leihmutterschaft erste Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei. „Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters der „Bild“-Zeitung. Ähnlich hatte sich zuvor die Thüringer Vorsitzende der Frauen Union, Marion Rosin (CDU), geäußert. Der Chef der Senioren-Union, Hubert Hüppe, zeigte sich „persönlich geschockt“ von der Entscheidung. Mit dem Vorgang werde sich am Montag das CDU-Präsidium befassen, sagte Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz am Freitagnachmittag. Spahn selbst äußerte sich im Podcast des „Bild“-Journalisten Paul Ronzheimer, der Spahn in den USA erreichte.
Die Elternschaft sei ein gemeinsamer Wunsch seines Mannes Daniel Funke und ihm gewesen, sagte Spahn im „Bild“-Podcast. „Wir sind beide sehr stark Familienmenschen. Es gibt nichts Schöneres, als Kinder groß werden zu sehen“, sagte der CDU-Politiker. „Ich habe lange mit mir gerungen, was das Thema Leihmutterschaft angeht“, gestand Spahn. Aber nach zehn Jahren des Ringens habe er sich für diese Lösung entschieden. Eine Adoption sei nicht infrage gekommen, auch weil die Rechtslage für homosexuelle Paare in Deutschland immer noch schwierig sei. In den USA seien die Verhältnisse für Leihmutterschaften gut. „Für uns war wichtig, dass die Frau finanziell unabhängig ist“, sagte Spahn. Er kenne es „als Christ“, dass „das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben“, sagte Spahn zum Vorwurf der Doppelmoral. Ohne ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach sein Vorgehen mit deutschem Recht vereinbar sei, „wäre ich diesen Schritt wahrscheinlich nicht gegangen“, sagte Spahn. Leihmutterschaft sei in Deutschland nicht verboten, sondern nur die Vermittlung.
Spahn sprach im „Bild“-Podcast auch über den CDU-Parteitagsbeschluss. Bei dem Treffen im Februar war die Leihmutter seinen Angaben zufolge bereits schwanger. Er ärgere sich im Nachhinein, sich damals nicht geäußert zu haben, sagte Spahn. „Ich hätte es tun sollen im Nachhinein.“ Damals sei er jedoch „noch nicht so weit“ gewesen, diese Debatte führen zu können. Er wolle sich nun aber der Debatte stellen. Zu den Rücktrittsforderungen sagte Spahn: „Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen. Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht.“ Zur Frage, ob er weitermachen wolle, erklärte er: „Ich werde mit meiner Fraktion darüber reden und das in ihre Verantwortung – wo es ja auch hingehört, der Vorsitzende der Fraktion – auch legen.“
Spahn habe als Fraktionschef „eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union“, begründete der CDU-Politiker Peters seine Rücktrittsforderung. Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe er sich „in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“. Das gehe nicht, sagte der CDU-Landeschef. Die CDU stehe „für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen“.
Er sehe nicht, dass an der geltenden Rechtslage zur Leihmutterschaft „Änderungen vorgenommen werden sollen“, sagte Merz bei einer Pressekonferenz am Freitag in Brühl. „Und alles Weitere werden wir in der nächsten Sitzung des Präsidiums der CDU Deutschlands besprechen.“ Ihm sei bewusst, dass das Thema „in seiner ganzen Dimension menschlich, juristisch, gesellschaftlich, ethisch“ sehr viele Menschen aus diesem aktuellen Anlass bewege, sagte Merz. Leihmutterschaft sei hierzulande verboten, widersprach er Spahn.
„Nicht gut, wenn sich Politiker mit Macht und Geld darüber hinwegsetzen“
Rücktrittsforderungen an Spahn kamen auch vom Landesvorstand des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Thüringen sowie von der Frauen-Union Mecklenburg-Vorpommern. Die CDU könne ihre Position „nicht mehr glaubwürdig vertreten, wenn einer ihrer wichtigsten öffentlichen Repräsentanten diese klare und wohlerwogene Haltung unterlaufe“, hieß es beim EAK.
Auch die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), sprach sich gegen eine kommerzielle Leihmutterschaft in Deutschland aus. „Viele queere Menschen haben einen Kinderwunsch. Diesen sollten sie sich auch erfüllen können. Die kommerzielle Leihmutterschaft halte ich aber nicht für den richtigen Weg“, sagte Koch unserer Redaktion. Sie forderte eine Reform des Abstammungsrechts. „Ich freue mich sehr darauf, Herrn Spahn auf diesem Weg an der Seite der queeren Community zu sehen“, sagte Koch. Derzeit ist etwa bei lesbischen Paaren rechtlich nur die gebärende Frau die Mutter. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat sich offen für eine Reform des Abstammungsrechts gezeigt.
Scharfe Kritik an Spahn kam hingegen von der Linken. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kathrin Gebel warf Spahn „ein fragwürdiges Verständnis von reproduktiven Rechten“ vor. Gebel kritisierte: „Wenn Frauen eine Notfallverhütung brauchen oder eine Schwangerschaft beenden wollen, begegnet Jens Spahn ihnen mit Strafrecht und Misstrauen. Für den eigenen Kinderwunsch nimmt er die Schwangerschaft einer anderen Person in Anspruch und nutzt seine finanziellen Möglichkeiten, um ins Ausland auszuweichen.“ Reproduktive Rechte dürften aber „weder von bigotter Moral noch vom Geldbeutel abhängig sein“.
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