Mehr als nur Gemüse und Gartenzwerge: Darum faszineren Schrebergärten die Menschen

Im September wird sie aber das Gartentor zum letzten Mal hinter sich schließen. Aus gesundheitlichen Gründen geben Zielonkowski und ihr Mann die Parzelle auf. "Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist", sa...

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Mehr als nur Gemüse und Gartenzwerge: Darum faszineren Schrebergärten die Menschen

Im September wird sie aber das Gartentor zum letzten Mal hinter sich schließen. Aus gesundheitlichen Gründen geben Zielonkowski und ihr Mann die Parzelle auf. "Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist", sagt die 75-Jährige. Gleichzeitig hofft sie, dass bald wieder eine Familie mit Kindern in den Garten einzieht. Irgendjemand von der Warteliste wird dann ein neues Kapitel aufschlagen können.

Vom Spießer-Image zum Sehnsuchtsort

Lange haftete dem Schrebergarten ein eher angestaubtes Image an. Und selbst heutezutage denken viele vor allem an Gartenzwerge, akkurat gestutzte Hecken und strenge Vereinsregeln. Doch es verändert sich etwas. Gerade in Städten sehnen sich die Menschen nach einem kleinen Garten: Als Ort zum Abschalten, für ein gemeinsames Familienleben oder um eigenes Obst und Gemüse anzubauen.

Lange Wartezeiten gelten als Indiz, dass Kleingärten im Trend liegen. Vom Bundesverband Deutscher Gartenfreude gibt es eine Einschätzung zu größeren Städten: Hier können lange Wartezeiten von bis zu zehn Jahren auf die künftigen Kleingärtner zukommen - wie zum Beispiel für Metropolen wie München, Hamburg oder Berlin. Besonders im städtischen Bereich seien Kleingärten seit mehreren Jahren stark nachgefragt. Die Corona-Pandemie habe diesen Trend noch einmal zusätzlich verstärkt.

Einfluss der Corona-Pandemie

Die Warteliste im Benrather Kleingartenverein ist voll: Rund 15 Interessenten stehen drauf. Mehr nimmt der Verein gar nicht erst auf, denn bis eine Parzelle frei wird, vergehen meist vier Jahre.

"Wer in einer Wohnung ohne Balkon oder eigenen Garten lebt, weiß ein Stück Natur vor der Haustür besonders zu schätzen", sagt Jürgen Burchartz. Gleichzeitig würden Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel und regionale Lebensmittel stärker in den Fokus rücken: "Immer mehr Menschen möchten wieder selbst Gemüse anbauen oder erleben, wie aus einem Samen eine Tomate wächst."

Vier Jahre auf den Kleingarten gewartet

Wie begehrt Kleingärten sind, weiß Marcus Ebert aus eigener Erfahrung. Vier Jahre lang standen auch er und seine Partnerin auf der Warteliste. Als der Anruf des Vereins kam, zögerten sie keine Minute. "Wir waren zehn Minuten später hier und haben uns den Garten angeschaut", erzählt der Düsseldorfer.

Eine große Sehnsucht nach Leben im Grünen

Nicht nur Corona hat den Kleingärten neuen Zulauf beschert. Auch die unsichere weltpolitische Lage und steigende Lebensmittelpreise sorgen nach Einschätzung von Kleingartenverbänden dafür, dass sich wieder mehr Menschen für Selbstversorgung und einen eigenen Garten interessieren.

So viele Schrebergärten gibt es in Düsseldorf

In Düsseldorf gehören Kleingärten fest zum Stadtbild. Insgesamt gibt es 70 Kleingartenanlagen, in denen rund 100 Vereine organisiert sind. Zusammen bewirtschaften sie knapp 6.600 Gartenparzellen. Die verpachtete Fläche umfasst 293 Hektar (das entspricht etwa 410 Fußballfeldern) und macht rund 7,5 Prozent des gesamten städtischen Grüns aus. Acht Gartenlauben werden in Düsseldorf übrigens noch dauerhaft bewohnt.

Die Kleingartenfläche in Nordrhein-Westfalen

Laut dem statistischen Landesamt erstreckten sich die Kleingärten Ende 2023 über 6.488 Hektar - eine Fläche so groß wie knapp mehr als 9.000 Fußballplätze. Das entspricht 11,2 Prozent aller Grünanlagen in Nordrhein-Westfalen. Auffällig ist die Entwicklung: Seit 1999 ist die Fläche der Kleingärten um rund 37 Prozent gewachsen. Die größten Kleingartenflächen befinden sich in Köln, Essen und Dortmund.

Deutschland: Millionen Menschen nutzen Kleingärten

Gut für Mensch, Klima und Artenvielfalt

Kleingärten sind weit mehr als private Rückzugsorte. Sie übernehmen wichtige Funktionen für das Stadtklima. Bäume und Pflanzen spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung und tragen dazu bei, Hitzeinseln in dicht bebauten Quartieren abzumildern.

Wenn du hier bist, ist das immer etwas Besonderes. Du bist hier in der Natur pur. Marc Herbert, Kleingärtner

Historie: Vom Armengarten zur grünen Oase

Namensgeber wurde der Leipziger Arzt Daniel Gottlob Schreber. Seine ursprüngliche Idee war es allerdings nicht, Kleingärten anzulegen. Er setzte sich für Spiel- und Bewegungsflächen für Kinder ein. Nach seinem Tod entstand 1864 in Leipzig der erste Schreberverein. Die Spielplätze wurden später um Gartenparzellen ergänzt. Daraus entwickelte sich die Schrebergartenbewegung.

Während der beiden Weltkriege und in den Nachkriegsjahren waren Kleingärten lebenswichtig. Sie dienten der Versorgung mit Lebensmitteln und teilweise sogar als Wohnraum. Mit wachsendem Wohlstand wandelte sich ihre Funktion. Heute stehen Erholung, Naturerlebnis und Freizeit im Mittelpunkt.

Ein Ort voller Geschichten

Hinter jedem Gartentor stecken eigene Geschichten: Für Marcus Ebert beginnt das Abenteuer Kleingarten gerade erst. Rosalia Zielonkowski verabschiedet sich nach mehr als zwei Jahrzehnten von ihrer Parzelle. Und Marc Herbert führt eine Familientradition fort, die schon sein Großvater begonnen hat.

Unsere Quellen:

  • Stadt Düsseldorf
  • IT.NRW - Statistisches Landesamt NRW
  • Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e.V.
  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Gespräche mit Mitgliedern des Kleingärtnervereins Benrath

Sendung: WDR.de, Darum faszinieren Schrebergärten, 27.07.2026, 12:40 Uhr