Warum der Hitzesommer Badis, Bergbahnen und Kinos boomen lässt
Darum gehtsBadis, Bergbahnen und Kinos profitieren von der Hitzewelle mit deutlich steigenden Besucherzahlen.In den Basler Gartenbädern wurden bis Ende letzter Woche rund 285'000 Eintritte gezählt. In der Stadt...
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Darum gehts
- Badis, Bergbahnen und Kinos profitieren von der Hitzewelle mit deutlich steigenden Besucherzahlen.
- In den Basler Gartenbädern wurden bis Ende letzter Woche rund 285'000 Eintritte gezählt. In der Stadt Zürich waren es fast 1,5 Milionen Eintritte.
- Gelaterias verkaufen zwar mehr Glace als üblich, der grösste Andrang verlagert sich aber in die Abendstunden.
Es ist und bleibt heiss in der Schweiz. Während die hohen Temperaturen vielen zu schaffen machen, profitieren andere vom sonnigen Wetter.
Rekordwerte bei Badi-Eintritten
Die Basler Gartenbäder verzeichnen derzeit überdurchschnittlich hohe Besucherzahlen. Bis Ende letzter Woche wurden in den drei Gartenbädern laut dem Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt bereits rund 285'000 Eintritte gezählt. Mit den hohen Besucherzahlen steige grundsätzlich auch die Nachfrage an den Kiosken und Gastronomiebetrieben, heisst es auf Anfrage.
Auch die Stadtzürcher Badis erfreuen sich grosser Beliebtheit: Bis zum 5. Juli wurden bereits 1'445'500 Eintritte registriert. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gästezahlen der Berner Freibäder liegen hingegen aktuell noch unter Vorjahresniveau. Zu beachten ist aber, dass das Freibad Marzili dieses Jahr aufgrund der ersten Sanierungsetappe erst später öffnete.

An einzelnen Tagen wurden die Vorjahreszahlen laut Beat Burkhalter, Bereichsleiter Anlagen Eis und Wasser des Sportamt Stadt Bern, deutlich überschritten. Bis zum 5. Juli hatten rund 853’000 Personen die städtischen Freibäder besucht. Tages-Spitzenreiter in der ersten Saisonhälfte 2026 war gemäss der Direktion für Bildung, Soziales und Sport der Samstag, 27. Juni mit rund 47’500 Besuchenden in den Anlagen Marzili, Weyermannshaus, Wyler und Lorraine.
35 Prozent mehr Bergbahn-Ersteintritte
Die Hitze im Flachland zieht viele in die Höhe. Davon profitieren die Schweizer Bergbahnen. Schweizweit lagen die Ersteintritte von Saisonbeginn bis Ende Juni fünf Prozent über dem Vorjahreswert. Gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre beträgt das Plus sogar 35 Prozent. «Die vielen Schweizer Gäste konnten dank des tollen Wetters die Rückgänge von Gästen aus asiatischen Ländern kompensieren», sagt Seilbahnen Schweiz zu 20 Minuten.
Besonders gefragt sei das Berner Oberland. Überdurchschnittlich starke Zuwächse verzeichnen aber auch die Waadtländer und Freiburger Alpen (+38 Prozent), die Zentralschweiz (+28 Prozent) sowie Graubünden (+26 Prozent) im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt.

Die aktuellen Zahlen zeigten, dass die Berge auch im Sommer auf grosses Interesse stiessen und sich das Sommergeschäft «zunehmend als wichtiges zweites Standbein der Seilbahnbranche» etabliere, so ein Sprecher.
Mehr Glace – aber nur abends
Auch in den Gelaterias herrscht Hochbetrieb. Dennoch verläuft das Geschäft anders als erwartet. «Am Nachmittag läuft weniger als sonst», sagt «Gelateria Di Berna»-Mitgründer Hansmartin Amrein zu 20 Minuten. Der Grund: «Durch den Tag flüchten unsere Gäste zu Recht aus den Quartieren an Flüsse oder Seen.» Die grösste Nachfrage habe sich deshalb in die Abendstunden verschoben.
Insgesamt werde zwar mehr Glace verkauft als üblich, allerdings nicht in dem Ausmass, das man aufgrund der Wetterlage vermuten könnte. Trotzdem seien alle Mitarbeitenden in der Produktion und im Verkauf gefordert. «Wir haben allergrössten Respekt vor dem, was unsere Gelatieri in diesen Tagen leisten.»

Besonders beliebt seien derzeit die Sorbetti. «Passionsfrucht, Grapefruit-Pfeffer, oder Himbeer-Ingwer sind hoch im Kurs. Oft allerdings mit Joghurt kombiniert. Alles hat mehr Säure und wirkt damit erfrischender als ein cremiges Fior di Latte», so Amrein.
Hohe Nachfrage bei Pools und Gummibooten
Die Hitzewelle treibt auch den Detailhandel an. Bei Jumbo liegt die Nachfrage nach klassischen Sommerprodukten derzeit teilweise bis zu 40 Prozent über dem üblichen Niveau. Besonders gefragt seien Pools, Planschbecken, Sonnenschirme sowie Ventilatoren, Klimageräte und Bewässerungsartikel. Auch OBI registriert seit Beginn der Hitzeperiode eine deutlich höhere Nachfrage als im Vorjahr. Dort stünden vor allem Klimageräte sowie Tisch-, Stand- und Deckenventilatoren hoch im Kurs.
Trotz grosszügiger Lagerbestände seien Klimageräte und Ventilatoren bei OBI inzwischen nur noch eingeschränkt verfügbar. «Zwar erhalten wir laufend neue Ware, diese wird uns jedoch buchstäblich aus den Händen gerissen.» Bei Jumbo seien die Filialen derzeit noch ausreichend mit Sommerartikeln versorgt, bei einer anhaltenden Hitzewelle könnten die Bestände einzelner Produkte aber ebenfalls weiter zurückgehen.
Boom bei Klimaanlagen und Ventilatoren
Die Hitzewelle sorgt im Detailhandel für einen Boom bei Kühlgeräten. Bei MediaMarkt wurden Ende Juni rund neunmal so viele Klimageräte verkauft wie in der Vorwoche (+863 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Plus fast 300 Prozent. Brack vervierfachte seine Verkäufe innerhalb einer Woche, während Galaxus bis Ende Mai dreimal so viele Klimaanlagen verkaufte wie im gleichen Zeitraum 2025. Am gefragtesten bleiben jedoch Ventilatoren: MediaMarkt verzeichnete gegenüber Mai 2025 einen Verkaufsanstieg von knapp 293 Prozent, Galaxus ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Pathé-Kinos mit «spürbarem Plus»
Die Hitze scheint auch viele in klimatisierte Kinos zu locken. Die Pathé-Kinos berichten von einem «spürbaren Plus» gegenüber vergleichbaren Tagen im Sommer 2025. Das sei aber auch so dank des attraktiven aktuellen Line-ups. Bei Blue Cinema beobachtet man derzeit hingegen keine aussergewöhnliche Entwicklung.
Hohe Nachfrage nach alkoholfreien Getränken
Wenn es heiss ist, wird mehr getrunken. Feldschlösschen, die grösste Getränkehändlerin der Schweiz, berichtet von einer aktuell hohen Nachfrage. Besonders bei anhaltend hohen Temperaturen stiegen die Bestellungen deutlich an. «Wenn die Temperaturen deutlich über 30 Grad liegen, beobachten wir eine besonders hohe Nachfrage nach alkoholfreien Getränken. Dazu zählen insbesondere alkoholfreie Biere und gebraute Getränke, Mineralwasser sowie Softdrinks», sagt eine Sprecherin auf Anfrage.
Wie kühlst du dich am liebsten ab, wenn es so heiss ist?
Badi, See oder Fluss – Hauptsache, Wasser.
Ich flüchte in die Berge oder in den Wald.
Klimatisierte Orte wie Kinos oder Einkaufszentren sind meine Rettung.
Ich bleibe zu Hause und mache es mir mit Ventilator oder Klimaanlage gemütlich.
Glace, kalte Getränke und leichte Kost helfen mir am besten.
Ich leide einfach und warte, bis es vorbei ist.
Die Hitze macht mir nichts aus, ich brauche keine spezielle Abkühlung.

Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Seit November 2025 ist sie stellvertretende Leiterin im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.