A46-Rheinbrücke von innen: Besucher klettern auf Deutschlands höchsten Brückenpylon

"Das ist die niedrigste Decke", sagt Birgit Garbe, kurz nachdem die Gruppe das Bauwerk betreten hat. Das macht Hoffnung für den Rest der Tour. Und alle wissen sofort, warum wir alle Helme tragen müssen. Schon n...

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A46-Rheinbrücke von innen: Besucher klettern auf Deutschlands höchsten Brückenpylon

"Das ist die niedrigste Decke", sagt Birgit Garbe, kurz nachdem die Gruppe das Bauwerk betreten hat. Das macht Hoffnung für den Rest der Tour. Und alle wissen sofort, warum wir alle Helme tragen müssen. Schon nach wenigen Minuten sind die meisten mindestens einmal an Beton oder Metall angeschlagen.

Wir sind direkt unter dem Fahrbahnübergang auf dem Düsseldorfer Rheinufer. Eine Art Fuge, die Autofahrer an Vibration und am Geräusch der Reifen wahrnehmen. Ein Klang, der vor allem Anwohner von Brücken alltäglich nervt. Wir hören das Geräusch hier drinnen eher dumpf - umgeben von all dem Beton und Stahl.

Großes Interesse an den Führungen

Zunächst geht es unter der Fahrbahn in Richtung Mitte, quasi durch den Bauch der Brücke. An fast jedem Stahlträger sehen wir Markierungen von Prüfingenieuren. Und aufgeschraubte Stahlprofile als Verstärkung. Es ist seit Jahren bekannt: die Brücke ist so marode, dass ein Neubau längst beschlossen ist. Mehr und schwerere Lkw als vor dem Bau kalkuliert - die Gründe sind überall dieselben.

Fotografieren innen streng verboten

"Wir haben es hier aber auch mit minderwertigem Stahl zu tun", sagt Führerin Birgit Garbe. "Außerdem haben die Firmen damals nicht überall so gearbeitet, wie es in den Plänen vorgesehen war." Die aufgeschraubten Metallplatten sind beeindruckend, gerne würde man sie fotografieren. Wie so viele Räume und Details. Verboten - alle Teilnehmer mussten das vorher unterschreiben.

Nicht, weil sich die Autobahn GmbH für den Zustand schämen würde. Die Mängel sind lange bekannt. Bauwerke wie diese Rheinbrücke im Verlauf der A46 gehören zur kritischen Infrastruktur. "Wir leben ja nun in politisch kritischen Zeiten. Deshalb wollten unsere Juristen nicht, dass Menschen durch diese Gelegenheit terroristische Ideen entwickeln."

Klebeband als Rostschutz

Auch die Drahtseile sind Wind und Wetter ausgesetzt und daher mit vier Lagen Korrosionsschutz bestrichen. Trotzdem sind an manchen Stellen Rostschäden zu sehen. Wenn es schnell gehen soll, werden diese Stellen tatsächlich mit einem speziellen Klebeband erstversorgt. Sieht merkwürdig aus, ist aber zugelassen, sagt Projektingenieur Lukas Pogrzeba.

"Seit 2005 sind gut 46 Millionen Euro in die Instandhaltung geflossen", erzählt Birgit Garbe. Die gesamten Baukosten lagen Ende der Siebzigerjahre bei 106 Millionen D-Mark. Ihre Schätzung für die Kosten des geplanten Neubaus will Garbe lieber nicht zitiert lesen. Bis zum Baubeschluss wäre das eh wieder Makulatur. Im nächsten Jahr startet erstmal ein Architekturwettbewerb.

Neubau soll stabiler werden

So viel steht fest: es werden zwei getrennte Brücken, eine pro Richtung. Und selbst während des Baus werden immer zwei Spuren pro Richtung zur Verfügung stehen. Außerdem werde der Neubau für heutige Fahrzeug-Gewichte ausgelegt.

Es folgt das große Finale, der Aufstieg auf den Pylon. Den Rekord als längste Schrägseilbrücke der Welt musste die Fleher Brücke schon kurz nach Fertigstellung abgeben, der Mittelpfeiler dagegen ist auch nach 47 Jahren noch immer der höchste im ganzen Land. Wie schon ganz am Anfang fühlen wir uns beim Weg nach oben wie in einem U-Boot.

519 Stufen auf den höchsten Pylon Deutschlands

Über extrem steile Treppen geht es über 519 Stufen dem Himmel entgegen. Zwei aus der Gruppe haben schon vorher dankend verzichtet, eine weitere Teilnehmerin kehrt unterwegs um. So sieht sie nicht die verstörende Schmiererei auf der Wand, irgendwo rund um die 50-Meter-Marke. In weiß prangt ein Hakenkreuz auf dem Stahl.

Auf 146 Metern sind wir am Ziel. Wir werden belohnt mit majestätischen Blicken in die Ferne. Selbst die Halden an Niederrhein und im Ruhrgebiet sind an diesem schönen Spätsommertag zu sehen.