Rückruf: Noroviren im Verdacht – Aldi und Netto rufen beliebtes TK-Produkt zurück

Aldi und Netto rufe eine TK-Beerenmischung" zurück. In der betroffenen Charge könnten Noroviren enthalten sein. Es ist bereits der dritte Rückruf von Tiefkühlbeeren innerhalb von zwei Wochen – zuvor waren andere Händler betroffen. Wie Sie sich schützen können.

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Rückruf: Noroviren im Verdacht – Aldi und Netto rufen beliebtes TK-Produkt zurück

Rückruf Noroviren im Verdacht – Aldi und Netto rufen beliebtes TK-Produkt zurück

Aldi und Netto rufe eine TK-Beerenmischung" zurück. In der betroffenen Charge könnten Noroviren enthalten sein. Es ist bereits der dritte Rückruf von Tiefkühlbeeren innerhalb von zwei Wochen – zuvor waren andere Händler betroffen. Wie Sie sich schützen können.

28.07.2026 , 13:25 Uhr

Es ist bereits der dritte Rückruf binnen weniger Wochen für ein Produkt. Nun sind Aldi und Netto betroffen. (Symbolbild)

Es ist bereits der dritte Rückruf binnen weniger Wochen für ein Produkt. Nun sind Aldi und Netto betroffen. (Symbolbild)

Foto: Sina Schuldt

Von Claudia Wittke-Gaida, dpa

Die Discounter Netto und Aldi haben einen Rückruf für ihre „BioBio Beerenmischung" (tiefgefroren, 300 g) bekannt gegeben. Laut offizieller Lebensmittelwarnung kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Charge mit Noroviren belastet ist. Betroffen ist das Produkt mit der Chargennummer L270326B3 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 26. März 2028. Hersteller ist die Jütro Tiefkühlkost GmbH & Co. KG. Kunden sollten das Produkt nicht verzehren und können es in allen Netto-Filialen – auch ohne Kassenbon – zurückgeben und den Kaufpreis erstattet bekommen.

Bereits in den Vorwochen kam es zum Rückruf von TK-Beeren - mehrere Händler betroffen

Es ist nicht der erste Rückruf dieser Art in den vergangenen Wochen: Bereits am 14. Juli hatte die Supermarktkette Rewe ihre „ja! Beerenmischung" (750 g) zurückgerufen – dort wurden Hepatitis-A-Viren nachgewiesen. Nur wenige Tage später, am 20. Juli, zog auch Lidl seine „Freshona Bio Beerenmischung" (300 g) aus dem Handel. Auch dort der Grund: mögliche Noroviren. Beim Lidl- und beim Netto-Rückruf handelt es sich um denselben Hersteller – Jütro Tiefkühlkost. Dass nach und nach mehrere Händler betroffen sind, kommt laut Verbraucherschützern nicht überraschend: Produziert ein Hersteller für mehrere Ketten, ist damit zu rechnen, dass sich Rückrufe ausweiten.

Wer Symptome wie plötzlichen Durchfall, Erbrechen oder Fieber entwickelt und das Produkt gegessen hat, sollte ärztliche Hilfe aufsuchen. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen, bei denen eine Norovirus-Erkrankung durch den starken Flüssigkeitsverlust schwerer verlaufen kann.

Auch wenn's nicht sexy klingt: TK-Beeren sollten unbedingt erhitzt werden

Lust auf eiskalte Smoothies mit Tiefkühl-Beeren? Warum das riskant sein kann und wie man sich vor fiesen Viren schützt, erklären Gesundheits- und Ernährungsexperten. Doch betrifft das auch TK-Gemüse?

Tüte aus dem Eisfach holen, ein paar Beeren für Smoothies oder Shakes in den Mixer schütten oder als Topping auf Müslis, Joghurt oder Hefekloß verteilen: Tiefkühlbeeren sind eine schnelle, praktische und vor allem leckere Variante. Doch auch wenn es nicht auf der Packung steht, sollten die gefrorenen Beeren laut Verbraucherschützern unbedingt vor dem Verzehr erhitzt werden.

Auch wer davon schon mal gehört hat, denkt bei dem Gedanken an Mehraufwand und vor allem an einen warmen Beerenmatsch. Doch diese Vorsichtsmaßnahme hat ihren Grund: TK-Beeren können mit Noro- oder Hepatitis-Viren belastet sein. Immer mehr Handelsunternehmen rufen deshalb die tiefgekühlten Beeren derzeit zurück.

Ungünstig: Auf Händlerseiten kursieren Rezepte ohne Erhitzen der TK-Beeren

„Doch trotz des Rückrufs veröffentlichen viele Lebensmittelhändler auf ihren Internetseiten gleichzeitig weiter Rezepte, in denen Tiefkühlbeeren ohne vorheriges Erhitzen verwendet werden“, warnt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern.

Dass die Rückrufe immer mehr Handelsunternehmen betreffen, sei für die Verbraucherschützer nicht überraschend gekommen. „Denn wenn ein Hersteller für mehrere Handelsketten produziert, ist damit zu rechnen, dass nach und nach weitere betroffene Produkte bekanntwerden“, so Krehl.

Wie gelangen solche Erreger in die TK-Mischungen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) skizziert mögliche Kontaminierungswege:

  • So könnten Beeren an verschiedenen Stellen ihrer Produktion mit Noroviren in Kontakt kommen, beispielsweise durch unsachgemäße Bewässerung oder Düngung.
  • Es könnten aber auch mit Noroviren infizierte Personen das Virus während der Ernte oder beim Verpacken auf die Beeren übertragen.
  • Bei tiefgefrorenen Beeren könnten darüber hinaus Noroviren über verunreinigtes Wasser, das während des Gefrierprozesses zugegeben wird, in die Beeren gelangen.

Auch zunehmende Starkregenereignisse und damit einhergehende Überschwemmungen seien idealer Nährboden für die Verbreitung von Erregern wie Hepatitis-A- sowie Noroviren. Gerade Beeren-Importe könnten laut Professor Jürgen Wenzel von der Uniklinik Regensburg als Träger diese Viren in unsere Tiefkühltruhen bringen. Er denkt vor allem an Importe aus tropischen Gebieten, Teilen des Mittelmeerraumes und Osteuropa sowie aus Ländern mit unzureichenden Hygienebedingungen, die oft eine hohe Virenlast aufweisen.

„Etwa 30 Prozent der zu uns importierten Beeren, wie Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, kommen aus potenziellen Risikogebieten. Somit steigt natürlich auch bei uns das Risiko, sich mit Hepatitis- oder Noroviren anzustecken“, erklärt der Forscher.

„Durch das Frosten finden nicht nur die Früchte, sondern auch anhaftende Viren ideale Bedingung vor, um sich nach dem Auftauen den Menschen als Wirt zu suchen und Erkrankungen auszulösen“, erklärt Wenzels Uni-Kollege Mathias Schemmerer.

Was können Erreger auslösen?

„Noroviren verursachen bei Menschen aller Altersgruppen akut beginnende Brechdurchfälle, die zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen können“, warnt das BfR. Bei Säuglingen, Kleinkindern sowie alten und kranken Menschen könnten die Erkrankungen auch schwer verlaufen und vereinzelt tödlich enden, so die Gesundheitsexperten.

Hepatitis-A-Viren wiederum können schlimmstenfalls eine Leberentzündung verursachen, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) schreibt.

Nur ausreichend langes Erhitzen und Backen der TK-Beeren schützt

Die Gesundheitsexperten beider Behörden von LAVES und BfR weisen zudem darauf hin, dass nicht nur von rohen, sondern auch schon von bloß kurzzeitig oder ungleichmäßig erhitzen Speisen mit Tiefkühlbeeren ein hohes Infektionsrisiko ausgeht, wenn diese mit Noroviren kontaminiert sind und raten deshalb: Ein mehrminütiges Erhitzen auf Kerntemperaturen von über 90 Grad scheint geeignet, möglicherweise vorhandene Viren vollständig zu inaktivieren.

Heißt in der Praxis: Die TK-Beeren für zwei Minuten in einem Topf mit etwas Wasser köcheln lassen, rät die Verbraucherzentrale. Frische Beeren sollte man immer gründlich abwaschen.

Brokkoli, Blattspinat und Co: Wie verhält es sich mit TK-Gemüse?

Und wie verhält es sich mit tiefgekühlten Brokkoli-Röschen oder Blattspinat, die Smoothie-Fans gern gefroren untermischen? Müssen die auch vorher erhitzt werden? „Anders als Tiefkühlbeeren wird Tiefkühlgemüse in der Regel vor dem Einfrieren blanchiert, also kurz mit heißem Wasser oder Dampf behandelt. Dadurch werden unerwünschte Mikroorganismen reduziert“, erklärt Verbraucherschützerin Daniela Krehl. Trotz der geringeren Gefahr rät sie insbesondere Risikogruppen, auch TK-Gemüse entsprechend den Zubereitungshinweisen zu erhitzen.

Das LAVES empfiehlt im Sinne des vorsorglichen Verbraucherschutzes sogar dringend, TK-Gemüsemischungen vor dem Verzehr zu garen. Nur durch ausreichendes Erhitzen würden potenziell krank machende Bakterien abgetötet.

Die Behörde hatte zuletzt 2023 insgesamt 47 Tiefkühl-Proben mikrobiologisch untersucht. Ergebnis: 37 Proben (79 Prozent) waren unauffällig. Aber in drei von 25 TK-Gemüsemischungen (12 Prozent) sowie in sieben von 22 Proben TK-Pilze (32 Prozent) wurden Listerien-Bakterien nachgewiesen. Sie können zu grippeähnliche Symptomen, wie Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall führen und die Gefahr von Früh- und Fehlgeburten erhöhen.