Retter in der Not: Sind Notrufsäulen ein Auslaufmodell? Stiftung fordert Modernisierung
StartseiteWeltStand: 30.08.2026, 13:16 UhrKommentareUns auf Google folgenIn Zeiten von Handys und automatischen Notrufsystemen werden die Notrufsäulen an deutschen Autobahnen immer weniger genutzt. Wird das Ret...
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Stand: 30.08.2026, 13:16 Uhr
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In Zeiten von Handys und automatischen Notrufsystemen werden die Notrufsäulen an deutschen Autobahnen immer weniger genutzt. Wird das Rettungssystem überhaupt noch gebraucht? Eine Anfrage zum Ende der Sommerferien.
Bonn (KNA) – Sie retten seit Jahrzehnten Leben und sind wichtige Helfer bei Autopannen: die orange leuchtenden Notrufsäulen an deutschen Autobahnen. Mehr als 17.000 Exemplare stehen am rund 13.000 Kilometer langen Autobahnnetz der Bundesrepublik – etwa alle zwei Kilometer.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Wohl jeder Urlauber hat sie in der zu Ende gehenden Ferienzeit registriert. Doch das seit den 70er Jahren errichtete Netz der Retter in der Not wird immer weniger genutzt - weil fast jeder Autofahrer heutzutage ein Mobiltelefon dabei hat, mit dem er schnell Hilfe anfordern kann. Und weil neue Autos seit 2018 über das automatische Notrufsystem eCall verfügen, das bei schweren Unfällen selbstständig die europaweite Notrufnummer 112 wählt.

Deutlich weniger Anrufe
Die Zahlen sind eindeutig: Gab es 2007 noch mehr als 255.000 Hilfsanforderungen über die Notrufsäulen an Autobahnen, waren es 2021 nur noch 33.500. Im laufenden Jahr registriert die Firma Bosch Service Solutions, die das System seit 2024 im Auftrag der Autobahn GmbH des Bundes betreibt, durchschnittlich 132 Anrufe pro Tag.
Ist das dichte Netz der Notrufsäulen damit ein teures Auslaufmodell? „Die Autobahn GmbH prüft derzeit das Für und Wider einer mittelfristigen Abschaltung. Dabei werden die technische Entwicklung, die tatsächliche Nutzung und vor allem die Verkehrssicherheit berücksichtigt“, sagte ein Sprecher der Autobahn GmbH der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Eindeutige Standort-Zuordnung
Dienstleister Bosch sieht weiterhin Bedarf: „Insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Mobilfunkempfang oder bei einem leeren Handyakku ist eine zuverlässige Alarmierung von Rettungskräften oder Pannendiensten dank der Notrufsäule möglich“, heißt es dort.
Zudem böten die Säulen entscheidende Vorteile, da sich die Standortdaten anhand der Telefonnummer und der Säulen-ID zuordnen ließen und somit eindeutig an das Bosch-Notrufzentrum übermittelt würden. „Dies erleichtert die präzise Lokalisierung, ohne dass der Anrufer diese Informationen selbst liefern muss – ein unschätzbarer Vorteil in stressigen Notfallsituationen.“
Neue Funktionen für Notrufsäulen
Auch die Björn-Steiger-Stiftung, die seit Jahrzehnten maßgeblich am Aufbau des Notrufsäulen-Netzes an deutschen Straßen beteiligt war, ist gegen einen Abbau des bestehenden Netzes an den Autobahnen – und stattdessen für eine Modernisierung der Notrufsäulen. Mit neuer Technik könnten über Funk gesteuerte Säulen Autofahrer ganz aktuell vor Unfällen, Falschfahrern, Staus oder Baustellen warnen, sagte der zuständige Experte Andreas Mihm der KNA.
Die Steiger-Stiftung selbst betreibt ein bundesweites Netz von derzeit 310 Notruftelefonen – vor allem an Land- und Kreisstraßen in ländlichen Regionen. „Neue Telefone werden nicht mehr installiert. Wir konzentrieren uns auf den Erhalt dieses bestehenden Netzwerks“, sagt Mihm.
Alarmsysteme an Seen und in Parks
Zugleich aber setzt die Stiftung auf den Aufbau neuer Notrufsäulen – überall dort, wo Menschen in Not geraten können und schnelle Hilfe entscheidend ist: Fast 600 solarbetriebene und wartungsarme Notrufsäulen wurden bislang an Risikostandorten wie Badeseen und Flussufern installiert – in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Städten oder der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Oder in Parks und an abgelegenen Orten, wo die digitalen Helfer der Gewaltprävention dienen und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erhöhen sollen.