Der Power-Netzwerker Philipp Amthor hat sich unverzichtbar gemacht

Auf ihn kann Friedrich Merz zählen: Philipp Amthor ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands und hat dank des Bundeskanzlers einen neuen Job. Schon in seiner Studienzeit zeigte sich eine seiner wertvollsten Fähigkeiten dafür.

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Der Power-Netzwerker Philipp Amthor hat sich unverzichtbar gemacht

Philipp Amthor auf neuem PostenDer Power-Netzwerker hat sich unverzichtbar gemacht

24.07.2026, 17:42 Uhr

imageVon Daniel Sippel und Nele Spandick

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Philipp Amthor hat in Zukunft eine neue, wichtige Funktion. (Foto: picture alliance / Ipon)

Auf ihn kann Friedrich Merz zählen: Philipp Amthor ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands und hat dank des Bundeskanzlers einen neuen Job. Schon in seiner Studienzeit zeigte sich eine seiner wertvollsten Fähigkeiten dafür.

Mit seinem BMW raste Philipp Amthor damals über die Landstraßen Vorpommerns. In seiner Hosentasche ein Handy mit wichtigem Kontakt: "Angela Merkel, MdB". Dazu hatte er das Geburtsdatum der damaligen Kanzlerin notiert. In seinem Kopf gespeichert: die Namen ihrer Bodyguards. Wer weiß, ob die nicht einmal nützlich werden könnten.

2017 war das, Amthor war 24 Jahre alt. Noch kannte ihn so gut wie niemand in der Republik. Er steckte tief in seinem ersten Bundestagswahlkampf, hetzte von Termin zu Termin. Ohne Klinkenputzen im Wahlkreis würde das nichts werden, das wusste er damals schon. Und so reiste er von Landwirt zu Landwirt, vom Unternehmerkreis zum Kreisverband. Von Mettbrötchen zu Mettbrötchen.

In seiner Studentenwohnung sammelte er Gedächtnisstützen: reihenweise Ordner, darin sorgfältig abgelegt Listen von Teilnehmern und Rednern von Veranstaltungen, die er schon einmal besucht hat. Trotz seines jungen Alters und seiner Unerfahrenheit auf dem Berliner Parkett beherrschte er, was andere ein ganzes Politikerleben lang nicht meistern: Kontakte gezielt knüpfen, und - viel schwieriger - sie pflegen.

Nun zahlt sich sein breites Netzwerk aus - und er wird es in seinem neuen Job weiter ausbauen können. Denn jetzt, fast zehn Jahre nach seinem ersten Wahlkampf, zieht er ins Kanzleramt ein. Amthor ist Teil der Kabinettsumbildung von Friedrich Merz, die der Kanzler am heutigen Freitag verkündet hat. Nachdem Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender zurücktreten musste, weil er durch eine Leihmutter Vater geworden war, waren einige Positionen neu zu besetzen gewesen. Die neue Stelle von Philipp Amthor aber, das sei dazu gesagt, war eigentlich nicht vakant: Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit.

"Ein hervorragender Jurist"

Amthor steht bei der Verkündung neben der künftigen Kanzleramtschefin Nina Warken, als Merz ihn lobt: "Er ist ein guter Politiker und Parlamentarier, er ist aber auch ein hervorragender Jurist." Wichtig für den neuen Job, so Merz. Außerdem sei er mit den Chefs der Staatskanzleien aller 16 Bundesländer gut vernetzt. Schon in seiner bisherigen Rolle als Staatssekretär im Digitalministerium hatte er eng mit den Ländern zusammengearbeitet. Nun soll Amthor hauptsächlich dafür zuständig sein, die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den Bundesländern zu koordinieren.

Bedarf dafür gibt es. Denn die Kritik am bisherigen Bund-Länder-Koordinator Michael Meister war zuletzt immer lauter geworden. Er sei zwar ein "freundlicher älterer Herr", aber nicht durchsetzungsstark. Er habe wichtige Vorhaben der Bundesregierung zu spät mit den Bundesländern besprochen, insgesamt zu wenig kommuniziert. Dass die steuerfreie Entlastungsprämie, die sich die Koalition erdacht hatte, am Ende im Bundesrat scheiterte? Wird von manchen auch Meister angelastet.

Jetzt soll es Philipp Amthor richten, der Power-Netzwerker. Wenn er über den CDU-Parteitag läuft, wirkt er wie auf einem Familienfest: hier ein Schulterklopfen, da ein Händeschütteln. Seine Networking-Akribie scheint er nie abgelegt zu haben. Beliebt ist er bei den konservativen Senioren im Wahlkreis, weil er höflich und zuvorkommend ist, ein Gentleman alter Schule. Immer ordentlich gekleidet, auch beim Termin im Kanzleramt: Anzug, Krawatte, Deutschland-Fahne am Revers, Einstecktuch. Damit hat er sich einen Ruf erarbeitet, der ihn zu einem der bekanntesten Politiker des Landes gemacht hat. Auch bei den Jüngeren.

Anfang Juli im Paul-Löbe-Haus, wo die Ausschüsse des Bundestags tagen: Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern steht herum, sie beobachten einen Mitschüler: Er ist gerade ein paar Stufen hochgelaufen, dorthin, wo Philipp Amthor sich mit Parteifreundin Franziska Hoppermann unterhält. Jetzt macht der Schüler ein Foto mit Amthor. Ein Lehrer sagt: "Es sind immer die gleichen …" Man darf davon ausgehen, dass dieser Schüler, offenbar der Klassenclown, nicht viele Politiker im Paul-Löbe-Haus erkannt hätte. Wahrscheinlich wäre er an Amthors Chef, dem Digitalminister Karsten Wildberger, einfach vorbeigelaufen. Aber Amthor, den kennen hier alle.

Amthor lacht bei der "heute-show" mit

Wenn Menschen über Amthor reden, schwingt häufig auch etwas Spott mit. Die "heute-show" hat ihn zum jüngsten ältesten Mann der Republik gemacht. Aber Amthor wehrt sich nicht gegen die Häme, er lacht mit und stellt sich immer wieder vor die Kamera der Satiresendung. Es ist diese Mischung aus Bekanntheit und Akribie, Witz und Intelligenz, die ihn für die CDU unverzichtbar macht. So verzieh ihm die Partei auch seinen bisher größten Skandal. Als Abgeordneter hatte er sich beim damaligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier für die Firma Augustus Intelligence eingesetzt. Eine Firma, an der er selbst beteiligt war und mit deren Vertretern er luxuriöse Reisen unternahm.

Als das öffentlich wurde, verzichtete Amthor auf die Kandidatur als CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, arbeitete vorerst wieder etwas abseits der bundesweiten Öffentlichkeit als Abgeordneter. Doch schon zur Bundestagswahl 2021, ein gutes Jahr nach Bekanntwerden des Lobby-Skandals, wurde Amthor CDU-Spitzenkandidat für Mecklenburg-Vorpommern. Und als die CDU die Wahl 2025 gewann, hatte Amthor sich endgültig rehabilitiert. Er wurde Teil der Koalitionsverhandlungen und dann Staatssekretär im Digitalministerium.

Seitdem fiel Amthor vor allem mit seinem Privatleben auf - was daran liegen mag, dass die politischen Aufgaben im Digitalministerium eher trocken waren und weniger zu Schlagzeilen taugten. Seit gut zwei Jahren ist er mit der Historikerin Carlotta Voß zusammen. Und, so erzählt man es sich in Berlin, die politischen Diskussionen mit ihr haben den ein oder anderen Sinneswandel hervorgerufen. Unterhielt er früher gern mal die umstehenden Männerrunden mit Altherrenwitzen, bezeichnet er sich nun ganz selbstbewusst als Feminist.

Nicht nur ideologisch ist Amthor in den vergangenen Jahren immer näher an die Hauptstadt gerückt. Als Staatssekretär verbrachte er hier auch deutlich mehr Zeit als noch als Abgeordneter. Im Wahlkreis sah man ihn seltener. Daran wird sich in seiner neuen Rolle wohl nichts ändern. Aber man kann sich sicher sein: Amthor wird weiterhin an die meisten Geburtstage denken - und wenn es nur daran liegt, dass sein Handy ihn erinnert.

Dieser Text ist zuerst bei stern.de erschienen.

Quelle: ntv.de