Nina Warken soll ins Kanzleramt: Warum Merz auf sie setzt
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken soll Kanzleramtsministerin werden. Das hat mit ihrem Fleiß und einer gewissen Leidensfähigkeit zu tun – und mit dem geballten Unmut der CDU-Frauen.
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Nina Warken: Eine Frontfrau für die Boy Group
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken soll Kanzleramtsministerin werden. Das hat mit ihrem Fleiß und einer gewissen Leidensfähigkeit zu tun – und mit dem geballten Unmut der CDU-Frauen.
Nina Warken (CDU) soll als Kanzleramtschefin folgen. Foto: Elisa Schu/dpa
Nina Warken soll „Chef BK“ werden, also Chef des Bundeskanzleramts. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin wäre die erste Chefin. Dass sie nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn und dem Wechsel von Vorgänger Thorsten Frei aus dem Kanzleramt an die Spitze der Fraktion nun den zentralen Posten als Managerin in der Koalition ausfüllen soll, hat mit drei Dingen zu tun.
Die 47-jährige Juristin aus Baden-Württemberg hat als erste in der schwarz-roten Koalition ein wichtiges wie unpopuläres Spargesetz durchbekommen. Damit sollen bei den gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr knapp 20 Milliarden Euro eingespart werden und so die Beiträge stabil bleiben. Sie kann also zwischen schwierigen Partnern verhandeln, ertrug einiges im hart umkämpften Gesundheitssystem und erzielte Ergebnisse.
Warken, die seit 2013 im Bundestag sitzt und im Mai 2025 als Fachfremde ins Gesundheitsministerium kam, war außerdem immer loyal dem Bundeskanzler gegenüber. Das wird umso wichtiger, wenn sie seine engste Zuarbeiterin und Maklerin zwischen den Ministerien wird.

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Und zum Dritten ist Warken seit vorigem Jahr Chefin der Frauen-Union, die in der CDU die 155.000 Frauen unter den Mitgliedern vereint. Und diese Frauen taten zuletzt immer deutlicher ihren Unmut kund, dass die ganzen „Boy Groups“ um den Kanzler und Parteichef Merz herum zu einseitig und teilweise blind gegenüber anderen Lebenslagen agierten. „Boy Groups“ sagen die CDU-Frauen im Kabinett übrigens selbst zur Unionsseite im Koalitionsausschuss, zu Kanzleramts- und Fraktionsspitze sowie der Parteizentrale.
Sie zog es nicht ins Kanzleramt
Alle drei Eigenschaften sprachen nun also für Warken, auch wenn zu vernehmen ist, dass es sie nicht unbedingt magnetisch auf den Stuhl im Kanzleramt gezogen hat.
Die verheiratete Mutter von drei Söhnen hat mit dem Gesundheitsspargesetz zuletzt etwas erreicht, was Zumutungen für 75 Millionen gesetzlich Versicherte mit sich bringt. Sie selbst ist im Unterschied zu ihren Vorgängern auch in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. In letzter Minute vor der Sommerpause hat sie als Gesundheitsministerin einen Beitrag abgeliefert, wie die Sozialausgaben in Deutschland begrenzt werden und die Wirtschaft womöglich wieder flottgemacht wird. Das zeigt sie – trotz aller Unwuchten und Ungerechtigkeiten im Spargesetz – als Politikmanagerin, die geräuschlos und schnell sowie im Austausch mit den Betroffenen Dinge erreichen kann.

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Kommentar von Cordula TuttDie Juristin Warken kam 2025 als Innenpolitikerin in die Gesundheitspolitik, einen Bereich, den hervorragend organisierte Lobbygruppen verteidigen. Warken, die sich öffentlich eher schwer tut, ihre Ziele griffig zu vermitteln, gilt im direkten Austausch als unprätentiös und als menschlich verlässlich. Sie ist keine gute Rednerin, arbeitet sich aber fix und kundig in die Materie ein.
Das Regelwerk wälzt Versicherten und Kranken eher hohe Belastungen und der Pharmaindustrie unterdurchschnittliche auf. Warken gestand den Krankenhäusern in letzter Sekunde noch 500 Millionen Euro zu, von denen niemand weiß, wo sie zu finden wären. Aber das Gesetz ging durch, trotz Eilanträgen dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht.
Warken war leidensfähig und außerdem absolut loyal – wenn der Bundeskanzler ihr zum Beispiel durch manche Äußerung das Leben erschwerte. Merz kritisierte vor großem Publikum immer wieder die aus seiner Sicht zu einfache telefonische Krankmeldung. Das kam beim Unionspublikum ganz gut an.
Die Telefonfälle machen nur ein Prozent der Meldungen aus. Aber Warken musste deshalb diese Atteste möglichst rasch abschaffen. Bei der Pflegekasse sagte Merz dann noch, Warkens erste Vorschläge hätten ein „nicht befriedigendes Ergebnis“ geliefert. Er wolle nun eine Reform sehen, „die auch dem Anspruch eines menschenwürdigen Lebens im Alter gerecht wird“. Es hätte nicht geschadet, ihr das direkt zu sagen, statt von der öffentlichen Kanzel. Von Warken kam dann höchstens ein stoisches: „Es ist, wie es ist.“ Ein häufiger Warken-Satz.

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Warken bot nach außen möglichst wenig Angriffsfläche, war aber umtriebig hinter den Kulissen. Die gelernte Anwältin bearbeitete ihre Kolleginnen und Kollegen in Bundestag und Bundesrat ausgiebig auf dem Weg zum Spargesetz.
Warken, die in Tauberbischofsheim lebt, war bereits Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, und im Ländle war sie Präsidentin des Technischen Hilfswerks. Verheiratet ist sie mit dem Anwalt Sebastian Warken, den sie bei der Jungen Union kennenlernte.
Welche Rolle die CDU-Frauen bei der Personalie spielen
Den letzten Ausschlag für Warkens Berufung ins Bundeskanzleramt mag gegeben haben, dass sie eine Frau ist und die Unionsfrauen führt. Und dass diese Frauen hinter den Kulissen inzwischen ziemlich ungehalten sind. Seit Angela Merkel nicht mehr Kanzlerin ist, seit Annegret Kramp-Karrenbauer den Parteivorsitz abgab, vor allem seit Friedrich Merz nun die CDU führt, ist die Union wieder ein ziemlicher Männerladen geworden.
Warken und die Frauen-Union spielten am Freitag vergangener Woche eine gewichtige Rolle beim erzwungenen Rücktritt von Jens Spahn. Spahn hatte bekannt gegeben, dass er mit seinem Mann eine Leihmutter in den USA in Anspruch genommen hatte, um einen Sohn zu bekommen. Die CDU lehnt Leihmutterschaft ab – also das Austragen eines Kindes für andere. In den USA geschieht das gegen Bezahlung. Auch Spahn hatte Leihmutterschaft stets öffentlich abgelehnt.

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Und diese doppelte Moral wollten die CDU-Frauen nicht hinnehmen. Sie ließen Friedrich Merz über Nina Warken vor knapp einer Woche wissen, dass politische Forderungen und privates Handeln bei der Leihmutterschaft so nicht auseinanderklaffen dürfen.
Die Frauen-Union hatte erst beim CDU-Parteitag im Februar dafür gesorgt, dass aus Unionssicht nicht nur das bezahlte Austragen eines fremden Kindes in Deutschland verboten bleiben soll. Auch eine nicht kommerzielle Leihmutterschaft, die etwa im persönlichen Umfeld von Menschen mit Kinderwunsch stattfindet, soll es danach nicht geben.
Mehrere prominente CDU-Politikerinnen wiesen den Kanzler dann gleich auch noch wie Warken darauf hin, dass eine Kabinettsumbildung und eine Neubesetzung wichtiger Posten eins mindestens erreichen müsse: Schluss mit den Boy Groups!
„Das merkt man vielen Entscheidungen an. Das ist nicht gut“, beschreibt eine Mitstreiterin Warkens den Unmut über die Männer. Nun wird Warken DIE Frau der Union im Zentrum der Macht. Ganz schön viele Aufgaben.

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