„Gehört nicht in die Schule“: Lehrerin warnt nach Wahl in Sachsen-Anhalt vor AfD-Plänen

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„Gehört nicht in die Schule“: Lehrerin warnt nach Wahl in Sachsen-Anhalt vor AfD-Plänen

Stand: 07.09.2026, 07:53 Uhr

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Sonderklassen und Wachdienste: Nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt zeigt sich die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft besorgt.

Magdeburg – Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde die AfD mit knapp 44 Prozent stärkste Kraft. Wer das Bundesland künftig regiert, ist offen. Am Montag werten in Berlin die Vorstände der Parteien das Wahlergebnis aus, und die meisten Parteispitzen stellen sich auf Pressekonferenzen den Fragen der Medien. Am Abend tagt in Sachsen-Anhalt der CDU‑Landesvorstand. Dort könnte es unter anderem um die Zukunft von Sven Schulze gehen. Es gibt erste Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Christdemokraten.

Ein Schüler zeigt im Klassenraum auf, um sich zu melden

Eine Gewerkschafterin reagiert auf die AfD-Pläne zur Bildungspolitik. (Symbolbild) © Michael Brandt/dpa

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen-Anhalt sorgt der Wahlsieg von Ulrich Siegmund schon jetzt für ungute Gefühle – obwohl noch vollkommen unklar ist, wie eine Regierungsbildung und vor allem Politik aussehen kann. Eva Gerth, Mathematik- und Chemielehrerin und Landesvorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, ist nach der Wahl fassungslos. „Offensichtlich war Bildung nicht das Hauptthema bei der Wahlentscheidung vieler Menschen in Sachsen-Anhalt“, sagte sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

„Sehr ernüchternd“: GEW-Chefin besorgt über Bildungspolitik der AfD

Für die Probleme, die die Schulen in Sachsen-Anhalt derzeit hätten (unter anderem Lehrkräftemangel und bauliche Mängel) biete die AfD keine Lösungen an, sagt die GEW-Vorsitzende. Stattdessen finden sich im AfD-Regierungsprogramm Pläne wie die Unterbringung von Kindern mit Migrationshintergrund in Sonderklassen, die Abschaffung der Inklusion und eine drastische Einschränkung des Gymnasialzugangs (S. 72). „All das scheint wenige Menschen zu bedrücken, was sehr ernüchternd ist.“ Auch, dass vieles im AfD-Programm gegen die UN-Behindertenrechtskonvention oder die Landesverfassung verstößt, habe „offensichtlich keine Rolle gespielt“.

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt mit den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen ist es möglich, dass diese Positionen Einzug in die Schulen halten, auch wenn die AfD am Ende keine Mehrheit hat. „Hier kann ich nur an die demokratischen Parteien appellieren, das alles keinesfalls zuzulassen“, sagt Gerth der Frankfurter Rundschau. „Unsere Schule steht bisher für Chancengleichheit, völkische Ideen und Ausgrenzung gehören nicht dorthin.“

Sonderklassen, Ausgrenzung, private Wachdienste: Was die AfD plant

„Abgesehen von der Entlastung der Schule von sozialpolitischen Aufgaben, der Beendigung
der Inklusion und der Bildung von Sonderklassen für Flüchtlingskinder werden wir den Schulbetrieb entbürokratisieren“, steht im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt auf Seite 84. Folgen für den Schulalltag: „Freundschaften werden auseinandergerissen, Chancen verbaut. Kinder lernen viel von Kindern und sollten gemeinsam unterrichtet werden. Vor allem die Sprache ist wichtig, um anzukommen und dazuzugehören“, sagt Gerth.

Auch den AfD-Plan, private Wachdienste an Schulen einzusetzen (S. 88), lehnt sie ab. „Ein privater Wachdienst gehört nicht in die Schule. Wir reden in den meisten Fällen über Minderjährige, da muss es immer zuerst um pädagogische Intervention gehen.“ Dafür benötigt man qualifiziertes Personal in der Schulsozialarbeit, so wie es derzeit erfolgreich an vielen Schulen im Einsatz ist. Oft würden Programme zur Schulsozialarbeit durch europäische Mittel finanziert. Das müsse sich ändern, um sie weiter auszubauen.

Dass die AfD in Sachsen-Anhalt eine neue pädagogische Hochschule gründen will (S.84), hält Gerth für nicht umsetzbar. „Das wird schon am nicht vorhandenen Geld scheitern“, sagt sie. „Es müssten Räumlichkeiten und Stellen geschaffen werden. Es gab solche Vorstöße auch schon von der CDU in der Vergangenheit, sie hatten bisher keine Chance.“ Die Ausbildung von Lehrkräften gehöre an die Universitäten und müsse wissenschaftlich fundiert sein und Praxisphasen beinhalten, die jedoch stets reflektiert werden müssten. (Quellen: eigene Recherche, dpa)