Neue Friedensbemühungen: Trumps Sondergesandte treffen Putin und Selenski

Die amerikanischen Sondergesandten führen Gespräche mit Wladimir Putin und Wolodimir Selenski darüber, wie sie den Krieg beenden können. Die Chancen auf einen diplomatischen Durchbruch sind gering.

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Neue Friedensbemühungen: Trumps Sondergesandte treffen Putin und Selenski

Neuer Vermittlungsversuch der USA: Witkoff und Kushner reisen nach Moskau und erstmals auch nach Kiew

Die amerikanischen Sondergesandten führen Gespräche mit Wladimir Putin und Wolodimir Selenski darüber, wie sie den Krieg beenden können. Die Chancen auf einen diplomatischen Durchbruch sind gering.

06.09.2026, 19.35 Uhr

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Aktualisiert


Der russische Präsident Wladimir Putin (vorne rechts) begrüsst die amerikanischen Gesandten Jared Kushner (vorne links) und Steve Witkoff (2. von links).

Der russische Präsident Wladimir Putin (vorne rechts) begrüsst die amerikanischen Gesandten Jared Kushner (vorne links) und Steve Witkoff (2. von links).

Gavriil Grigorov / Sputnik via EPA

Eine Sache haben Steve Witkoff und Jared Kushner mit ihrer Reise nach Moskau und Kiew in jedem Fall erreicht – und dies bereits vor ihrer Ankunft. Russland und die Ukraine haben sich wegen des Besuchs der amerikanischen Sondergesandten auf eine beschränkte Waffenruhe geeinigt.

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Beide Parteien haben zugesagt, von Samstag bis Montag keine Angriffe auf die Hauptstadt des Kriegsgegners durchzuführen. Vor allem für die Bewohner Kiews brachte dies eine dringend benötigte Atempause. Russland hatte die ukrainische Hauptstadt zuvor mit einer präzedenzlosen Serie von Luftangriffen überzogen. Während acht Tagen folgte eine Angriffswelle auf die andere. Insgesamt wurden in Kiew und Umgebung seit dem 28. August mehr als 50 Personen getötet.

«Konstruktiv und vertrauensvoll»

Was der jüngste amerikanische Vermittlungsversuch darüber hinaus bewirken kann, ist jedoch unklar. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte am Freitag die zuvor mehrmals verschobene Reise von Witkoff und Kushner nach Moskau und Kiew bestätigt. Man habe eine «Idee für Frieden», die man mit den beiden Kriegsparteien besprechen wolle, sagte Trump.

Die erste Station war am Samstag Moskau, wo sich die beiden Sondergesandten mehr als drei Stunden mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin unterhielten und gemeinsam zu Abend assen. Putins Berater Juri Uschakow sprach danach von einem «substanziellen, konstruktiven, ausgesprochen offenen und vertrauensvollen» Treffen.

Die Amerikaner hätten eine Reihe von Überlegungen zur Beendigung des Krieges präsentiert. Daneben sei es aber auch um wirtschaftliche Fragen im beidseitigen Interesse gegangen, sagte Uschakow. Vor diesem Hintergrund erregte die Nachricht, dass auch Gene Lange Teil der amerikanischen Delegation war, einige Aufmerksamkeit. Lange leitet im amerikanischen Finanzministerium die Abteilung für Sanktionen.

Washington hat sich bis jetzt nicht öffentlich zum Treffen geäussert. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert jedoch einen Regierungsvertreter, der von «substanziellen Gesprächen» sprach. Über Einzelheiten werde in den kommenden Wochen informiert.

Wichtige Premiere in Kiew

Die anschliessende Weiterreise nach Kiew war eine lange erwartete Premiere. Seit dem russischen Überfall vor viereinhalb Jahren waren weder Witkoff noch Kushner in der Ukraine gewesen – aber mehrere Male in Moskau. Für Kiew ist der erste Besuch im Land ein wichtiges Signal der Ausgewogenheit.

Nach dem Aufenthalt in Moskau reiste die amerikanische Delegation weiter nach Kiew, wo sie sich mit Präsident Wolodimir Selenski (ganz links) traf.

Nach dem Aufenthalt in Moskau reiste die amerikanische Delegation weiter nach Kiew, wo sie sich mit Präsident Wolodimir Selenski (ganz links) traf.

Valentyn Ogirenko / Reuters

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski unterhielt sich zuerst bilateral mit seinen amerikanischen Gästen. An einer zweiten Runde nahmen auch die Sicherheitsberater der Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Grossbritanniens teil. Bei früheren amerikanischen Initiativen war die fehlende europäische Einbindung kritisiert worden.

In einem Pressetermin sagte Witkoff danach, dass man wichtige Gespräche geführt habe, die sehr zuversichtlich stimmten. Kushner sprach sich für die Wiederaufnahme trilateraler Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA aus.

Auch Präsident Selenski nannte die Gespräche sehr gehaltvoll. Gleichzeitig äusserte er wenig Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch und lenkte die Aufmerksamkeit auf den nahenden Winter: Falls der Krieg anhält, wovon wir ausgehen, brauchen wir ein Hilfspaket für den Winter. Gemeint ist damit sowohl Unterstützung bei der Flugabwehr wie im Energiebereich.

Die Ukraine verfügt kaum noch über Munition für westliche Flugabwehrsysteme wie Patriot, die für die Verteidigung gegen russische Raketen und Lenkwaffen von zentraler Bedeutung sind. Einer neuerlichen Kampagne gegen die Energieversorgung des Landes, wie sie Moskau seit Kriegsbeginn in jedem Herbst geführt hat, hätte man zurzeit wenig entgegenzusetzen.

Kreml hält an Kriegszielen fest

Selenskis Äusserung entspricht den gedämpften Erwartungen, die in Kiew gegenüber der amerikanischen Initiative herrschten. Bereits der letzte Vermittlungsversuch war an der russischen Kompromisslosigkeit gescheitert, besonders in territorialen Fragen. Der Kreml besteht auf der Kontrolle über den gesamten Donbass, auch jener Teile, die noch von der Ukraine gehalten werden.

Daran scheint sich nichts geändert zu haben, obwohl die russischen Soldaten an der Front schon seit Monaten nur noch sehr langsam und unter riesigen Verlusten vorrücken. Putin hat laut seinem Berater Uschakow am Samstag von der «Erreichung aller gesetzten Kriegsziele» als Bedingung für ein Ende der Kampfhandlungen gesprochen und die «reellen Erfolge der russischen Armee» betont. All das deutet nicht auf einen Sinneswandel hin.

Bereits bei seinen letzten öffentlichen Auftritten, am Jahrestreffen der Shanghai Cooperation Organisation in Bischkek oder dem Parteitag der Regierungspartei Einiges Russland, hatte sich Putin wenig kompromissbereit gezeigt. Viele Beobachter rechnen damit, dass der russische Präsident nach den Parlamentswahlen in zwei Wochen mit einer Ausweitung der Kriegsanstrengungen eine weitere Eskalation der Lage herbeiführt.

Angriffe trotz Waffenruhe

Trotz der Waffenruhe in den Hauptstädten hielten die Kampfhandlungen in anderen Landesteilen über das Wochenende an. In der Ukraine wurden am Samstag insgesamt neun Zivilisten durch Drohnenangriffe getötet, 68 weitere wurden verletzt. In der Nacht auf Sonntag wiederum schlugen ukrainische Drohnen in einer Raffinerie bei Rjasan ein, 180 Kilometer südöstlich von Moskau. Auch in Rostow am Don gab es Angriffe.

Die Ukraine hatte vor dem Besuch von Witkoff und Kushner eine allgemeine Waffenruhe vorgeschlagen. Russland war aber nur zur Schonung der Hauptstadt Kiew bereit. Dies war laut Selenski auch der Grund, warum die amerikanische Delegation doch nicht mit dem Flugzeug anreiste, sondern aus Polen mit der Bahn.

Vor dem Besuch hatte es Gerüchte gegeben, dass Witkoff und Kushner direkt von Moskau in die Ukraine fliegen könnten. Die Ukraine wäre hierfür bereit gewesen, sagte Selenski. Auch das wäre eine Premiere gewesen. Seit Kriegsbeginn ist der Luftraum über der Ukraine gesperrt, und Reisen sind nur auf dem Landweg möglich.

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