Nach Sabotageversuchen auf Umspannwerke – Tatverdächtiger hatte wohl mehr als 160 weitere Ziele

Mehr als 160 Sabotageziele, sieben Lagerorte, professionell gebaute Raketen-Vorrichtungen: NRW-Innenminister Herbert Reul gibt Einblick in den Fall des mutmaßlichen Strom-Saboteurs.

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Nach Sabotageversuchen auf Umspannwerke – Tatverdächtiger hatte wohl mehr als 160 weitere Ziele

Stand: 10.09.2026, 14:14 Uhr

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Mehr als 160 Sabotageziele, sieben Lagerorte, professionell gebaute Raketen-Vorrichtungen: NRW-Innenminister Herbert Reul gibt Einblick in den Fall des mutmaßlichen Strom-Saboteurs.

Hamm – Im Wohnmobil des mutmaßlichen Strom-Saboteurs haben Ermittler ein handschriftliches Notizbuch gefunden – darin: mehr als 160 bereits angegriffene und noch geplante Sabotageziele. Das gab NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag, 10. September, im Innenausschuss des Landtags bekannt.

Energieversorgung mit Strom Hochspannungsmasten stehen vor einem Himmel mit dramatischen Wolken als Symbolbild für die Infrastruktur der Energieversorgung durch Elektrizität

Der Tatverdächtige hatte es auf Umspannwerke abgesehen. © IMAGO / Wolfilser

Gegenüber dem Haftrichter habe der 48-jährige Tatverdächtige außerdem sieben Orte angegeben, die er als Lager genutzt haben soll, berichtete Reul. An drei dieser Stellen sei die Polizei bereits fündig geworden. Derzeit werde der Mann in einem Streifenwagen zu den jeweiligen Orten gefahren, um die Hinweise zu überprüfen.

Tatverdächtiger hatte wohl mehr als 160 weitere Ziele

Mehr als 1.700 Polizisten aus NRW waren laut Reul an den Ermittlungen und der Suche nach dem Verdächtigen beteiligt. Aufgespürt wurde er schließlich von zwei Autobahnpolizisten – und das eher zufällig: Niedergetretenes Gras an einem Feldweg bei Weisweiler führte sie rund 200 Meter weit in ein Gebüsch. „Die waren eigentlich gar nicht an der Fahndung nach dem Mann beteiligt, haben aber genau den richtigen Spürsinn gezeigt“, sagte Reul.

Dort hatte sich der Verdächtige in einem Zelt versteckt, das so gut getarnt war, dass es selbst vom Polizeihubschrauber aus nicht zu erkennen gewesen sei. Bei seiner Festnahme leistete er keinen Widerstand. Inzwischen liegen gegen ihn zwei Haftbefehle vor. Die Bundesanwaltschaft prüft nach wie vor, ob sie die Ermittlungen übernimmt.

In einem Bekennerschreiben habe der Mann den Kampf gegen fossile Energieerzeugung als Motiv für seine Taten angegeben. Sein Ziel sei es offenbar gewesen, gezielt die Stabilität des Stromnetzes zu erschüttern und damit einen Blackout auszulösen, so Reul. Dazu kam es jedoch nicht: Für die Bevölkerung habe es keinen einzigen Stromausfall gegeben.

In Nordrhein-Westfalen wurden zahlreiche Abschussvorrichtungen für Raketen sichergestellt. Ähnliche Vorrichtungen fanden sich auch in Brandenburg und Sachsen. Bei einer Durchsuchung seiner gemeldeten Wohnanschrift in Gevelsberg stellten Ermittler zudem Substanzen sicher, die zum Bau von Sprengsätzen geeignet sind.

Zum Verdächtigen hätten vor seiner Festnahme keine staatsschutzrelevanten Erkenntnisse vorgelegen. Hinweise auf Komplizen oder eine Steuerung durch ausländische Mächte gebe es bislang ebenfalls nicht. Reul nutzte den Bericht im Ausschuss für einen klaren Appell: „Unsere kritische Infrastruktur muss besser geschützt werden.“ Die Betreiber bräuchten dafür eindeutige und erweiterte Rechte. „Ein Zaun aus den Neunzigern schützt keine Netze des 21. Jahrhunderts.“ Das sogenannte Kritis-Dachgesetz müsse durch Rechtsverordnungen ohne weiteren Aufschub mit konkreten Inhalten gefüllt werden. (mit dpa)