Nach Großbrand in Schweinemastanlage bei Coswig: Tausende Kadaver müssen entsorgt werden
Bei einem Feuer in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben (Landkreis Wittenberg) sind vor über einer Woche 20.000 Schweine verendet. Nur wenige Tiere konnten gerettet werden. Anwohner beschweren sich über den Gestank der Kadaver und befürchten Seuchen. Jetzt will der Kreis die toten Tiere entsorgen. Die Brandursache ist weiter unklar, der Schaden geht in die Millionen. Tierschutzverbände üben deutliche Kritik.
- 4 min read
AUDIO: Nach Brand in Schweinemastanlage: Kadaver sollen entsorgt werden (2 Min)
Feuer in Düben
Stand: 24.07.2026 13:05 Uhr
Bei einem Feuer in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben (Landkreis Wittenberg) sind vor über einer Woche 20.000 Schweine verendet. Nur wenige Tiere konnten gerettet werden. Anwohner beschweren sich über den Gestank der Kadaver und befürchten Seuchen. Jetzt will der Kreis die toten Tiere entsorgen. Die Brandursache ist weiter unklar, der Schaden geht in die Millionen. Tierschutzverbände üben deutliche Kritik.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Vor über einer Woche hat der Brand in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben 20.000 Schweine getötet. Anwohner haben mit den Folgen zu kämpfen: Die Kadaver haben seitdem in der ausgebrannten Anlage gelegen. Die Anwohner berichten von Verwesungsgestank und fürchten sich vor Seuchen. Um dem vorzubeugen, wurden die Schweine mit Kalk abgedeckt. Ermittler konnten die Anlage laut Polizei noch nicht betreten. Das sei erst nach der Bergung der 20.000 Kadaver möglich.
Video: Angst vor Seuchen nach Brand in Schweinemastanlage (3 Min)
Landkreis: Entsorgung beginnt am Freitag – Seuchengefahr besteht nicht
Diese Arbeiten sollen am Freitag beginnen, teilte der Landkreis Wittenberg mit. Der verantwortliche Betrieb habe dafür Firmen beauftragt. Diese sollen zunächst Schutt und eingestürzte Dächer entsorgen. Die Kadaver darunter sollen dann zur Abfallverbrennung oder auf eine Deponie gebracht werden. Um die Geruchsbelastung zu verringern, solle das schnell geschehen und die Schweine weiter mit Kalk abgedeckt werden.
Gefahr für Seuchen besteht laut Kreis nicht. Die Tiere seien vor dem Brand gesund gewesen und für die Bevölkerung sei keine Infektionsgefahr zu erwarten.
Brand am 15. Juli: 20.000 Schweine sterben
Das Feuer war in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochen. Nach Angaben des Landkreises standen sechs Ställe in Flammen, rund 20.000 Schweine verendeten – laut Amtstierarzt größtenteils Ferkel und "Läufer", etwas ältere Jungtiere. Die Feuerwehr konnte rund 1.300 Sauen retten. Sie sollen auf andere Betriebe verteilt werden.
Das Feuer hatte sich rasch ausgebreitet. Bis zu 100 Feuerwehrleute waren vor Ort, fünf wurden bei dem Einsatz leicht verletzt. Etwa die Hälfte des Betriebs ist zerstört. Das Wohnhaus des Betreibers konnte gerettet werden. Die Brandursache ist weiter unklar. Der entstandene Sachschaden wird auf neun Millionen Euro geschätzt.
Video: Brand in Mastanlage: 20.000 Schweine tot (5 Min)
Landrat Christian Tylsch (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es biete sich vor Ort ein katastrophales Bild, das man so schnell nicht vergesse. Ein Kriseninterventionsteam werde sich um die betroffene Familie kümmern.
Wenn man in so einen verbrannten Stall guckt, in dem Tiere drin waren, sieht man Sachen, die man eigentlich nicht sehen möchte. Landrat Christian Tylsch
Am Morgen wurde das ganze Ausmaß des Feuers sichtbar.
BUND kritisiert Anlage seit Jahren
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt (BUND) reagierte bestürzt auf den Brand. Der Fall zeige dramatisch "dass industrielle Massentierhaltung nicht nur im täglichen Betrieb erhebliche Tierschutzprobleme mit sich bringt, sondern im Havariefall unweigerlich zu einer Katastrophe mit unvorstellbarem Tierleid führt", sagte Landesgeschäftsführer Christian Kunz.
Massentierhaltung führt im Havariefall unweigerlich zu einer Katastrophe mit unvorstellbarem Tierleid. Christian Kunz, BUND-Landesgeschäftsführer Sachsen-Anhalt
Der BUND Sachsen-Anhalt und die Bürgerinitiative "Saustall Düben" kritisieren die Schweinemastanlage seit Jahren – neben Umwelt- und Gewässerschutz auch aus tierschutzrechtlicher Sicht. 2023 hatte der BUND erfolgreich gegen Erweiterungspläne des Betreibers geklagt. Besonders kritisch sehen die Naturschützer nun die bislang widersprüchlichen Angaben über die Zahl der geretteten Tiere. Dazu erwarte man eine lückenlose und widerspruchsfreie Aufklärung.
Nutzerinnen und Nutzer diskutieren
Auch die MDR-Nutzer in den Sozialen Netzwerken diskutieren das Thema. Instagram-Nutzerin margretnettrechlich hält eine Feuerlöschanlage für Pflicht. "Alles einfach nur grausam", kommentiert rene.aus.wr. Sichtlich erschüttert ist eibenshof: "Grausam. Unsere Herzen weinen."
Ein guter Zeitpunkt, seinen Fleischkonsum zu überdenken, regt Kate Kirsch bei Facebook an. "Leider wird aus so einer Katastrophe nicht gelernt", befürchtet Mandy Köllner, "Die Tiere müssen weiter leiden, damit der Gewinn passt." Während Gabriele Dormann ein Verbot für solche Ställe fordert, wünscht Annett Saumer den verletzten Feuerwehrleuten gute Besserung und dankt für ihren Einsatz.
Die Drehleiter der Coswiger Feuerwehr wurde bei dem Einsatz beschädigt.
Peta kündigt Strafanzeige an
Die Tierschutzorganisation Peta kündigte an, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu erstatten. Demnach wurden seit Beginn dieses Jahres bundesweit bereits 25 Stallbrände öffentlich bekannt, bei denen Tiere starben. Peta fordert strengere Brandschutzvorgaben in Tierhaltungsbetrieben und verweist auf mögliche Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen.
Video: Großbrand in Schweinemastanlage: Tausende Tiere verenden in Düben (1 Min)
Das ist "Dein Thema"
Jeden Tag erreichen MDR SACHSEN-ANHALT zahlreiche Hinweise, Fragen und Kritik aus der Community. Und genau diese Anregungen werden durch "Dein Thema" jetzt noch sichtbarer: Themen aus Kommentaren, Mails oder Anrufen sollen die Berichterstattung von MDR SACHSEN-ANHALT prägen.
Hinweise werden aufgegriffen und eingeordnet – und mit dem Label "Dein Thema" gekennzeichnet. MDR SACHSEN-ANHALT hört zu, reagiert und bildet die Perspektiven seines Publikums in Beiträgen im TV, Radio und Online vielfältig ab.
Mehr Einsätze der Feuerwehr
MDR (M. Nass, M. Hensch, L. Wohlfarth, N. Düsekow, K. Bunk, G. Lichtblau, M. Wilczek), dpa | Dieser Artikel wurde erstmals am 15. Juli 2026 veröffentlicht.