Q&A zu Sport und Bewegung: Fünf Erkenntnisse zu Ihren Fragen

Schulsport: Wahlfach oder Obligatorium? Sport ist heute das einzige Schulfach, bei dem der Bund den Kantonen die Anzahl Lektionen vorschreibt. Mit dem Projekt «En...

  • 3 min read
Q&A zu Sport und Bewegung: Fünf Erkenntnisse zu Ihren Fragen

Schulsport: Wahlfach oder Obligatorium?

Sport ist heute das einzige Schulfach, bei dem der Bund den Kantonen die Anzahl Lektionen vorschreibt. Mit dem Projekt «Entflechtung 27» wird nun geprüft, ob dieses bundesrechtliche Obligatorium aufgehoben werden soll.

Für das Bundesamt für Sport (Baspo) ist die Position klar. Bereichsleiter Pierre-André Weber: «Wir wollen am bundesrechtlichen Drei-Lektionen-Obligatorium festhalten.» Der obligatorische Schulsport sei zentral für Gesundheit, motorische Entwicklung und Chancengerechtigkeit.

Auch der Bereichsleiter Schulsport der Stadt Zürich, Ralph König, hält den Sportunterricht für unverzichtbar. Er sei «das einzige Gefäss, mit dem wir alle Kinder und Jugendlichen erreichen». Er würde sich wünschen, dass man den Sportunterricht dabei nicht nur als Unterrichtsfach betrachtet, «sondern als Investition in die gesunde Entwicklung der nächsten Generation».

Die Schweiz kann bei der Talentförderung punkten

Die Schweiz ist bei der Talentförderung nach Einschätzung beider Experten gut aufgestellt. Dass ein kleines Land in vielen Sommer- und Wintersportarten regelmässig zur Weltspitze gehöre, zeige, dass das Fördersystem funktioniere.

Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählten das Sportfördersystem Jugend und Sport (J+S), der obligatorische Schulsport und die breite Vereinslandschaft.

Jugendliche auf einem Sandplatz, die in sportlichen Aktivitäten beschäftigt sind, umgeben von Bergen.
Legende:

Für Ralph König sei es wichtig, im Freiwilligen Schulsport nicht nur Fussball anzubieten, sondern auch viele andere «spannende Sportarten sichtbar zu machen». Viele dieser Sportarten erhielten deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit, «bieten Kindern und Jugendlichen aber genauso faszinierende Bewegungs- und Gemeinschaftserlebnisse».

Keystone/BENJAMIN MANSER

Verbesserungspotenzial gibt es laut Weber dennoch: Hochwertige Leistungssportangebote sollten noch stärker unabhängig von Wohnort und Einkommen zugänglich sein. Zudem seien bessere Rahmenbedingungen für Trainerinnen und Trainer nötig, insbesondere in kleineren Sportarten.

Motivation für mehr Bewegung im Alltag

Viele Menschen möchten sich mehr bewegen, schaffen es im Alltag aber nicht, sich aufzuraffen. Sportwissenschaftlerin Romina Ledergerber von der Uni Basel erklärt, dass dieses Problem weit verbreitet sei. Oft komme Motivation nicht vor dem Sport, sondern erst durch die Bewegung selbst.

Deshalb empfiehlt sie, mit möglichst kleinen Schritten zu beginnen. Bereits täglich zehn Minuten Bewegung könnten helfen, erste Erfolgserlebnisse zu schaffen. Wiederhole sich dieses Verhalten über mehrere Wochen, entstehe daraus eine Routine, die später ausgebaut werden könne.

Krafttraining ist auch für Jugendliche sinnvoll

Noch immer hält sich die Vorstellung, Krafttraining sei für Kinder und Jugendliche ungeeignet. «In einer idealen Welt gehört aus wissenschaftlicher Sicht spielerisches Krafttraining schon im Kindesalter ergänzend dazu», so Ledergerber.

Besonders bei Mädchen während der Pubertät könne funktionelles Krafttraining hilfreich sein. Es könne Verletzungen vorbeugen und den Bewegungsapparat robuster machen. Entscheidend sei dabei nicht möglichst viel Gewicht, sondern eine saubere Ausführung und eine schrittweise Steigerung der Belastung.

Weltmeisterschaft mit Motivationseffekt

Ob die Fussball-WM bereits zu mehr Anmeldungen im Schulsport oder in Vereinen geführt hat, lässt sich laut den Experten noch nicht sagen. Pierre-André Weber hält einen kurzfristigen Motivationseffekt jedoch für durchaus möglich.

Erfahrungen zeigten, dass Sportgrossanlässe – insbesondere im eigenen Land – positive Impulse auslösen können. Als Beispiel nennt Weber die Frauen-Europameisterschaft, nach der deutlich mehr Mädchen Fussball spielten.