Krankenversicherung für Studierende: Was zu beachten ist und vermieden werden sollte
Wer an einer staatlichen oder anerkannten Hochschule eingeschrieben ist, muss ab 25 Jahren eine eigene studentische Krankenversicherung abschließen. Zwischen den Kassen liegen mehrere hundert Euro Beitrag im Jahr.
- 5 min read
Stand: 30.08.2026, 17:06 Uhr
Kommentare

Wer an einer staatlichen oder anerkannten Hochschule eingeschrieben ist, muss ab 25 Jahren eine eigene studentische Krankenversicherung abschließen. Zwischen den Kassen liegen mehrere hundert Euro Beitrag im Jahr.
Für rund eine halbe Million junger Leute beginnt im Herbst mit dem Studium ein neuer Lebensabschnitt. Doch nicht nur ein Fach will nun gelernt werden, auch wächst ein Stück weit die Eigenverantwortung für weniger angenehme Alltagsaufgaben. Versicherungen gehören sicher nicht zu den aufregendsten Themen, mit denen sich Studierende beschäftigen sollten. Und doch ist es aus zwei Gründen wichtig. Erstens sind einige Versicherungspolicen Pflicht oder wenigstens unverzichtbar. Und zweitens drohen beim Abschluss der Policen viele, womöglich sehr teure, Fallen. Allein das ist schon Grund genug, sich damit ein wenig zu befassen.
Seit 2009 gibt es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht. Das ist die wichtigste Versicherung. Bei Eltern, die Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind, gilt die Familienversicherung. Studierende müssen bis zum Alter von 25 keine eigene Krankenversicherung abschließen. Sie sind bei den Eltern bis dahin mitversichert. Erst danach wird es für sie ernst. Wer an staatlichen oder anerkannten Hochschulen eingeschrieben ist, wird dann verpflichtend Mitglied der studentischen Krankenversicherung.
Damit sind natürlich Kosten verbunden. Es gibt dabei mehrere Faktoren. Die Krankenkassen erheben laut AOK in diesem Jahr einen Sockelbetrag von 87,38 Euro. Dazu kommt noch ein Zusatzbeitrag, der von Kasse zu Kasse unterschiedlich hoch ist. Schließlich werden auch noch Beiträge zur Pflegeversicherung erhoben. Bei unter 23-Jährigen ohne eigenes Kind macht dies noch einmal rund 35 Euro. Ältere zahlen fünf Euro mehr.
Insgesamt müssen Studierende also wenigstens mit 120 Euro im Monat für eine eigene Krankenversicherung rechnen. Die Familienversicherung entfällt nicht nur ab 25, sondern auch, wenn das monatliche Gesamteinkommen, etwa durch einen Studi-Job über 535 Euro, oder bei einem Minijob über 556 Euro liegt. Anders fällt die Rechnung bei privat Versicherten aus. Hier orientieren sich die Kosten an jeweiligen Tarif, also dem Leistungsumfang der Versicherung.
Zwar gibt es die volle Versorgung für alle Mitglieder von Krankenkassen. Nur manche Zusatzleistungen unterscheiden sich. Für die Kosten ist vor allem der Zusatzbeitrag maßgeblich. Den legt jede Kasse individuell für sich fest. Daher lohnt sich bei der Auswahl ein Preisvergleich, nicht nur für Studierende. Ein Blick auf das Vergleichsportal Check 24 zeigt zum Beispiel, dass zwischen einer teuren und eine billigen Kasse im Jahr mehrere hundert Euro Beitrag liegen.
Achtung beim Auslandssemester
Zum Studium gehören in vielen Fällen Auslandserfahrungen. Jenseits der Grenzen sind Studierende nur zum Teil automatische abgesichert. Innerhalb der EU sorgen Abkommen dafür, dass Studierende dieselben Leistungen beanspruchen können wie dort heimische Kommilitonen. Das Versorgungsniveau kann jedoch je nach Landesstandard besser oder schlechter ausfallen. Und auf den Kosten für einen Rücktransport, zum Beispiel nach einem schweren Unfall, bleiben Studierende sitzen. „Daher ist es ratsam, eine ergänzende Auslandskrankenversicherung abzuschließen“, betonen die Verbraucherzentralen.
Außerhalb Europas, etwa bei einem Studium in den USA, gibt es gar keine Leistungen der hiesigen Krankenkassen mehr. Die Verbraucherschützer raten daher, für den Zeitraum des Studiums dort „unbedingt“ eine private Police abzuschließen. Auch hier heißt es: Augen auf, Preise und Leistungen vergleichen. Nach Angaben der Nürnberger Versicherung kostet der Gesundheitsschutz je nach Tarif zwischen 25 Euro und 50 Euro im Monat. Die Verbraucherzentralen raten zu einem Vergleich vor dem Vertragsabschluss: „Die Bedingungen und Leistungen sind entscheidend, nicht die Prämie.“ Ausschlüsse können zum Beispiel im Einzelfall wichtig werden. So übernehmen die privaten Versicherungen oft keine Kosten für chronische Erkrankungen oder die Folgen einer Behinderung.
Und für kleine Alltagsmissgeschicke: Der Blumentopf fällt aus Versehen auf das Glasdach des Mieters ein Stockwerk tiefer oder der Kaffee zum Mitnehmen schwappt über und ergießt sich über dem Laptop der Kommilitonin, der daraufhin den Dienst verweigert. Es kann teuer werden, wenn ein Schaden ersetzt werden muss. Erst recht, wenn jemand körperlich zu Schaden kommt. Gegen die persönliche Pleite durch einen verschuldeten Schaden hilft die Haftpflichtversicherung. Jedenfalls, wenn dieser nicht grob fahrlässig oder gar absichtlich herbeigeführt worden ist.
Haftpflichtpolicen gehören nach Einschätzung von Verbraucherschützern in jeden Haushalt. Auch hier gilt in der Regel eine Familienpolice nach dem Beginn des Studiums weiter. Bis zum Alter von 25 Jahren bleiben Studierende in diesem Vertrag mitversichert, sofern sie sich noch in der Berufsausbildung befinden. Sollten die Eltern keinen Vertrag abgeschlossen haben, ist eine eigene Police empfehlenswert.
Die Verbraucherzentralen machen auf eine wichtige Einschränkung aufmerksam. „Bei einer Pause zwischen Ende der Schulausbildung und des Studienbeginns kann bei einer Auslandsreise von mehreren Monaten der Versicherungsschutz verloren gehen.“ Günstige Angebote für Studierende haben die meisten Versicherer erstellt. Dahinter steckt auch das Interesse, junge Leute durch preisgünstige Offerten als Kunden an sich zu binden.
Man sollte sich nichts andrehen lassen
Denn Versicherungen wollen gerne noch viele andere Leistungen absichern. Davon leben sie schließlich. Das sollten Studierende auch wissen, wenn sie sich gerne einmal beraten lassen wollen. Dann werden Risiken gerne in schillernden Farben ausgemalt, die bei genauer Überlegung zu vernachlässigen sind, etwa die Gefahr von Sturmschäden oder Unfällen. Auch private Lebens- und Rentenversicherungen bringen den Unternehmen viel Geld ein. Wer tatsächlich schon an die Alterssicherung denkt, eröffnet ab 2027 besser ein Altersvorsorgedepot. Wer unter 25 ist, erhält dann schon einmal einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro vom Staat. Im Zweifel sollten Studierende im Beratungsgespräch erst einmal keinen Vertrag unterzeichnen, sondern darüber schlafen und sich eine zweite Meinung einholen.
Zu einer weiteren Police für Studierende raten die Verbraucherschützer aber. Dabei geht es um die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sorgt dafür, dass man im Notfall auch schon in jungen Jahren eine Rente erhält, wenn der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, in diesem Fall das Studium wegen einer Krankheit oder eines Unfalls abgebrochen werden muss. Nach Angaben des Verbraucherportals Finanztip werden Berufsunfähigkeitsversicherungen ab einem monatlichen Beitrag von 25 Euro angeboten. Bei einem späteren Abschluss im Berufsleben kann so ein Vertrag deutlich teurer werden.