Emirates erhält Flugrechte nach Berlin: Triumph über Lufthansa
Der Besuch des Staatschefs der Vereinigten Emirate in Berlin hat den Weg für Emirates-Flüge in die Hauptstadt freigemacht. Auf dem Treffen mit dem Bundeskanzler werden zudem Investitionen von 40 Milliarden Euro vereinbart.
- 5 min read
Es war ein langer Disput um die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai, in dem sowohl die deutsche Luftfahrt als auch die deutsche Politik uneins waren. Ein Kompromiss zum Staatsbesuch von Scheich Mohammed bin Sajid, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), in Berlin hat nun den Streit beendet. Emirates darf künftig öfter nach Deutschland fliegen und auch Berlin einmal am Tag ansteuern. Die Airline des Emirates Dubai erhält damit weniger Rechte, als sie sich gewünscht hatte, aber mehr als der Konkurrent Deutsche Lufthansa klaglos hinnehmen wollte.
„Nach jahrelangen Verhandlungen sind wir endlich zu einem zukunftsfähigen Ergebnis gekommen“, sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). „Indem wir ab sofort einer Airline der VAE zu ihren bislang vier Landepunkten einen weiteren und damit fünften Landepunkt in Deutschland gewähren, binden wir Deutschland noch besser an die VAE an.“
Bislang dürfen Fluggesellschaften aus den Emiraten nach Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg fliegen. Emirates bekommt nun ein fünftes Ziel in Deutschland dazu. Der Emirates-Chef, der Brite Tim Clark, hatte auf zahlreichen Deutschlandbesuchen in der Vergangenheit Möglichkeiten in Berlin eingefordert. Die erhält er jetzt, allerdings mit einer Einschränkung. „Die zusätzlichen Flüge der Fluggesellschaft sind dabei auf maximal sieben Flüge pro Woche begrenzt“, sagte Minister Bilger.
Bei Lufthansa ist man intern zerknirscht, dass dies nicht abgewendet werden konnte. Allerdings stand viel mehr zur Diskussion. Emirates wollte je sieben wöchentliche Flüge nach Berlin und Stuttgart, also insgesamt 14. Dazu kommt es nicht.
Ein weiteres Thema war, Emirates Zusatzrechte gemäß der sogenannten fünften Freiheit der Luft zu gewähren. Die Gesellschaft hätte dann beispielsweise einen Flug von Dubai über Berlin nach New York auflegen können und damit im Transatlantikverkehr in Konkurrenz zur Lufthansa treten können. Solche Zusatzrechte in zwischenstaatlichen Verkehrsabkommen sind selten. In Deutschland kann sie Singapore Airlines für eine Verbindung von Singapur über Frankfurt nach New York beanspruchen, Emirates weiterhin nicht.
Emirates hatte Ton verschärft
Die Rechte für zusätzliche Dubai-Flüge stehen im Zusammenhang mit einer größeren Übereinkunft für Investitionen der Emirate in Deutschland. Schritte mit Symbolkraft hatten sie angedeutet. Die Delegation aus den Emiraten war per Emirates-Sonderflug nach Berlin gekommen. Genutzt wurde ein Flugzeug der Gesellschaft des Einzelemirats Dubai und keines von Etihad, der Nationalairline der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Boeing 777 fiel schon deshalb auf, weil derzeit regulär weder Emirates-Flugzeuge noch dieses Boeing-Langstreckenmodell den Flughafen BER ansteuern.
Lufthansa hatte indes einen Tag zuvor öffentlichkeitswirksam mitgeteilt, auf wie viele Flüge das Dubai-Angebot des deutschen Konzerns hochgefahren werde. Das klang, als ob damit die Botschaft verbunden werden sollte, dass weitere Flüge anderer Airlines nicht nötig seien.
Lufthansa hatte Flüge mit der Eskalation des Nahost-Konflikts ausgesetzt. Im Winter bietet Lufthansa samt der Tochtergesellschaften Eurowings, Swiss und Austrian Airlines nun bis zu 36 Dubai-Flüge je Woche an. Der Durchbruch in den Gesprächen über die Berlin-Flüge von Emirates kommt für die Gesellschaft aus Dubai zu einem günstigen Zeitpunkt. Am kommenden Montag eröffnet in Dubai der Arabian Travel Market, die zentrale Reisemesse der Region.
Im Zuge der über zehn Jahrzehnte laufenden Flugdiskussion hatte Emirates-Chef Clark zuletzt den Ton verschärft. Bei seinem jüngsten Berlin-Besuch beklagte er, dass in Deutschland eine „bestens orchestrierte Gruppe“ versuche, zusätzliche Flugrechte für Emirates zu verhindern. Lufthansa arbeite daran, eine Art „Schutzschild“ über dem deutschen Markt zu schaffen.
Über den Flughafen BER sagte Clark: „Das ist doch kein Hauptstadtflughafen“. Er habe bei seiner Ankunft eine „traurige Situation“ vorgefunden. Dort hätten nur kleine Mittelstreckenflugzeuge – auch von Billigfliegern – gestanden, aber kein Langstreckenflugzeug. Mit dieser Beschreibung dürfte er Politikern aus der Region und dem Bund aus der Seele gesprochen haben. Auch sie beklagen die geringe Zahl der Interkontinentalflüge seit langem.
Deutsche Flugbranche gespalten
In der Dubai-Flug-Frage ist die Luftfahrt gespalten. Flughäfen hofften auf Zusatzgeschäft durch außereuropäische Gesellschaften, Lufthansa warnte vor einem „Abschöpfen von Passagieren aus Deutschland“ auf Kosten der heimischen Wirtschaft. Aletta von Massenbach, Präsidentin des Flughafenverbands ADV und zugleich BER-Chefin, hatte für die Lockerung von Verkehrsabkommen plädiert. „Jede Liberalisierung ermöglicht zusätzliche Flüge. Der Bedarf ist da“, sagte sie. „Und wenn eine Gesellschaft eine Strecke nicht bedienen will, dann soll halt eine andere fliegen.“
Lufthansa hat ihre Interkontinentalflotte auf Frankfurt und München konzentriert, Lufthansa-Reisen von Berlin nach Fernost sind mit Umstiegen dort verbunden. Der Konzern argumentierte, mehr Rechte für Emirates und Co. würden internationale Passagierströme von deutschen Drehkreuzen hin zu Umsteigepunkten wie Dubai verlagern. „Es ist argumentativ dünn, dem Kranich vorzuwerfen, er ziehe Passagiere an seine Drehkreuze, um im selben Moment genau das den VAE-Airlines für ihre Drehkreuze in Dubai und Abu Dhabi ermöglichen zu wollen“, schrieb der Konzern in eine seiner Aussendungen an Politiker. 2010 hätten noch 60 Prozent der Reisenden von Deutschland nach Asien eine Verbindung ohne Umstieg oder mit Flugzeugwechsel in Europa genommen, zuletzt nur eine Minderheit von 42 Prozent.
Dieselbe Spaltung wie in der Luftfahrt zeigte sich auch in der Politik. Vertreter aus Berlin und den östlichen Bundesländern beklagten, von Fernzielen abgehängt zu sein. Aus Hessen und Bayern kamen Warnungen vor negativen Effekten durch Emirates-Flüge ab Berlin. Sogar auf Bundesebene war man sich nicht immer einig. Das Wirtschaftsministerium soll Sympathien für den Emirates-Wunsch gezeigt haben, das Verkehrsministerium eher nicht.
Nun ist der Weg für Emirates-Flüge aus der deutschen Hauptstadt frei. Mit Berlin nach Dubai „rücken zwei wachsende Wirtschaftsregionen noch enger zusammen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister, Kai Wegner (CDU). Lufthansa hatte indes schon vorher darauf hingewiesen, dass kein zusätzliches Ziel auf die Anzeigetafel am BER komme. Die eigene Tochtergesellschaft Eurowings steuert Dubai auch an. Eurowings setzt aber keine Großraumflugzeuge ein, sondern reizt die Reichweite von A320-Mittelstreckenjets aus.