Kneipe in Bürgerhand

Feiern, gutes Essen, ein Blick auf die Elbe: Viele verbinden mit dem Kranhaus in Wittenberge gute Erinnerungen. Nach Jahren der Ruhe soll in das Gebäude wieder Leben einziehen – mit einer Kneipe, die den Menschen selbst gehört.

  • 4 min read
Kneipe in Bürgerhand

Neues Konzept für Kranhaus Wittenberge

Kneipe in Bürgerhand

Aktuell wird das Kranhaus nur für Workshops genutzt – ab Oktober soll es hier eine Genossenschaftskneipe geben. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)
Aktuell wird das Kranhaus nur für Workshops genutzt – ab Oktober soll es hier eine Genossenschaftskneipe geben. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)

Icon Kommentar

Von

Björn Haase-Wendt

Noch versperren die großen grünen Holztore am Backsteinbau des Kranhauses den Blick ins Innere. Doch dahinter soll bald wieder gefeiert, getrunken und gelacht werden: Am Elberadweg in Wittenberge (Prignitz) entsteht eine Kneipe, die den Menschen aus der Region selbst gehören soll.

"Wir wissen von dem Kneipensterben, das heißt, es braucht ein anderes Konzept", sagt Thomas Thüring aus dem Vorstand der "Machbar Zapferei"-Genossenschaft. Im vergangenen Jahr entstand die erste Idee für eine neue Kneipe in Wittenberge. Schnell war klar: Es soll eine Genossenschaftskneipe werden. "Wir haben ganz viele Leute, die unterschiedlichste Fähigkeiten haben und alle wollen einen Ort haben, um zusammenzukommen – das war der Startpunkt", erklärt Thüring.

Von der Idee zur Genossenschaft

Erste Pläne wurden entwickelt, im Juni wurde schließlich die notwendige Genossenschaft mit 20 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile unterstützen rund 40 Menschen das Projekt, etwa genauso viele weitere haben Interesse bekundet.

Der große Zuspruch zeigt für die Initiatoren, wie groß der Bedarf nach einem neuen Treffpunkt ist. "Wir hatten glaube ich damals gesagt, 60 Leute wären nett, jetzt sind wir so um die 80", sagt Genossenschaftlerin Lena Jackholt. Besonders freue sie, dass die Gruppe bunt gemischt sei – "vom Alter, der Herkunft und der Erfahrung". Es sei schön, dass das Projekt nicht nur die eigene "Bubble" erreiche.

Lena Jackholt und Thomas Thüring aus dem Team der Genossenschaftskneipe. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)
Lena Jackholt und Thomas Thüring aus dem Team der Genossenschaftskneipe. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)

Die Idee für die Genossenschaftskneipe entstand aus den sogenannten Elblandwerkern – einem Netzwerk aus Einheimischen und Zugezogenen, darunter auch Digitalarbeitende, die unter anderem durch den "Summer of Pioneers" und ein Probewohnen ab 2019 nach Wittenberge kamen und geblieben sind. "Das Feedback haut mich echt vom Hocker", sagt Thüring. Bei den Kennenlernterminen kämen regelmäßig Menschen aus der gesamten Region zusammen.

Die neue Kneipe, für die noch ein Name gesucht wird, soll bewusst rauchfrei sein. Das sei ein wichtiger Punkt, erklärt Thüring: Viele andere Kneipen in der Region würden diese Möglichkeit nicht bieten. "Wir sind jetzt keine Rauchfeinde, aber wir wollen einen Ort haben, wo man entspannt sitzen kann, wo ein Bier gezapft wird und wenn es sich ergibt, wollen wir Musik- und Quizabende anbieten, einfach um eine kulturelle Komponente zu erweitern", sagt er. Geplant ist damit nicht nur ein Ort zum Trinken, sondern ein Treffpunkt mit Veranstaltungen und Begegnungen.

Die Theke als Herzstück

Lena Jackholt führt durch das Kranhaus. Im Erdgeschoss des rund 280 Quadratmeter großen Gebäudes stehen große Tische, in einer Ecke befindet sich eine Gastroküche. Am anderen Ende sind auf dem Boden Markierungen zu sehen. "Hier soll unsere Theke hin", sagt die 28-Jährige. Um die drehen sich derzeit viele Diskussionen: Wie soll sie aussehen? Welche Ausstattung braucht sie? "Zu einer Kneipe gehört ein Tresen und eine Theke. Auch die Zapfanlage ist in Planung".

Die Mitglieder wollen nicht nur entscheiden, sondern selbst mit anpacken. Sie kümmern sich um Marketing, Ausstattung, Getränkeauswahl, Buchhaltung und Mitgliederverwaltung. Außerdem sollen sie mindestens viermal im Jahr selbst hinter der Theke stehen. "Mehr Schichten gehen natürlich immer", sagt Jackholt. Auch finanziell übernehmen die Mitglieder Verantwortung: Mindestens zwei Genossenschaftsanteile sind notwendig, um mitzumachen. Ein Anteil kostet 250 Euro, maximal zehn Anteile können übernommen werden. "Wir müssen das Ganze natürlich auch tragen können", erklärt Thomas Thüring.

Start im Oktober geplant

Bis zur geplanten Eröffnung im Oktober stehen noch Behörden- und Notartermine, die Auswahl der Getränkelieferanten und die Schichtplanungen an. Gerade bei den Getränken wollen die Genossenschaftler einen eigenen Weg gehen. "Damit wir auch ein Alleinstellungsmerkmal über die Getränke haben", sagt Jackholt.

Mit dem Neustart würde auch ein Ort zurückkehren, den viele Menschen in der Prignitz in guter Erinnerung haben. Über viele Jahre war das Kranhaus ein bekanntes Restaurant mit hochwertiger Küche und regionalen Produkten. 2019 wurde dort zuletzt gekocht. Seit 2021 nutzt ein Unternehmen das Gebäude für Firmen- und Mitarbeiter-Coachings.

Die Eigentümer seien über das Elblandwerker-Netzwerk auf die Genossenschaft zugegangen und hätten nach Betreibern gesucht, die einen Ort mit regionaler Beteiligung aufbauen wollen, erklärt Thüring. Die Genossenschaft mietet sich künftig für zwei Abende pro Woche ein, an den übrigen Tagen bleibt das Kranhaus Veranstaltungsort für Workshops.

Die Mitglieder der "Machbar Zapferei"-Genossenschaft treffen sich immer am 15. jeden Monats zum Austausch und den weiteren Planungen. Jeweils um 17.30 Uhr im Kranhaus. Interessierte sind willkommen.

Den besonderen Charakter des Gebäudes wissen die Initiatoren zu schätzen. "Ich kenne den Ort von früher und man sieht, was man draus machen kann. Es steht für vieles in der Region: Backstein, Wasser, Elbe – wir haben eine große Terrasse. Es ist megaspannend hier starten zu können", sagt Thüring.

Die Genossenschaftler hoffen auf viel Zuspruch – auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2027 in Wittenberge. "Wenn wir hier im nächsten Sommer sind, alles läuft und es sich gut anfühlt, dann ist so ein Moment, wo wir sagen: Das ist es und wir können darüber nachdenken, es größer werden zu lassen".

Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 23.07.2026, 15:30 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 23.07.2026, Britta Streiter

Mehr bei rbb|24

Eine asiatische Hornisse fliegt gefangen in einem Glas (Quelle: picture alliance/dpa/Oliver Berg).
Eine S-Bahn der Linie S5 fährt durch Berlin. (Quelle: dpa/Marcin Golba)
Marie und Anna mit ihrem Kind Milosz. (Quelle: rbb)
Ein RE1 der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) steht an einem Bahnhof. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Trinkwasser kommt aus einem Wasserhahn. (Quelle: dpa/Marijan Murat)
Archivbild: Roland Korn in seinem Garten (Quelle: rbb)