Klavierstar Vikingur Ólafsson als Grafenegger Doktor Doolittle

Klassikfestival Klavierstar Vikingur Ólafsson als Grafenegger Doktor Doolittle Das Concertgebouw-Orchester brillierte in Grafenegg. Die letzte Festival-Ausgabe unter Rudolf Buchbinders Leitung endet am...

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Klavierstar Vikingur Ólafsson als Grafenegger Doktor Doolittle

Klassikfestival

Klavierstar Vikingur Ólafsson als Grafenegger Doktor Doolittle

Das Concertgebouw-Orchester brillierte in Grafenegg. Die letzte Festival-Ausgabe unter Rudolf Buchbinders Leitung endet am nächsten Sonntag

Christoph Irrgeher

Ihr wird kommende Woche in Grafenegg der Klangteppich ausgerollt: Asmik Grigorian gastiert am Freitag im Tullnerfeld.

Schade, natürlich: Wenn das Grafenegg-Festival am 6. September ausklingt, wird der Stargast des Abends fehlen. Dirigenten-Legende Riccardo Muti muss derzeit wegen eines Eingriffs das Bett hüten. Um den Auftritt seines Jugendorchesters Luigi Cherubini zu retten, hat Grafenegg-Chef Rudolf Buchbinder allerdings rasch einen namhaften, zuverlässigen Ersatzmann gefunden – nämlich sich selbst. Der Intendant wird sich vom Klavier aus gemeinsam mit dem italienischen Musiknachwuchs durch zwei Mozart-Klavierkonzerte arbeiten.

Positiver Nebeneffekt für Buchbinder: Die Mehrarbeit wird ihm an einem bedeutsamen Tag einen Zusatzauftritt und Extra-Applaus verschaffen – nämlich genau am allerletzten Abend seiner zwanzigjährigen Ära als Leiter in Grafenegg. Noch ist es freilich nicht so weit, noch heißt es nicht Abschied nehmen. Eine Woche lang tummeln sich auf dem idyllischen Freiluftgelände im Tullnerfeld weiterhin namhafte Virtuosen und Klangkörper der Klassikwelt. Am vergangenen Samstag machte das Königliche Concertgebouw-Orchester hier Station: Gemeinsam mit Klavierstar Vikingur Ólafsson hatte es sich für die erste Konzerthälfte Beethovens bekannt-beliebtes Fünftes Klavierkonzert vorgenommen.

Lyrisches Adagio

Erstaunlicherweise kostete Ólafsson weniger die Prunk- und Prachtpassagen der Rahmensätze aus, sondern versenkte sich in die Lyrismen des Adagios. Wie leise kann ein Mensch Klavier spielen? Mit der Samtpfötigkeit einer Schmusekatze und der Behutsamkeit eines Zen-Meisters durchmaß der Isländer den Mittelsatz und regte im Dialog auch die Holzbläser zu entsprechendem Zartgefühl an. Bezaubernd die erste Zugabe: Nachdem davor bereits ein schnatternder Piepmatz vom Bühnenrand aus "mitgesungen" hatte, nahm Ólafsson als eine Art Doktor Doolittle in Form von Jean-Philippe Rameaus Rappel des oiseaux mit dem Vogel Kontakt auf.

Gewöhnungsbedürftig, sich danach auf ein russisches Wuchtwerk einzulassen: 1944 hatte Prokofjew mit seiner Fünften eine veritable "Kriegssymphonie" in die Welt gesetzt. Diese 45 Minuten bescheren jedoch mehr als nur tönende Propaganda. Zwischen gusseisernem Kopfsatz und triumphalem Finale treibt ein tänzerisches Scherzo skurrile Schelmereien, und im Adagio wächst sich eine Hommage an Beethovens Mondschein-Sonate allmählich zum dissonanten Horrortrip aus.

Feine Pointen

Erfreulich: Dirigent Santtu-Matias Rouvali schlug aus den Cinemascope-Effekten ebenso Kapital wie aus feinen Pointen. Beifall, letztendlich auch für den zugegebenen Valse triste. Wer Festivalintendant Rudolf Buchbinder am Ende seiner Ära nochmals Gesellschaft leisten will, findet dafür in den Folgetagen noch ein paar triftige Gründe: Am Mittwoch begleiten die Münchner Philharmoniker unter Lahav Shani das ewige Klavier-Energiebündel Martha Argerich, am Folgeabend beehren die Wiener Philharmoniker mit ihrem nächsten Neujahrsdirigenten Tugan Sokhiev das Gelände, und am Freitag rollen die Niederösterreichischen Tonkünstler einer singenden Gallionsfigur der Salzburger Festspiele den roten Teppich aus, nämlich Asmik Grigorian. (Christoph Irrgeher, 30.8.2026)

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