Klaus-Michael Kühne ist tot – so hat der Milliardär sein gewaltiges Erbe geregelt

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Klaus-Michael Kühne ist tot – so hat der Milliardär sein gewaltiges Erbe geregelt

Stand: 24.08.2026, 13:32 Uhr

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Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Logistikunternehmer hinterlässt ein Milliardenvermögen und Beteiligungen unter anderem an Kühne+Nagel, Hapag-Lloyd und Lufthansa.

Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Logistikunternehmer hinterlässt ein Milliardenvermögen und Beteiligungen unter anderem an Kühne+Nagel, Hapag-Lloyd und Lufthansa. © Christina Sabrowsky/dpa

Klaus-Michael Kühne hinterlässt ein Milliardenvermögen und zahlreiche Firmenbeteiligungen. Begünstigt wird vor allem seine gemeinnützige Stiftung in der Schweiz.

München – Klaus-Michael Kühne, einer der reichsten Deutschen und über Jahrzehnte eine der prägendsten Figuren der internationalen Logistikbranche, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Was mit seinem gewaltigen Firmen- und Beteiligungsvermögen geschehen soll, hatte der Unternehmer lange vor seinem Tod geregelt. Eine zentrale Rolle spielt dabei die von seiner Familie gegründete Kühne-Stiftung.

Als engste Angehörige hinterlässt Kühne seine Ehefrau Christine. Kinder hatte das Paar nicht. Entsprechend beschäftigte den Unternehmer schon seit Jahren die Frage, wie sein wirtschaftliches Lebenswerk über seinen Tod hinaus erhalten werden kann.

Um welche Summen es dabei geht, lässt sich nur schätzen. Verschiedene Vermögensrankings kamen zuletzt auf Werte im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Forbes bezifferte Kühnes Vermögen wenige Tage vor seinem Tod auf mehr als 40 Milliarden Dollar. Damit gehörte der Hamburger weiterhin zu den reichsten Deutschen überhaupt.

Kühnes Vermögen soll langfristig an seine Stiftung gehen

Die Nachfolge hat Kühne nicht einem einzelnen Familienmitglied zugedacht. Nach Angaben der Kühne-Stiftung sollen die Vermögenswerte ihres Gründers schließlich vollständig auf die Stiftung übergehen. Damit wird eine bereits seit Jahrzehnten bestehende Konstruktion erheblich an finanzieller Bedeutung gewinnen.

Kühne hatte die Stiftung 1976 gemeinsam mit seinen Eltern gegründet. Sein Leitgedanke war, wirtschaftlichen Erfolg auch für gesellschaftliche Zwecke einzusetzen. Heute arbeitet die Organisation international in den Bereichen Logistik, humanitäre Hilfe, Klima, Medizin und Kultur.

Schon vor dem milliardenschweren Vermögensübergang verfügt sie über erhebliche Mittel. Für 2026 sind rund 65 Millionen Schweizer Franken eigene Stiftungsmittel vorgesehen. Zusammen mit Drittmitteln erreicht das Budget rund 135 Millionen Franken. Knapp 800 Menschen arbeiten weltweit für die Stiftung, Projekte werden in 42 Ländern umgesetzt.

Den größten Teil der eigenen Mittel erhält die klassische Logistik mit 42 Prozent. Weitere elf Prozent fließen in die humanitäre Logistik. Medizin steht für 20 Prozent des Budgets, Klimaprojekte für 15 Prozent und Kultur für sieben Prozent. Nach dem Übergang von Kühnes Vermögen könnte die Organisation nach eigener Einschätzung in den kommenden Jahren zu den größten Stiftungen Europas aufsteigen.

Die Stiftung wird von einem elfköpfigen Stiftungsrat kontrolliert. Zu ihm gehören unter anderem Kühnes Ehefrau Christine sowie langjährige Weggefährten des Unternehmers. Vizepräsident ist der Schweizer Jurist Thomas Staehelin. Die operative Arbeit liegt bereits heute bei einer professionellen Geschäftsführung und mehreren Verantwortlichen für die einzelnen Stiftungsbereiche.

Milliardenbeteiligungen an Lufthansa und Hapag-Lloyd

Besonders bedeutsam ist die Frage, was mit Kühnes Unternehmensbeteiligungen geschieht. Herzstück seines Vermögens ist die Kühne Holding mit Sitz im schweizerischen Schindellegi.

Sie hält die Mehrheit am Logistikkonzern Kühne+Nagel. Hinzu kommen 30 Prozent an der Containerreederei Hapag-Lloyd und 20 Prozent an der Lufthansa. Auch beim Chemikalienhändler Brenntag ist die Holding Großaktionärin. Weitere Beteiligungen bestehen unter anderem am Fernbus- und Bahnunternehmen Flix, am Pharma-Auftragshersteller Aenova sowie am Medizintechnikhersteller Ottobock.

Kühne hatte deutlich gemacht, dass insbesondere die Verbindung zu Kühne+Nagel auch nach seinem Tod erhalten bleiben soll. Die Stiftung soll langfristig dazu beitragen, die unternehmerische Kontinuität zu sichern.

Das Unternehmen selbst hat sich während Kühnes Karriere grundlegend verändert. Er stieg Anfang der 1960er-Jahre in das Familienunternehmen ein und übernahm bereits wenige Jahre später Führungsverantwortung. Aus einem mittelständischen Logistikunternehmen entstand ein globaler Konzern mit heute rund 88.000 Beschäftigten und mehr als 1.300 Standorten in knapp 100 Ländern.

Kühnes Wohnsitz in der Schweiz spielt auch steuerlich eine Rolle

Kühne lebte seit Jahrzehnten in der Schweiz. In den 1970er-Jahren verlagerte sich auch der Schwerpunkt des Familienunternehmens dorthin. Sitz der Kühne Holding ist bis heute Schindellegi im Kanton Schwyz.

Die Entscheidung für die Schweiz sorgte immer wieder für Kritik. Kühne selbst machte nie ein Geheimnis daraus, dass auch die günstigeren steuerlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ihn eine Rolle spielten.

Für seinen Nachlass ist der Standort ebenfalls relevant. Anders als die meisten Schweizer Kantone erhebt Schwyz weder eine Erbschaft- noch eine Schenkungsteuer. Auch auf Bundesebene gibt es in der Schweiz keine Erbschaftsteuer.

Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch ableiten, dass sämtliche mit dem Nachlass verbundenen Vorgänge weltweit steuerfrei bleiben. Bei grenzüberschreitenden Beteiligungen, Immobilien oder anderen Vermögenswerten können je nach Struktur zusätzliche steuerliche Regeln greifen. Klar ist jedoch: Eine kantonale Erbschaftsteuer fällt am Wohnsitz Kühnes in Schwyz nicht an.

Hamburg blieb für Kühne bis zuletzt entscheidend

Obwohl er den größten Teil seines Lebens in der Schweiz verbrachte, blieb Kühne seiner Geburtsstadt Hamburg eng verbunden. In den vergangenen Jahren trat er dort zunehmend als Investor und Mäzen auf.

Sein größtes Kulturprojekt ist der geplante Neubau der Hamburgischen Staatsoper in der HafenCity. Die Kühne-Stiftung will einen wesentlichen Teil der Kosten des neuen Opernhauses tragen. Nach Abschluss der derzeitigen Planung und einer belastbaren Kostenschätzung soll die Stiftung endgültig entscheiden, ob das Projekt umgesetzt wird.

Auch beim stockenden Elbtower-Projekt engagierte sich Kühne. Seine Holding gehört zu einem Investorenkonsortium, das den nach der Signa-Pleite liegen gebliebenen Rohbau übernehmen und fertigstellen will. Kühne hatte dafür eine Beteiligung von bis zu 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Wie es mit dem Projekt nach seinem Tod weitergeht, dürfte nun auch von den Entscheidungen der Holding und der übrigen Investoren abhängen.

Eine besondere Verbindung hatte Kühne außerdem zum Hamburger SV. Über Jahre unterstützte er den Fußballverein finanziell. Zuletzt finanzierte er die Namensrechte am Stadion mit, sodass die Arena weiterhin Volksparkstadion heißt.

Auch kulturell engagierte sich seine Stiftung bereits lange vor dem geplanten Opernneubau. Sie unterstützte unter anderem die Elbphilharmonie, die Salzburger Festspiele und das Lucerne Festival Orchestra. Dass viele dieser Engagements institutionell über die Stiftung organisiert sind, dürfte ihre Fortführung nach Kühnes Tod erleichtern.

NS-Vergangenheit von Kühne+Nagel blieb umstritten

Zu Kühnes Lebenswerk gehört zugleich ein historisches Kapitel, dessen Umgang bis zuletzt für Kritik sorgte. Sein Vater Alfred Kühne und dessen Bruder Werner traten 1933 der NSDAP bei. Im selben Jahr schied der jüdische Mitinhaber Adolf Maass aus dem Unternehmen aus. Maass wurde später deportiert und vermutlich 1944 in Auschwitz ermordet.

Während des Zweiten Weltkriegs spielte Kühne+Nagel eine wichtige Rolle bei der sogenannten „M-Aktion“. Dabei wurden Möbel und Hausrat von geflohenen oder deportierten Juden aus den von Deutschland besetzten Gebieten abtransportiert und ins Deutsche Reich gebracht. Historiker und Medien kritisierten über Jahre, dass das Unternehmen dieses Kapitel seiner Geschichte nicht umfassend durch unabhängige Forschung aufarbeiten ließ.

Klaus-Michael Kühne selbst war bei Kriegsende noch ein Kind. Die Kritik richtete sich deshalb nicht gegen eine persönliche Beteiligung an den damaligen Vorgängen, sondern vor allem gegen seinen späteren Umgang mit der Unternehmensgeschichte.

In seinen letzten Jahren zeigte er sich bei dem Thema etwas gesprächsbereiter als zuvor. Eine umfassende historische Aufarbeitung durch unabhängige Wissenschaftler stand bei seinem Tod allerdings weiterhin aus. Ob sich die Kühne-Stiftung unter ihrer künftigen Führung dafür entscheidet, gehört deshalb ebenfalls zu den offenen Fragen seines Vermächtnisses. (Quellen: Kühne-Stiftung; Kühne Holding AG; Forbes; Tagesschau/NDR; Deutschlandfunk; Kanton Schwyz; Freie und Hansestadt Hamburg) (mare)