Jürgen Klopp als Bundestrainer: Seine wichtigste Aufgabe beginnt nicht auf dem Platz
Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer. Nach dem erneut frühen WM-Aus übernimmt der 59-Jährige eine Nationalmannschaft, die nicht nur sportlich vor einem Neuanfang steht. Die Fans haben das Vertrauen verloren. ...
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Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer. Nach dem erneut frühen WM-Aus übernimmt der 59-Jährige eine Nationalmannschaft, die nicht nur sportlich vor einem Neuanfang steht. Die Fans haben das Vertrauen verloren.
Der DFB braucht wieder Begeisterung und eine klare Richtung. Klopp muss also vor allem eine Aufgabe lösen, die über Taktik und Aufstellungen hinausgeht. Er muss die Nationalmannschaft wieder zusammenführen.
Klopp unterschreibt offenbar bis 2030, sein Vertrag inkludiert also die EM 2028 und die WM 2030. Für diese beiden Turniere muss er eine Mannschaft entwickeln, die wieder konkurrenzfähig ist. Und eine Mannschaft, auf die sich die Fans wieder freuen können. Dafür muss er die Dinge anders angehen als sein Vorgänger Julian Nagelsmann.
Klopp muss beim Kader ein Zeichen setzen
Die erste große Entscheidung betrifft die Spieler. Nagelsmann hielt lange an seinen Lieblingen fest, obwohl deren Leistungen im Verein kaum noch für eine feste Rolle in der Nationalmannschaft sprachen.
Leon Goretzka spielte beim FC Bayern zuletzt nur noch eine Nebenrolle. Leroy Sané spielt bei Galatasaray Istanbul wie ein Mittelmäßiger Super-Lig-Spieler. Trotzdem waren beide im WM-Kader, Sané sogar als Stammspieler.
Der Fairness halber muss an dieser Stelle erwähnt sein, dass er dabei vom verletzungsbedingten WM-Ausfall von Lennart Karl profitierte. Dieser aber wiederum ist erst 18 Jahre alt, wäre allerdings das belebendere Element für das deutsche Spiel gewesen.
Für Leroy Sané (l.) und Leon Goretzka dürfte jetzt Schluss sein beim DFB.
© Christian Charisius/dpa
Unter Klopp muss das Leistungsprinzip wieder an Bedeutung gewinnen. Nach dem erneuten WM-Debakel braucht der DFB Entscheidungen, die sportlich nachvollziehbar sind. Schon der Kader für das erste Spiel gegen die Niederlande im September dürfte zeigen, ob sich tatsächlich etwas verändert.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Namen. Es geht um ein Signal. Wer gute Leistungen zeigt, muss eine Chance bekommen. Wer seinen Platz verliert, muss nachvollziehen können, warum.
Klopps größte Stärke ist die Kommunikation
Noch wichtiger als die Auswahl der Spieler könnte jedoch der Umgang mit ihnen werden. Nagelsmann sorgte zuletzt immer wieder mit seiner Kommunikation für Diskussionen.
Berichten zufolge lief ein Teil des Austauschs mit Spielern über WhatsApp-Sprachnachrichten. Kapitän Joshua Kimmich soll Einzelgespräche mit Mitspielern übernommen haben. Gleichzeitig kritisierte Nagelsmann einzelne Spieler öffentlich.
Nationalmannschaft
Verratene Stars im Quartier: Das lief schief zwischen Nagelsmann und dem Team
Doch Nationalmannschaft funktioniert nur, wenn möglichst viele Spieler das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Und darin sollte doch Klopps große Stärke liegen.
Klopp ist ein Menschenfänger. Seine erfolgreichsten Mannschaften bei Borussia Dortmund und Liverpool gewannen nicht nur wegen ihrer taktischen Qualität. Sie gewannen, weil Klopp Gruppen formen konnte. Weil Spieler für ihn und füreinander liefen. Wenn er das auf den DFB übertragen kann, hat er schon mehr geschafft, als sein Vorgänger.
Der Bundestrainer braucht wieder mehr Souveränität
Auch nach außen muss sich die Nationalmannschaft verändern. Nagelsmann wirkte auf Kritik häufig gereizt. Manche Pressekonferenz entwickelte sich eher zu einer Verteidigung als zu einer Erklärung.
Doch Bundestrainer sein, bedeutet mit dem ganz Fußballdeutschland zu sprechen, die Fans abholen zu können. Der Trainer der Nationalmannschaft ist immer auch eine öffentliche Figur. Er muss Niederlagen erklären, Hoffnungen erzeugen und Menschen mitnehmen.
Auch Klopp war in der Vergangenheit schon emotional, aber er ist erfahren genug, um mit Kritik umzugehen. Helfen dürfte aber auch, dass Klopp wahrscheinlich einer der beliebtesten Deutschen überhaupt ist.
Jürgen Klopp (l) war zuletzt Head of Global Soccer bei Red Bull.
© Jan Woitas
Sein Image blieb aber durch seinen Wechsel zu Red Bull zuletzt nicht unangetastet. Dass er dem Anschein nach Markenbotschafter für die Energy-Drink-Firma bleibt, könnte seinen Job etwas erschweren.
Klopp muss den Nachwuchs wieder stärker einbinden
Eine weitere wichtige Aufgabe wird der Blick auf junge Spieler sein. Nagelsmann setzte häufig auf Akteure, die er bereits kannte. Andere mussten lange auf ihre Chance warten. Angelo Stiller, Malick Thiaw oder Deniz Undav brauchten Geduld, obwohl sie auf Vereinsebene längst Argumente gesammelt hatten.
Talente wie Said El Mala oder Nicolo Tresoldi kamen trotz starker Leistungen in der U21 bislang überhaupt nicht zum Einsatz. Unter Klopp müssen die wenigen aufstrebenden Talente in Deutschland ihre Chancen bekommen.
DFB
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Dass Klopp als Befürworter einer stärkeren Nachwuchsarbeit gilt und sich immer wieder für bessere Strukturen ausgesprochen hat, könnte dabei ein Vorteil sein. So setzte er sich zuletzt stark für die neue U21-Liga ein.
Am Ende wird natürlich auch Jürgen Klopp an den Ergebnissen gemessen werden. Doch die wichtigste Aufgabe des neuen Bundestrainers beginnt wahrscheinlich nicht mit einer Aufstellung, sondern damit Fußballdeutschland wieder Freude am der Nationalmannschaft zu bereiten.
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